Montag, 24. September 2018
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Großeinsatz auf dem Flugplatz in Eichstätt - Ursache noch unbekannt

Flugzeug abgestürzt: Zwei Piloten schwerst verletzt

Eichstätt
erstellt am 08.09.2018 um 20:40 Uhr
aktualisiert am 15.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (DK) Am Samstagnachmittag ist um 16.10 Uhr auf dem Eichstätter Flugplatz ein Ultraleichtflugzeug abgestürzt: Beide Piloten erlitten dabei lebensbedrohliche Verletzungen. Ein großes Aufgebot an Rettungskräften war im Einsatz, die Absturzursache wird noch ermittelt.
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Dass Wrack des Ultraleichtflugzeugs Typ WT9 dynamic wird nun noch von Gutachtern untersucht, um die Absturzursache zu klären.
Dass Wrack des Ultraleichtflugzeugs Typ WT9 dynamic wird nun noch von Gutachtern untersucht, um die Absturzursache zu klären.
Chloupek
Eichstätt

Der 56-jährige Fluglehrer und der 66-Jährige als sein Schüler, beides Mitglieder des Fliegerclubs Eichstätt, waren mit einem vereinseigenen Ultraleichtflugzug vom Typ WT9 dynamic auf einem Übungsflug. als die Maschine aus einer Höhe von 50 Meter über dem Flugplatz abstürzte. 

Auf dem Flugplatz in Eichstätt herrschte am Samstag normaler, reger Flugbetrieb, etwa 20, 30 Leute dürften auf dem Gelände rund um die „Waschette“, wie das Areal von den Eichstättern genannt wird, gewesen sein. Vor allem Segelflieger, und darunter auch einige Jugendliche waren am späten Nachmittag auf dem Platz, um die Thermik zu nutzen und sich von der Seilwinde in die Luft ziehen zu lassen. Das Wetter war gut, „ein ruhiger Spätsommertag, völlig unauffällig, keine böigen Winde“, wie der Vorsitzende des Fliegerclubs, Erwald Lenk, sagt.

Die beiden Piloten gelten laut Lenk als sehr erfahren – auch auf der nun verunglückten Maschine. Das Ultraleichtflugzeug vom Typ „WT9 Dynamic“ ist im Besitz des Vereins. Es ist ein zweisitziges Ultraleichtflugzeug mit Propellermotor und einer Spannweite von neun Metern, das leer nur knapp 300 Kilogramm wiegt. Es gilt als sehr zuverlässig und wird von den Clubmitgliedern immer gerne auch für Übungsflüge genommen. Denn auch langjährige Piloten sollten regelmäßig Übungsflüge unternehmen, und machen das auch, sagt Lenk.

Die Maschine war an diesem Samstag bereits von anderen Piloten geflogen worden, als am Nachmittag dann die beiden damit Verunglückten zu einem Rundflug starteten. Warum sie etwa 50 Meter über den Platz abstürzten , kann sich von den Fliegerkollegen keiner erklären. Erwald Lenk hat zusammen mit weiteren Vereinskollegen den Absturz gesehen. Er hat nach dem Aufprall die Rettungskräfte alarmiert und war einer der Ersthelfer, die sofort über die Landebahn zur Unglücksstelle gerannt sind und die beiden Verunglückten aus dem völlig zerstörten Flugzeugwrack geborgen haben; zunächst noch in großer Sorge, dass die Maschine brennen könnte – starker Benzingeruch hing auch Stunden später noch in der Luft. Die Älteren erinnerten sich sofort an das letzte schreckliche Unglück auf diesem Platz vor 20 Jahren, als am 6. Juni 1998 eine Sportmaschine am Start zu wenig Höhe gewann, Bäume streifte, abstürzte und sofort Feuer gefangen hat: Vier Menschen sind damals verbrannt. „Das kommt jetzt wieder hoch“, bemerkte einer, der auch damals zur Stelle war. „Unglaublich, dass wir die beiden heute da noch lebend rausholen konnten, jetzt können wir nur noch hoffen und beten, dass sie überleben.“
 

Ein Großaufgebot an Rettungskräften war auf der Waschette bei dem Flugunglück im Einsatz.
Ein Großaufgebot an Rettungskräften war auf der Waschette bei dem Flugunglück im Einsatz.
Chloupek
Eichstätt
Nach der Erstversorgung durch den BRK-Rettungsdienst und Notärzte wurden die beiden Schwerstverletzten mit zwei Hubschraubern ins Klinikum Ingolstadt geflogen. Ihr Zustand war nach Polizeiinformationen auch gestern noch sehr kritisch.

