Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Der Eichstätter Verein feiert ein Jubiläum

Seit 50 Jahren ist die Glorer Hütte im Besitz des Alpenvereins

Eichstätt
erstellt am 19.09.2018 um 14:02 Uhr
aktualisiert am 23.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (DK) Fast die Hälfte ihrer Geschichte ist die 1887 am Berger Törl an der Grenze zwischen Glockner- und Schobergruppe erbaute Glorer Hütte mittlerweile in Besitz der Eichstätter Alpenvereins.
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Fotostrecke: Alpenverein Eichstätt auf der Glorer Hütte
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Beinahe wäre es zur 50-Jahr-Feier der Glorer Hütte nicht mehr gekommen: Vor einigen Jahren hatte es einen erbitterten Streit in der Sektion gegeben, ob man die Alpinhütte nicht besser verkaufen und dafür eine Kletterhalle erbauen sollte. An dieser Frage wäre die Sektion beinahe zerbrochen; es waren stürmische Zeiten für den heute über 3200 Mitglieder zählenden Verein. Davon war am Wochenende aber keine große Rede mehr, vielmehr überwog eine doppelte Freude: „Heute haben wir die Hütte und die Kletterhalle“, sagt der ehemalige Vorsitzende Gerd Seibold. Und beides läuft gut und kann auch gut nebeneinander: Immerhin fand am Jubiläumswochenende zeitgleich die „BlocSession“ in der Kletterhalle statt (wir berichteten), was aber wohl nicht als Kampfansage zu sehen ist, hatten sich doch auch leidenschaftliche Kletterer am Wochenende mit auf den Weg zur Glorer Hütte gemacht. 
 
Der Eichstätter Alpenverein feiert 50 Jahre Glorer Hütte


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Sie konnten ihrem Hobby natürlich auch frönen, denn es wurde nicht nur gefeiert an diesem herrlichen Spätsommerwochenende im hochalpinen Gelände: Am Samstag wanderten und kletterten viele. So bewältigte eine Dreiergruppe den Großglockner, das „Dach Österreichs“, über den Stüdlgrat, andere machten sich auf den Weg zur benachbarten Salmhütte – und transportieren für die Köchin dort, die auch auf der Glorer Hütte mit für’s Essen sorgt, gleich mal ein paar Säcke Kartoffeln hinüber. 
Welch große Delegation in das gut 340 Kilometer entfernte Kals am Großglockner, auf dessen Gemeindegebiet die Hütte liegt, aufgebrochen war, zeigte sich bei einem Festabend: Der Bogen spannte sich von der ersten Hüttengeneration vor 50 Jahren bis in das Kleinkindalter. Der jüngste Gast musste sogar von Papa und Mama in der Kraxe hinaufgetragen werden. „Das stimmt mich hoffnungsvoll, dass wir in 50 Jahren wieder so ein Fest feiern können und unseren Kindern und Kindeskindern eine tadellose Hütte übergeben können“, sagte der aktuelle Sektions-Vorsitzende Ralf Eiba während des Festabends in der proppenvollen Hütte. Mehr noch: „Wir haben ein junges Team im Vorstand, versuchen, Neues zu schaffen“, man wolle aber auch Bewährtes beibehalten und so „zeigen, dass der Alpenverein da ist“. 
 
Über 50 Gäste waren dabei, vornehmlich Eichstätter. Eine Wandergruppe um Franz Buchberger hatte sich sogar von Bad Reichenhall aus zu Fuß auf den Weg zum Berger Törl gemacht. Natürlich gehörte auch eine eigene Blasmusik dazu. Unter Leitung von Andreas Würzburger hatte sich  eine Abordnung der Dollnsteiner Blaskapelle auf gemacht, um die musikalische Umrahmung zu übernehmen. Die Truppe spielte in der gut beheizten Hütte auf. Draußen hatte es nachts  bereits Temperaturen um null Grad. 
 
Beim Festabend waren übrigens neben Eiba und Seibold noch zwei weitere ehemalige Vorsitzende anwesend: Josef Bauer und Ehrenvorsitzender Gerd Sturm. Mit Sturm war auch Otto Riß auf den Berg gestiegen, der damals zur Inspektions-Truppe gehörte, die der Mitgliederversammlung den Kauf der Hütte empfohlen hatte (siehe eigenen Bericht). 
Am Sonntag feierte der frühere Priesterseminar-Spiritual, Ruhestandspfarrer Pius Schmidt, direkt vor der Hütte eine Bergmesse – bei strahlendem Sonnenschein und vor einer wundervollen Kulisse. „Wir sind nicht in einem sakralen Raum“, sagte Schmidt. Aber: „Auch die Schöpfung ist ein sakraler Raum.“ Sie sei „die Vorahnung der Ewigkeit, der Herrlichkeit Gottes“. Der Geistliche nannte dabei die Enzyklika „Laudato sí“ von Papst Franziskus eine „Pflichtlektüre für Bergsteiger“.  Dort werde deutlich, was Schöpfung und Natur für die Menschen bedeuten müsse. Vor zehn Jahren, zur 40-Jahr-Feier der Hütte, hatte die Sektion auf dem „Weißen Knoten“ (2865 Meter) ein Gipfelkreuz aufgestellt, das Bischof Gregor Maria Hanke, bekanntlich selbst Kletterer und auch Sektionsmitglied, damals persönlich segnete.
 

