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Blutrünstige und ganz unromantische Vampire machen Eichstätt unsicher - in Andrea Weils Debütroman "No Pflock"

"Der Twilight-Hype ging mir auf den Keks!"

Eichstätt
erstellt am 25.04.2018 um 18:23 Uhr
aktualisiert am 29.04.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (ahm) Blutrünstige Spektakel an Eichstätter Orten: Die Ingolstädter haben Frankensteins Monster, nun treibt ein studentischer Vampir in der Domstadt sein Unwesen - zumindest in Andrea Weils Fantasy-Geschichte.
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Die Inspiration zu ihrem Roman fand die Autorin Andrea Weil , als sie in der Antonistraße den Aufkleber ?No Pflock? entdeckte.
Die Inspiration zu ihrem Roman fand die Autorin Andrea Weil , als sie in der Antonistraße den Aufkleber "No Pflock" entdeckte.
Fotos: Hausmann
Eichstätt
Das Kulturreferat der katholischen Universität Eichstätt organisierte eine Lesung im Wirtshaus "Zum Gutmann".

Wer in der Antonistraße gedankenverloren seinen Blick schweifen lässt oder gerne Regenrinnen betrachtet, mag schon mal über den Aufkleber "No Pflock" gestolpert sein. So erging es auch Diplomjournalistin Andrea Weil während ihrer Studienzeit. "No Pflock. Ist das vielleicht ein Geheimbund, der Vampire jagt. ", fragte sich die heute 36-Jährige damals. Daraus entstand eine Geschichte rund um den Studenten Martin, der mit Fantasy, Mystik und insbesondere Vampiren herzlich wenig zu tun hat. Zu Beginn des Romans wird er allerdings von einem Vampir gebissen - den verheerenden Folgen dieses Erlebnisses lauschte das vornehmlich studentische Publikum im Gutmann.

Martin flüchtet vor dem nahenden Sonnenaufgang und liegt, von Schmerzen geplagt, auf dem Badezimmerboden in seiner Studentenwohnung in der Schottenau. Wo so mancher Student vielleicht nach einer längeren Partynacht mit einem gehörigen Durst aufwacht, verzehrt sich der Vampir nach frischem Blut. Kurzerhand saugt er seine Flurnachbarin aus - zur Belustigung des Publikums. Den Umständen geschuldet muss Martin in München untertauchen. Hier reflektiert er, dass aus ihm, dem einst unschuldigen Studenten, ein Mörder wurde. Diese tiefere Ebene sei Andrea Weil sehr wichtig. "Ich habe versucht, auch gesellschaftlich relevante Themen anzusprechen", erklärte sie.
 
Fotos: Hausmann
Eichstätt



Trotz manch ernster Szene lebt der Roman vor allem von dem lockeren Schreibstil und dem teils grotesken Humor. Wissendes Nicken macht sich unter den Gästen breit, als von einem "prägenden Wetterphänomen in Eichstätt" die Rede ist - denn zum Showdown erscheint der Protagonist wieder in Eichstätt und die Stadt versinkt im Nebel.

Die Thematik Vampire ist gewiss nicht neu, zumal die Untoten in den vergangenen Jahren vielfach literarisch romantisiert wurden. Dagegen wehrt sich Andrea Weil. Sie erklärte: "Der Twilight-Hype ging mir unheimlich auf den Keks. " Ihre Vampire sind daher klassisch-blutrünstig.

Andrea Weil traf den Geschmack ihrer Zuhörer, etwa wenn die Annäherungsversuche des Protagonisten beim anderen Geschlecht kläglich scheitern. Die Autorin wirft einen vielsagenden Blick über den Rand ihrer Brille. "Die Unsterblichkeit hat ihn nicht gerade zu einem Brad Pitt gemacht", scherzt sie. Martin bleibt der typische Anti-Held, der dennoch gegen die Vampirjäger von "No Pflock" kämpfen muss. Das Zielpublikum, so die Autorin selbst, sei ab 14 Jahren aufwärts. "Es ist kein explizites Jugendbuch", sagte sie. "No Pflock" fasziniert - vor allem die Szenen, die in Eichstätt spielen, fesselten die Zuhörer im Gutmannsaal. Das Finale des Buches klingt vielversprechend: "Die Wände der Trompete sind nicht umsonst rot gestrichen", deutete Weil an.

Das Buch "No Pflock" von Andrea Weil ist im Fabylon-Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro.
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