Das Kriseninterventionsteam kümmerte sich um die Fliegerkollegen, die das Unglück mitverfolgt hatten, und verständigte die Angehörigen. Bis zum Samstagabend galt mit Rücksicht darauf deshalb auch eine Nachrichtensperre.

Währenddessen waren 20 Leute der Freiwilligen Feuerwehr Eichstätt, sieben Personen der Unterstützungsgruppe Oel vom Katastrophenschutz des Landratsamtes sowie zwei Helfer vom THW unter dem Kommando Georg Meier bis kurz nach 22 Uhr im Einsatz. Sie sperrten nach den ersten Rettungsarbeiten das Gelände weiträumig ab und leuchteten es für die Ermittler der Kriminalpolizei Ingolstadt aus, die nun zusammen mit einem Gutachter den Unfallhergang rekonstruieren und die Unfallursache finden sollen. Auch das Luftfahrtbundesamt ist involviert, ebenso die Umweltschutzbehörde. Denn eventuell muss wegen des ausgelaufenen Benzins die Erde auf einem Teil der Fläche abgetragen werden.
 

Blick ins Archiv

Für die Mitglieder des Eichstätter Fliegerclubs war der Absturz am Samstag das dritte schwere Unglück, das sie auf ihrem Platz auf der Waschette erleben mussten.

Vor 20 Jahren sind beim letzten großen Unglück auf dem Eichstätter Flugplatz vier Menschen zu Tode gekommen. Die Maschine brannte damals völlig aus.
Vor 20 Jahren sind beim letzten großen Unglück auf dem Eichstätter Flugplatz vier Menschen zu Tode gekommen. Die Maschine brannte damals völlig aus.
Chloupek/Archiv
Eichstätt

Anders als bei den Unglücken vor 20 und vor 40 Jahren konnten diesmal die beiden Verunglückten allerdings lebend aus dem Wrack geborgen werden.

6. Juni 1998, Eichstätt: An jenem Samstag während des Fliegerfestwochenendes hatte ein damals 35-jähriger Pilot aus Ulm mit seinem Sportflugzeug Typ "Bölkow 207" um 8 Uhr einen Zwischenstopp in Eichstätt eingelegt. Er und sein 34-jähriger Co-Pilot aus Laupheim, von wo aus die Maschine auch gestartet war, wollten die Schwiegereltern des Piloten (53 und 52 Jahre alt) in Eichstätt abholen. Beim Starten erreichte die Maschine zu wenig Höhe, streifte Baumwipfel am Ende der Startbahn und stürzte in den bewaldeten Steilhang ab. Beim Absturz fing die Maschine sofort Feuer, in dem der Pilot und die Passagiere sofort zu Tode gekommen sind. Der Co-Pilot wurde noch mit schwersten Brandverletzungen ins Klinikum Bogenhausen geflogen, wo er seinen Verletzungen erlag. Das Fliegerfest wurde damals sofort abgebrochen, der damalige Dompfarrer Franz Mattes hielt einen Trauergottesdienst auf der Waschette.

5. August 1978, Eichstätt: Ältere Fliegerclubmitglieder erinnerten sich am Samstag auch an den Absturz eines Fliegerkollegen am 5. August 1978, der beim Landen mit einer Sportmaschine Typ "Bo 209 Monsun" aus einer Höhe von 80 bis 100 Metern abstürzte. Er und seine Frau (beide damals 39 Jahre alt) waren sofort tot. Als Ursache wurde damals menschliches Versagen genannt.

23. Mai 2014, Egweil: Die Eichstätter Flieger erinnern sich auch an einen weiteren schrecklichen Absturz im Landkreis mit einer Sportmaschine Typ Klemm 107B bei Egweil. Dabei kamen zwei 23-Jährige und eine 15-Jährige zu Tode. Als Ursache wurde kurz nach dem Start ein Strömungsabriss im Kurvenflug festgestellt.

Eva Chloupek
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