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Karl Braun, der frühere Bischof von Eichstätt, feierte am Sonntag an seinem Wohnort Bamberg 85. Geburtstag

Bewegender Bewahrer

Bamberg (KNA
erstellt am 14.12.2015 um 18:13 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:34 Uhr | x gelesen
Bamberg (KNA/EK) Wäre Karl Braun im politischen Leben aktiv gewesen, würde man ihn als „Elder Statesman“ um Rat fragen. Doch er ist ein Kirchenmann, war Bischof von Eichstätt (1984 bis 1995), danach Erzbischof von Bamberg (1995 bis 2001). Dabei könnte Braun, der am 13. Dezember seinen 85. Geburtstag begangen hat, manch einen Ratschlag in der Kirchenkrise geben. „Es wäre überheblich, nach Art von Patentrezepten ein Programm zu geben, das für den Augenblick hilfreich sein könnte“, wehrt der Jubilar ab.
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Bamberg (KNA: Bewegender Bewahrer
Feierte am Sonntag seinen 85. Geburtstag: der Bamberger Alterzbischof Karl Braun (rechts), hier beim Dies Academicus der Katholischen Universität im vergangenen Jahr mit Caritasdirektor Franz Mattes. Braun war von 1984 bis 1995 Bischof von Eichstätt. Arch - foto: Chloupek
Bamberg (KNA

Gleichwohl verfolgt der gebürtige Allgäuer die innerkirchlichen Debatten bis heute höchst interessiert. Schließlich sei er nicht zum „Bischof auf Zeit“ geweiht worden, sagt Braun, der zurückgezogen in seinem Haus im Bamberger Stadtteil Wildensorg lebt. Dorthin hatte es ihn nach seiner überraschenden Emeritierung 2001 gezogen.

Damals war er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig vom Amt des Erzbischofs von Bamberg zurückgetreten, das er sechs Jahre zuvor übernommen hatte: 1995 hatte er den Bischofsstuhl in Eichstätt gegen den in Bamberg getauscht – schweren Herzens. „Der Abschied von dem überschaubaren Bistum Eichstätt, in dem ich in einer gleichsam familiären Atmosphäre leben und wirken konnte, fiel mir nicht leicht“, hatte Braun anlässlich seines silbernen Bischofsjubiläums 2009 gesagt. Braun habe, so hieß es bei seinem Abschied aus Eichstätt 1995, nie dem Zeitgeist gehuldigt. Er habe aber immer ein offenes Ohr für die Belange der Menschen gehabt und sei der Diözese „ein guter Hirte gewesen“.

In seinen aktiven Bischofsjahren sah sich Braun dem Vorwurf ausgesetzt, er sei „erzkonservativ“. Dieses Etikett mag seiner Geradlinigkeit, marianischen Frömmigkeit und Grundsatztreue geschuldet gewesen sein. Der Emeritus charakterisiert sich selbst als „Konservativen mit Blick nach vorn“, als „bewahrenden Beweger“ und „bewegenden Bewahrer“, der sich um verantwortbare Ausgewogenheit bemüht.

Der heutige Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat seinem Vorgänger Karl Braun zu dessen 85. Geburtstag schriftlich gratuliert. „Die Segnungen, die Dir der barmherzige und allmächtige Gott in den guten Gaben des Leibes, des Geistes und der Seele geschenkt hat, hast Du zum Segen für Deine Mitmenschen werden lassen“, heißt es in einem vom Bistum veröffentlichten Gratulationsbrief. Braun habe als Priester und Bischof viele Aufgaben und Funktionen in drei Diözesen wahrgenommen. Dafür dankte Schick seinem Vorgänger.

Braun, der in Kempten zur Welt kam, ist Augsburger Diözesanpriester. Er studierte nach dem Abitur, das er in Benediktbeuern bestanden hatte, in Rom Theologie und empfing dort 1958 die Priesterweihe. Als Promotionsstudent des Kirchenrechts erlebte Braun das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) mit und diente seinem Heimatbischof Joseph Stimpfle als Konzilssekretär. Auch nach seiner Rückkehr aus Rom zählte er zu den engsten Mitarbeitern Stimpfles in Augsburg, bis er 1984 auf den Eichstätter Bischofsstuhl berufen wurde. Dort war er zugleich als zweiter Großkanzler verantwortlich für die Katholische Universität, die er bis heute aufmerksam begleitet. 2005 wurde er Ehrensenator.

In Bamberg rief der Erzbischof einen Solidaritätsfonds für Arbeitslose ins Leben und gründete eine Familieninitiative. Von 1997 bis 2000 beteiligten sich unter seiner Leitung fast 20 000 Katholiken am „Bamberger Pastoralgespräch“. Anschließend forcierte er einen Prozess der Organisationsentwicklung im Ordinariat. Auch die Förderung ehrenamtlichen Engagements und der Jugendarbeit im strukturschwachen nördlichen Oberfranken waren ihm ein Anliegen.

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