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Verein will jetzt gezielt auch auf die Anwohner zugehen

Beschwerde bremst "Bahnhof lebt!"

Eichstätt
erstellt am 10.08.2018 um 15:34 Uhr
aktualisiert am 18.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Nach der Auftaktveranstaltung am 15. Juli wollten die Macher von „Bahnhof lebt!“ in diesen Tagen eigentlich mit den Schönheitsreparaturen für die geplante Zwischennutzung starten. Allerdings gerät das Vorhaben jetzt ins Stocken – auch wegen Bürgerbeschwerden.
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Raum für Kreativität und Gedankenspiele: Wie soll aus dem leer stehenden Bahnhofsgebäude, hier der Blick in einen der ehemaligen Wohnräume, ein Treffpunkt entstehen, der das soziale Miteinander fördert und die Kulturlandschaft bereichert? Ideen dazu sind dem Verein ?Bahnhof lebt!? per Mail an kulturbahnhof-eichstaett@gmx.de und auch in der EK- Redaktion willkommen.
Raum für Kreativität und Gedankenspiele: Wie soll aus dem leer stehenden Bahnhofsgebäude, hier der Blick in einen der ehemaligen Wohnräume, ein Treffpunkt entstehen, der das soziale Miteinander fördert und die Kulturlandschaft bereichert? Ideen dazu sind dem Verein "Bahnhof lebt!" per Mail an kulturbahnhof-eichstaett@gmx.de und auch in der EK- Redaktion willkommen.
Foto: Hausmann/Archiv
Eichstätt
Im Mittelpunkt des Engagements steht die Frage, wie das leer stehende Bahnhofsgebäude genutzt werden soll. Dazu hatte der Verein am 15. Juli am Bahnhofsvorplatz eine Hausführung und ein kleines Fest mit Live-Musik organisiert, zu dem etwa 300 Besucher gekommen waren und das eigentlich als gelungen gelten durfte. Dabei wurde eine ganze Reihe von Ideen gesammelt. Jetzt sollte es  mit einer „Zwischennutzung“, die das nächste halbe Jahr das Projekt vorantreiben soll, konkreter werden.  Wie konkret, das sollte vorigen Montag beim monatlichen offenen Treffen besprochen werden.   

Allerdings hat der Verein nun doch noch keinen Schlüssel, denn es gibt noch keinen Mietvertrag, obwohl die Vorgespräche dazu aus Sicht der Vereinsleute sehr positiv verlaufen seien. Der stellvertretende Vorsitzende Tom Muhr erklärte einem kleinen, aber interessierten Kreis, dass  das Vorhaben momentan in der Stadtverwaltung zum „Stillstand“ gekommen sei, und nannte als Grund dafür, dass sich offenbar jemand aus der Nachbarschaft, der im gleichen Schreiben das Konzert der Stadtkapelle am Tag zuvor an nahezu gleicher Stelle gelobt hatte,  über den „Lärm“ der Auftaktveranstaltung beschwert habe.  Daraufhin, so Muhr, habe die Stadtverwaltung die Bremse gezogen, jetzt gehe wohl nichts voran, bis Oberbürgermeister Andreas Steppberger ab 20. August wieder aus dem Urlaub zurück sei und das „Go“ gebe.

 Stadtbaumeister Manfred Janner stellt auf Anfrage unserer Zeitung die Sache etwas anders da. Er bestätigt, dass es im Juli konstruktive Gespräche mit den Vereinsvertretern wegen der Zwischennutzung einer Wohnung im Bahnhofsgebäude gegeben habe.  Vom Oberbürgermeister und aus der Referentenrunde habe das Bahnhofsprojekt  positive Signale erhalten. Allerdings sei selbst eine provisorische Zwischennutzung ohne Mietvertrag  nicht möglich, und dafür seien noch einige Vorarbeiten nötig: Die Stadt als Eigentümerin dürfe auch provisorisch genutzte Räume nur vermieten, wenn die Wohnung gewisse Voraussetzungen erfülle: Strom, Wasser und Sanitär müssten funktionieren, auch Heizen müsse möglich sein.

Mietkosten selbst würden  nicht anfallen, aber die Nebenkosten müsste der Verein schon tragen: „Wer übernimmt diese finanzielle Belastung?  Da warten wir noch auf die Antwort des Vereins.“  Ein Stadtratsbeschluss sei dann für eine zeitlich befristete Zwischennutzung nicht nötig, das liege  in der Entscheidungsbefugnis der Verwaltungsspitze, sprich des Oberbürgermeisters beziehungsweise seiner Stellvertreter. Allerdings, so bestätigt Janner auf Nachfrage, habe die Stadtverwaltung durchaus wegen der „sehr kritischen Bürgerstimmen“ nach dem Fest am 15. Juli ihr Engagement „etwas heruntergefahren“.   Über Zahl und Umfang der Beschwerden wollte Janner nichts sagen: „Jede Bürgerbeschwerde ist ernst zu nehmen.“ 

Und genau hier trifft sich Janner wieder mit den Vereinsleuten von „Bahnhof lebt!“. Vorstandsmitglied Julia Deane macht  deutlich, dass die Initiative zur Belebung des Bahnhofsgebäudes die Anliegen der Nachbarn ebenfalls ernst nehmen und aufgreifen will − das bürgerschaftliche und nachbarschaftliche Miteinander im öffentlichen Raum ist ja das Kernthema der Initiative.

