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Prägnante und wachrüttelnde Schau über das Mahnmal im Hessental

erstellt am 08.12.2005 um 19:10 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 14:34 Uhr | x gelesen
Eichstätt (klf) Schneebedeckt ist in diesen Tagen das Figurenfeld des Alois Wünsche-Mitterecker im Hessental – so wie es vor gut einem Jahr auch vor dem belgischen Maler und Grafiker Luc Piron lag. Nachhaltig beeindruckte ihn der Anblick. Die Feldforschung und Feldarbeit, ja, die Knochenarbeit, die in den Kunstwerken Pirons steckt, die er zum Landschaftskunstwerk des Alois Wünsche-Mitterecker erstellt hat, sie brachte reiche Ernte.
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Und die ist zusammen mit den Arbeiten von Angelo Evelyn und Li Portenlänger unter dem Titel "Erfahren, Erinnern, Figurenfeld" in einer Ausstellung der ehemaligen Seminarbibliothek am Hofgarten zu sehen. Diese wohl seit langem bemerkenswerteste Ausstellung mit moderner und zeitgenössischer Kunst ist noch bis 30. Dezember in der Eichstätter Hofgartenbibliothek eingerichtet.

Die Grausamkeiten des Anlasses für dieses erste Landschaftskunstwerk, das ein deutscher Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg konzipierte und errichtete, und die Grausamkeit der Figuren, sie werden vom Schnee nicht einfach nur harmonisierend zugedeckt, so Luc Piron gegenüber dem EICHSTÄTTER KURIER.

Der Schnee vermag auch die Plastizität der Figuren, ihre Schattenhöhlungen und Vertiefungen besonders hervorzuheben. Diese Schattenpunkte oder Tiefen in der Fläche hat Piron, nachdem er seine Digitalfotos vom Figurenfeld grob gerastert hatte, um das Mystische der Szenerie auch im Bild zu verstärken, als Ausgangssituation für seine im lithographischen Verfahren über die Fotodrucke gelegten ganz streng konkreten Rechteck und Quadratfelder gewählt. Das Schattenleben als Oberflächenmodelle , was für eine spannende künstlerische Idee.

Während Luc Piron mit seinen grob gerasterten und überlithographierten Digitalfotoprints die Größen Individualität und Persönlichkeit mit Masse und Vermassung zusammenführt, geht es Angelo Evelyn in seinen Mischtechniken zuerst um die schier unbeschreibliche und unbegreifliche Wirkmacht der Figuren von Alois Wünsche-Mitterecker, die nach Evelyns Auffassung noch heute geeignet sind, ein anagogisches Sinnbild für die Folgen der Gewalt zu sein, die dem Menschen widerfahren, wenn er sich zur Gewalt verleiten lässt.

Li Portenlänger stellt ähnlich wie Evelyn in seinen beiden starken Panoramabildern vom Figurenfeld, eine kosmisch wirkende Beziehung zwischen dem Einzelnen und der einzelnen Form und dem Ganzen des Universums her. Portenlänger setzt dabei, wie vielfach von ihr gesehen, auf die Reduktion der Form und der Komposition bis zum Äußersten. Drei Künstler, drei künstlerische Ausdrucksweisen, drei höchst unterschiedliche Zugehensweisen auf das Figurenfeld des Alois Wünsche-Mitterecker. Aber am Ende doch eine in Intention, Ergebnis und Ausblick sehr weit reichende und homogene, ja prägnante und wachrüttelnde Ausstellung.

Die Hofgartenbibliothek ist von Montag bis Freitag jeweils von 8 Uhr 30 bis 17 Uhr geöffnet.

 

Ruediger Klein
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