Freitag, 20. Juli 2018
Lade Login-Box.

Der Kabarettist Wolfgang Krebs brillierte mit seiner "Watschenbaum-Gala" im Alten Stadttheater

Die ''Lady Gaga der bayerischen Politik''

Eichstätt
erstellt am 21.05.2018 um 16:33 Uhr
aktualisiert am 25.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Seine Paraderolle ist nach wie vor der hilflos stammelnde Altministerpräsident Dr. Edmund Stoiber, der zu jedem Thema etwas zu sagen hat, weil es ihm "auf den Nieren brennt". Daneben aber parodierte Krebs am Freitagabend im nicht ausverkauften Alten Stadttheater in Eichstätt nicht weniger als zwölf weitere Persönlichkeiten.
Textgröße
Drucken
Wolfgang Krebs als Horst Seehofer bei seinem Auftritt im Alten Stadttheater in Eichstätt.
Wolfgang Krebs als Horst Seehofer bei seinem Auftritt im Alten Stadttheater in Eichstätt.
Kusche
Eichstätt
Da kamen der asthmatisch lachende Horst Seehofer, der ungeniert fränkelnden Markus Söder oder Angela Merkel auf die Bühne. Letztere verzweifelt bemüht, das bayerische Idiom halbwegs korrekt auszusprechen, wenn sie mit Einheimischen in Kontakt tritt: "Ein herzliches Pfi-a-t di, ihr gri-a-bigen Leit!"

Es waren aber nicht nur die Politiker, die sich im Asthe ein Stelldichein gaben. Natürlich durften auch die Kultfiguren des Krebs-Universums nicht fehlen: der etwas angetrunkene Hochzeitsredner Schorsch Scheberl, Vorstand in 30 Ortsvereinen, der den syrischen Flüchtling Hussein im Dorf willkommen heißt, und der erfolglose Schlagersänger Meggy Montana aus dem Allgäu, dessen Auftritt als Show-Act präsentiert wird. Beide Originale schauen dem Volk aufs Maul und dienen als Kontrastprogramm zum schier unerträglichen Geschwafel der - meist männlichen - Politiker. Wenn Meggy Montana sein sozialkritisch angehauchtes Lied "Wenn die Marimba ertönt in Wernigerode" zum Besten gibt und das Publikum in den Refrain einstimmt, dann bleibt kein Auge trocken.

Doch der Abend hatte auch einen festlichen Rahmen: die Preisverleihung des "Watschenbaums", einer Art Anti-Oscar, in Gold, Silber und Bronze. Wenn der nämlich umfällt, dann setzt es Ohrfeigen - zumindest verbal. Dazu fragte Krebs alias Stoiber, der gleichzeitig als Schirmherr und Kandidat der Veranstaltung auftrat: "Wer schießt den größten Bock, verzapft den aberwitzigsten Unsinn, redet das dümmste Zeug daher?" Die Liste der präsentierten Vorschläge war lang, und am Ende entschied das Publikum durch die Applausstärke mit. Dass diesmal kein bayerischer Politiker gewann, sondern ausgerechnet Donald Trump, war sicher kein Zufall, denn bei den meisten seiner gesprochenen oder getwitterten Sätze müsste tatsächlich der Watschenbaum umfallen.

Wolfgang Krebs zündete an diesem Abend ein wahres Feuerwerk an Gags und Versprechern, das man live miterleben muss. Der "Meister der geschliffenen Pointe und genialen Perücke" wächst vor allem dann über sich hinaus, wenn er in aberwitziger Geschwindigkeit die Rollen wechselt und diese dann stets authentisch präsentiert. Unübertroffen sind seine volksnahen Rollen, vor allem als Schorsch Scheberl, der sich, merklich beschwipst, in seiner Hochzeitsrede über den syrischen Flüchtling Hussein, Bräutigam von Sabrina ("die mit den 500 Rindviechern und den 1000 Hektar Grund") freut, weil der Moslem den Bayern nicht das Bier wegtrinkt.

Am besten jedoch parodiert Krebs Edmund Stoiber, dicht gefolgt von Horst Seehofer, Markus Söder und Joachim Herrmann. Stoiber wendet sich an alle CSU-Mitglieder "innerhalb und außerhalb der Urnen" und bedauert theatralisch seinen Ausstieg aus der Politik. Dabei hätten noch so viele Fähigkeiten in ihm geschlummert, wie er gleich durch die volksnahe Erklärung von Alfons (!) Einsteins Relati -viti - dingsbums beweist: "Wenn Sie zehn Minuten lang vorne an einen Zug gebunden sind, der mit vierfacher Lichtgeschwindigkeit in einen bayerischen Bahnhof einfährt, wo er vier Minuten hält, und Sie dann auf die Bahnhofsuhr schauen, dann zeigt diese nach vier Minuten immer noch die gleiche Zeit an, weil in Bayern eben keine Bahnhofsuhr richtig funktioniert." Denn eines weiß der Edmund sicher: "Auch der Holzweg kann der richtige sein, wenn Sie eine Termite sind."

Markus Söder präsentiert sich dagegen auf dem Gipfel der Macht: Von seinen 51 Lebensjahren hat er 80 darauf gewartet, endlich bayerischer Ministerpräsident zu werden. Fast philosophisch wird er, wenn er von den vier Phasen im Leben eines Mannes schwadroniert: "Du glaubst an den Nikolaus, du glaubst nicht mehr an den Nikolaus, du bist der Nikolaus, du siehst aus wie der Nikolaus."

Ein klares Bekenntnis zu Eichstätt spricht schließlich Horst Seehofer aus, von dem auch so rätselhafte Sätze stammen wie: "Die Basis ist das Fundament aller Grundlagen." Der ordendekorierte Ingolstädter will mit dem Heimatministerium sogar eines seiner drei Berliner Ministerien in die Altmühlmetropole holen, weil er hier Heimat in seiner Urform vertreten sieht. Außerdem ist er dann weit genug von Angela Merkel weg - und von Markus Söder, aber immer noch nah genug an Söder, um notfalls wieder das Zepter übernehmen zu können.

Am Ende hält Stoiber "in geistiger Abwesenheit" die Antilaudatio auf Donald Trump, in die er auch Fragen zur Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft einfließen lässt. Schließlich mündet die Laudatio in die bewegenden Worte: "Im Vergleich zu mir bin ich der beste Redner. Ich bin die Lady Gaga der bayerischen Politik. Lang lebe Edmund Stoiber!"
Dagmar Kusche
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!