DIE GESCHICHTE

Für die Eichstätter Alpenvereins-Mitglieder war es immer der Traum, "eine eigene Hütte in den Bergen" zu haben. 
Sektions-Ehrenvorsitzender Gerd Sturm.
Sektions-Ehrenvorsitzender Gerd Sturm.
Schneider, Marco, Eichstätt
Eichstätt
Und zwar, so berichtet es Ehrenvorsitzender Gerd Sturm, seit der Gründung im Jahr 1899. Finanzielle war das zunächst nicht möglich, man unterstützte die Ingolstädter beim Bau ihrer Hütte im Steinernen Meer, erwarb 1952 gemeinsam mit der Sektion Murnau die Bärenfleckhütte.

Knapp 30 Jahre später wurde der Anteil verkauft, aber nicht, wie Sturm betont, um den Erweiterungsbau der Glorer Hütte zu finanzieren. Die Alpinhütte hatte die Sektion am 24. Februar 1968 erworben. Ein Jahr zuvor war eine fünfköpfige Delegation nach Tirol gefahren und hatte die Hütte inspiziert. Eingefädelt hatte das Ganze Gretl Schaffitzel, die "Adjutantin", wie Gerd Sturm sie augenzwinkernd beim Festabend auf der Hütte am Wochenende bezeichnete, des damaligen Sektions-Vorsitzenden Karl Biechele - Gerd Sturms Schwiegervater.

Die Geschichte der Hütte reicht aber über 80 Jahre weiter zurück: Kalser Bürger erbauten sie 1887 als Schutzhütte auf dem Weg zwischen Kals und Heiligenblut. "Man kann sich die Schinderei nicht vorstellen, das Baumaterial hier heraufzubringen", sagte Sturm. "Unmenschliche Leistungen" seien das gewesen. Heute überwindet eine Materialseilbahn die etwa 700 Höhenmeter zwischen dem Einstieg am Lucknerhaus in Kals und der Hütte auf 2642 Meter.

1922 wurde die Hütte an die Sektion Donauland verkauft - eine vorwiegend von jüdischen Alpinisten gegründete Vereinigung, die deswegen bereits 1924 aus dem Alpenverein ausgeschlossen wurde. 1938 wurde die mittlerweile erweiterte Hütte von der Deutschen Wehrmacht beschlagnahmt und an die Sektion Teblitz verkauft. Zwölf Jahre lang - von 1940 bis 1952 -, bis zur Rückübereignung an die Sektion Donauland, hieß sie dann auch "Teblitzer Hütte". 1968 erwarben die Eichstätter ihre "neue Bergheimat", wie es der damalige Vorsitzende Karl Biechele - der übrigens auch einer der zwölf Wiedergründer des Deutschen Alpenvereins nach dem Zweiten Weltkrieg war - ausdrückte. Für 40 000 Mark, die die Verkäufer aber den Eichstättern wieder rücküberwiesen mit der Maßgabe, eine Seilbahn zu bauen; die stand schon wenige Jahre nach dem Kauf. "Unsere Arbeitsdienste haben hier Unwahrscheinliches geleistet", lobte Gerd Sturm.

Denn ohne sie würde die Hütte heute nicht so dastehen. Nur ein Beispiel aus den zurückliegenden Jahren: 15 000 Arbeitsstunden etwa wurden für den 1982 bis 1984 vorgenommenen Anbau der Glorer Hütte aufgewendet. Seit 1993 gibt es ein Blockheizkraftwerk auf der Hütte (Sturm: "Das erste im Gebirge").

2011 wurde eine neue Abwasserbeseitigung errichtet, nachdem eine Drei-Kammer-Kläranlage aus den 80er-Jahren ausgedient hatte. Heute verfügt die Hütte, die von Juni bis September geöffnet ist und von Alfred Graf bewirtschaftet wird, über elf Zimmerlager und 37 Matratzenlager sowie einen beheizbaren Winterraum mit vier Lagern. Vom Lucknerhaus aus begleitet ein geomorphologischer Lehrpfad nach den Plänen von Professor Helmut Stingl den Aufstieg. 
 
Marco Schneider
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