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Nach Rundem Tisch mit Kultusminister: Schulen könnten Handynutzung bald selbst regeln

Smartphones auf dem Pausenhof

Eichstätt
erstellt am 15.05.2018 um 20:47 Uhr
aktualisiert am 19.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Das strikte Handyverbot an bayerischen Schulen wackelt – und das bereits seit einigen Monaten (EK berichtete). Bei dem Runden Tisch mit Kultusminister Bernd Sibler hat sich nun herauskristallisiert, dass Schulen möglicherweise künftig selbst entscheiden dürfen. Auch auf Eichstätts Schulhöfen könnten Smartphones also bald zum Alltag gehören.
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Noch sind Smartphones auf dem Schulgelände verboten. Ein neuer Vorstoß zur flexiblen Handynutzung könnte das lockern ? auch ein Thema für die Eichstätter Schulen.
Noch sind Smartphones auf dem Schulgelände verboten. Ein neuer Vorstoß zur flexiblen Handynutzung könnte das lockern ? auch ein Thema für die Eichstätter Schulen.
Bird
Eichstätt
Im Februar versprach Ex-Kultusminister Ludwig Spaenle einen Runden Tisch mit Lehrern, Eltern und Schülern, um die Frage zu klären, ob ein generelles Handy-verbot an Schulen noch zeitgemäß ist. Das angekündigte Treffen mit insgesamt 40 Teilnehmern fand nun am Montag im Kultusministerium statt. Das Ergebnis: Schulen in Bayern sollen künftig möglicherweise selbst entscheiden dürfen, ob sie die private Handy-Nutzung in den Pausen oder über Mittag erlauben. Das sei der Tenor gewesen, wie Kultusminister Bernd Sibler (CSU) im Anschluss berichtete. Konsens sei demnach, die Entscheidung an das Schulforum weiterzugeben. Das schulinterne Gremium, dem Schulleitung, Lehrer, Eltern und Schülervertreter angehören, könne dann festlegen, wie viel Smartphone an der Schule erlaubt ist. Die bisherige Regelung sieht bereits vor, dass Schüler ihre Handys zu Unterrichtszwecken nutzen dürfen. Das liege im Ermessensspielraum der jeweiligen Lehrkraft.

Eine Lockerung des bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes vorausgesetzt, wie wollen die weiterführenden Schulen in Eichstätt das Thema handhaben? Nach wie vor müssen Mobiltelefone auf dem Schulgelände und im Schulgebäude ausgeschaltet bleiben.

Claus Schredl, Schulleiter am Willibald-Gymnasium, ist der Debatte bereits mehrere Schritte voraus, denn seine Schule praktiziere die gemeinschaftliche Entscheidungsfindung im Schulforum längst, wie er auf Anfrage betonte. Ähnlich wie an anderen Eichstätter Schulen benutzen seine Schüler ihre Smartphones bereits im Unterricht. Das findet Schredl "fortschrittlich und sinvoll". Auch im Aufenthaltsraum der Oberstufe sind Handys zugelassen - nicht aber dort, wo sich die jüngeren Schüler aufhalten. Das habe das Schulforum beschlossen - einstimmig, wie alle bisherigen Entscheidungen zum Thema, wie der Schulleiter betont. Wie es bei einer Lockerung in den Pausen aussieht, das müsse erneut im zehnköpfigen Gremium geklärt werden. Grundsätzlich stellt er jedoch klar: "Wir wollen keine blöden Fotos in den sozialen Netzwerken!" Er nehme die Schüler des Willibald-Gymnasiums allerdings stets als "hochgradig vernünftig" wahr und mache sich deshalb keine Sorgen.

Adalhard Biederer vom Gabrieli-Gymnasium wünscht sich "ein Stück mehr Flexibilität", wie er sagt. Dass das Gesetz nach Mobbing-Vorfällen beschlossen wurde, müsse er vielen Schülern erklären, um für Verständnis zu sorgen. Denn die machen sich grundsätzlich für eine Lockerung stark, was er nachvollziehen kann: "Handys gehören mittlerweile zum Leben." Deshalb befürwortet er den neuen Vorstoß aus München mit einer flexiblen Handhabe, die schulinterne Beschlüsse ermöglicht. Wie das konkret aussehen könnte, müsse man im Schulforum diskutieren.

Ein "digitales Konzept", das "übergreifend in einer Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus allen diözesanen Schulen erstellt wird", verfolgt die Maria-Ward-Realschule, wie Schulleiterin Barbara Staudigl erklärt. Gerade weil mit dem Handy auch unterrichtsspezifische Aspekte verknüpft seien, befänden sie sich derzeit in einer "Versuchsphase". Die Schule erlaubt den Einsatz des Handys für unterrichtliche Zwecke (mit Elternbrief), aber keine Privatnutzung in Pause und Mittagspause - ganz wie es das Gesetz vorschreibt. Eine Neuregelung möchte sie "nicht übers Knie brechen", wie die Schulleiterin betont. Vielmehr "im Kontext eines gemeinsamen digitalen Konzepts als dizösane Schule reflektieren und einbringen".

Erich Kraus, Schulleiter an der Mittelschule Schottenau, sei mit der bisherigen Regelung "gut gefahren", wie er im Gespräch analysiert. Werde eine schulinterne Lösung durch entsprechenden Beschluss aus München nötig, dann möchte der Schulleiter gemeinsam mit dem Schulforum eine Lösung finden. "Wichtig ist, dass die Regeln praktikabel und für die Lehrer umsetzbar sind", sagt er jedoch mit Hinweis auf die Erfahrungen seiner Lehrkräfte.

"Gut arrangieren" kann sich auch Hans-Peter Sandner von der Knabenrealschule Rebdorf mit der aktuellen Gesetzeslage. Man könne damit "ganz gut leben", fasst er zusammen. Bei einer Lockerung, die der Schulleiter auf Grund der Digitalisierung ohnehin als schwer aufhaltbar prognostiziert, befürchtet er, an Einfluss auf die Schüler zu verlieren.

Ob pro oder contra Handyverbot an Schulen, das Thema beschäftigt Schüler, Eltern und auch Lehrer. Die Eichstätter Schulen praktizieren teilweise schon, was der Runde Tisch nun als sinnvoll erkannt zu haben scheint: die Entscheidung mittels des Schulforums, also zusammen mit Eltern, Lehrern und Schülern, zu treffen und damit gemeinsam die Spielregeln für die Nutzung von Whatsapp und Co. während der Schulzeit festzulegen.

Kommentar von Julian Bird

Das Schulforum mit Eltern, Lehren und Schülern als Entscheidungsgremium für die Handynutzung zu berufen, ist sinnvoll. Deshalb geht der Vorschlag des Runden Tisches am Montag in die richtige Richtung. Voraussetzung muss sein, dass der Unterricht durch eine Lockerung des Verbots nicht gestört und die Regeln des fairen Miteinanders on- wie offline eingehalten werden. Viele Eltern werden die weitere Entwicklung sicherlich gespannt verfolgen, schließlich wird die übermäßige Smartphone-Nutzung von vielen ohnehin schon sehr kritisch beäugt (und das zurecht!). Dass wir in einer zunehmend digitalisierten Welt andererseits aber auf die Handys und deren Möglichkeiten angewiesen sind, und diese darüber hinaus didaktisch wertvoll eingesetzt werden können, zeigt: Diese Diskussion darf und muss bisweilen geführt werden. Das Schulforum mit den Mitgliedern aller relevanten Gruppen scheint dafür eine sinnvolle Plattform zu sein.

Julian Bird
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