   Das Projekt „Bahnhof lebt!“ hat  sich zum Ziel gesetzt,  in diesem neuen, polarisierenden Stadtteil Spitalstadt „zum Dialog, zum kritischen Diskurs und zur Auseinandersetzung über die Nutzung des öffentlichen, urbanen Raums“ einzuladen und diesen Prozess zu einem fruchtbaren Ergebnis zu führen.  
Deshalb will der Verein zu seinem nächsten öffentlichen  Treffen Anfang September gezielt die Nachbarn des Bahnhofsplatzes und Bewohner der Spitalstadt einladen. Denn auch die vielen Senioren, die in diesem Areal wohnen, gehören zur Zielgruppe des Projekts. Im Bahnhofsgebäude solle ein Treffpunkt entstehen, „der das soziale Miteinander fördert und die Kulturlandschaft Eichstätts bereichert“, wie es im Konzept heißt. Als Referenzprojekt dient das Bürgerzentrum Diagonal in Ingolstadt, in dem mittlerweile über 90 bürgerschaftliche Gruppen  Raum und Unterstützung für ihre Anliegen finden.

Wie soll es nun  konkret mit dem Eichstätter Bahnhofsgebäude weitergehen? Der Verein „Bahnhof lebt!“ will für Mitte September eine weitere Veranstaltung auf die Beine stellen, die ganz anders − und auch leiser − ausfallen soll als die am 15. Juli.  Möglich ist vieles: Vielleicht gemeinsames Brettspielen, ein Flohmarkt, eine Second-Hand-Kleiderbörse bei Kaffee und Kuchen, dazu temporäre Kunst im Bahnhof . . .  Auch dabei sollen Ideen gesammelt und Kontakte geknüpft werden. 

„Es tut sich schon einiges“, sagt Tom Muhr. Stark unterstützt vom Projekt „Mensch in Bewegung“ der Katholischen Universität haben sich bereits einige Personen und  Gruppierungen gemeldet, die den Bahnhof gerne mitnutzen möchten: die Nachhaltigkeitsinitiative, die Tun.Starthilfe für Flüchtlinge, die Spielerei des Joke e.V., vielleicht  das „Repair-Café“, das derzeit im Jugendzentrum nicht genau seine Zielgruppe trifft und im Bahnhof gerade Senioren besser erreichen könnte.

Die Zwischennutzung soll, sobald  Verein und Stadtverwaltung  einen Mietvertrag unterschrieben haben und der Oberbürgermeister sein „Go“ dazu gegeben hat, innerhalb eines halben Jahres eine Plattform bieten, auf der  der „Diskurs über die soziokulturelle Nutzung eines öffentlichen Gebäudes“ geführt wird. Dabei sollen   Räume nicht dauerhaft bestimmten Gruppen überlassen, sondern temporär vergeben werden − damit die Nutzungsmöglichkeiten möglichst breit aufgestellt sind.

Am 27.  September will der Verein dann ein Konzept auch im Stadtrat vorstellen − vielleicht schon mit ersten konkreten Ideen für die Zukunft des Bahnhofsgebäudes, die aus der Zwischennutzung erwachsen sind.

Diskutieren Sie mit!


Mit der Initiative „Bahnhof lebt!“ ist wieder neuer Schwung in der Diskussion um die künftige Nutzung des Bahnhofsgebäudes. Nachdem im ersten Schritt  bewusst sehr allgemein über den Bahnhof und seine Möglichkeiten an sich diskutiert wurde, geht es jetzt darum, welche Möglichkeiten das Gebäude als  öffentlicher  Bürger- oder Kulturbahnhof konkret bieten könnte und sollte. Zu dieser Diskussion lädt der  EICHSTÄTTER KURIER seine Leserinnen und Leser ein: Welche  Ideen, Gedanken und Vorschläge haben  Sie dazu, wie stellen Sie sich bürgerschaftliches und soziokulturelles Zusammenleben und Engagement in diesem Areal vor? Was würden Sie sich wünschen? Was nicht? 

Schreiben Sie uns einen Brief an die Redaktion EICHSTÄTTER KURIER, Westenstraße 1, 85072 Eichstätt, eine Mail an eichstaetterkurier@donaukurier.de oder tauschen  Sie sich auch gerne via Facebook auf unserer Seite www.facebook.com/eichstaetter.kurier aus. Wir werden die Ergebnisse der Diskussion in unserer Zeitung weiter mitverfolgen.


 
Eva Chloupek
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