Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Wanderung durch die Brüche ermöglichte tiefen Einblick in die Mörnsheimer Geschichte

Auf den Spuren der alten Steinbrecher

Mörnsheim
erstellt am 30.04.2018 um 17:58 Uhr
aktualisiert am 05.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Mörnsheim (eme) "Der Mann arbeitet im Bruch, das Weib und die Kinder schleifen die Steine.
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Etwa 60 Teilnehmer waren bei der Steinbruchwanderung rund um Mörnsheim mit von der Partie.
Etwa 60 Teilnehmer waren bei der Steinbruchwanderung rund um Mörnsheim mit von der Partie.
Foto: Meier
Mörnsheim
Mittags versammelt sich alles in den Hütten zur frugalen Mahlzeit, die meistens vom Dorf heraufgebracht wird. Oder man geht in das Wirtshaus, das in der Mitte des Bruches erbaut wurde. Abends zieht die Schar wieder ins Dorf im Tal zurück" (Bayern-Journal um 1800). Die alten Mörnsheimer Brüche und Wege waren das Ziel einer Steinbruchwanderung, die im Rahmen der 1100-Jahr-Feier durchgeführt wurde.

Bei sommerlichen Temperaturen startete die über 60-köpfige Gruppe vom Kastenhof in Richtung Kronenwirtsberg. Die durch den steilen Anstieg ins Schwitzen gekommenen Teilnehmer wurden dafür durch einen herrlichen Ausblick ins Gailachtal und auf Mörnsheim belohnt. Emil Meier, der die Gruppe führte, gab am Mittelberg einige Erklärungen über die Mörnsheimer Steinbruchgeschichte und über die ersten Verteilungen von 1826 und 1846 des Gemeindegrundes an die Bürger von Mörnsheim ab.

Von 85 Gemeindegliedern bekamen 29 mit Einschluss des Pfarrers und des Lehrers ein ganzes und 56 ein halbes Gemeinderecht zugesprochen - mit der Auflage, nicht zu verkaufen. Das Recht musste am Haus bleiben, und sie bekamen die Teile nur zur Nutzung und nicht als Eigentum. Leerhäusler blieben ausgeschlossen. Ziel dieser Verteilungen war, dass Mörnsheimer Bürger durch den Verkauf ihrer herausgearbeiteten Steine zu einem gewissen Wohlstand kommen konnten. Weiter ging die Wanderung durch den Mandelberg, vorbei an blühenden Schlehen und Kirschbäumen, die dem alten Flurnamen "Zum Kirschenschlag" alle Ehre machten. Auf der Anhöhe angekommen, ging es zur vorderen und hinteren Zugspitzgrube die am Lichtenberger Oberfeld liegt. Ihren Namen verdankt sie dem Umstand, dass sie die höchste Erhebung des Gebiets ist, und zugleich sieht man bei guter Sicht die Alpen mit der Zugspitze. Diese Grube wurde 1896 eröffnet und lieferte die besten Litographiesteine des gesamten Steinbruchgebiets. 1913 wurde noch die hintere Grube eröffnet, die an Qualität der vorderen in nichts nachstand und bis in die 1960er-Jahre bearbeitet wurde. 1960 wurde, bedingt durch die Tiefe der Grube, noch ein Kran aufgebaut, um das Material herauszuheben.

Die zum Solnhofer Aktienverein gehörende Grube "Scharfes Eck" war der nächste Anlaufpunkt. Bis vor wenigen Jahren wurde hier noch gearbeitet, nun steht auch diese Grube einsam und verlassen da. Die letzten Meter bergab am alten Postweg und an der Grenze zu Solnhofen entlang bekamen die Wanderer von oben einen imposanten Eindruck von der Hartbruchgrube: eine Naturkulisse sondersgleichen, ein Postkartenmotiv, von Menschen geschaffen.

Nach einer Stärkung führte der ehemalige Hackstockmeister Joachim Stößl seine Künste im Hacken und Bearbeiten der Steine vor. Alte Verteilungspläne und Bilder vergangener Tage waren ausgestellt, sodass man sich ein Bild vom Bruch heute und vor fast hundert Jahren machen konnte. Auch ein original Schnappkarren war zu besichtigen, mit dem früher mittels eines Pferdes der Abraum auf die Schutthalden befördert wurde.

Am nicht mehr bearbeiteten Hoabuck vorbei ging es dann zum mit Liegebänken und Schautafeln ausgestatteten Steinbrecherweg und vorbei an der Blauberggrube zurück ins Tal Richtung Mörnsheim. Ein Teilnehmer vom Bodensee sagte zum Schluss: "Bei euch ist es schöner als bei uns. ".
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