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Dichtung, die dem Maler auf die Spur kommt

erstellt am 30.07.2004 um 17:11 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 12:49 Uhr | x gelesen
Eichstätt (klf) Mal ganz ehrlich, was könnte einem bildenden Künstler eigentlich Schöneres begegnen, als dass seine Werke andere Menschen dazu anregen, in die eigenen Erinnerungs- und Lebenstiefen hinabzusteigen und von dort unbekannte Schätze nach oben ans Licht über der Wasseroberfläche zu tragen. Solches Glück ist nun dem Rotterdamer Maler und Grafiker Angelo Evelyn widerfahren. Im vergangenen Jahr hatte er den Literaturwissenschaftler und Soziologen Andreas Weiland nach Rotterdam, Capelle und Hilversum eingeladen, um mit ihm über seine Bilder zusprechen, die Evelyn in der große Retrospektive in Kranenburg zeigen wollte. Weiland kam und protokollierte für sich und für einen späteren Zeitpunkt der Textausarbeitung vor den Bildern seine Eindrücke und das, was ihn anrührte in den Bildern Angelo Evelyns. Damit waren die "Kranenburg Gedichte" praktisch schon entstanden, die nun von Andreas Weiland mit Bildillustrationen von Angelo Evelyn in Eichstätt von den Mediengestaltern Kräck + Demler für die Veröffentlichung "The Kranenburg Poems" eingerichtet und gedruckt wurden. Am Donnerstagabend präsentierten Angelo Evelyn und Andreas Weiland das Ergebnis ihrer Zusammenwirkens in der Eichstätter Lithographie-Werkstatt, die damit einen Abend lang wieder zur Literaturwerkstatt wurde, der Öffentlichkeit.
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Unibibliothekschef Dr. Hermann Holzbauer konnte schließlich für die Eichstätter Unibibliothek die ersten druckfrischen Bände der Kranenburg Gedichte in Empfang nehmen. Und Holzbauer verwies dankbar und gerne darauf, dass die Bibliothek ja auch die Schätze berge, die in der Lithographie-Werkstatt seit Jahren entstehen: "Wir sammeln, bereiten auf und teilen die Sammlung mit der ganzen Welt, denn wir haben sie seriös ins Internet gestellt", so Holzbauer. Dann freilich schlug die Stunde des Dichters Andreas Weiland. Eine dichte und spannende Lesung folgte, denn im Hintergrund lief die von Dr. Thomas Henke, dem Chef der diözesanen Medienzentrale, installierte DVD von Angelo Evelyns Retrospektive in Kranenburg. Und so stellten sich zu den Gedichten Weilands, die von Bildern Angelo Evelyns angestoßen bei Weiland nachgerade erruptiv an die Oberfläche und aufs Papier geströmt waren, neue und wieder andere Bilder und Zusammenhänge ein.

Dichtung über Bilder und Bilder aus Dichtung könnte man das da in der Lithographie-Werkstatt von Menschen dargebotene Verfahren nennen, das neue Bild- und Sprach-Bilder entstehen ließ. Und dass Angelo Evelyn mit seinen Arbeiten in vieler Menschen Lebenswelt hineinragt, weil er einer ist, der unter und mit den Menschen lebt, das wurde am anschaulichsten und ergreifendsten als Weiland sein Gedicht aus dem "Tagebuch eines Strandgängers" vortrug, der einen Fisch und seinen Häscher im Meer beobachtet. Das Ende vom Lied, lautet bei Weiland dann frei übersetzt, wir schwimmen nahe an der Oberfläche und bemühen uns angestrengt, uns vorzustellen, wir wären, was wir nicht sind. Der 80 Seiten umfassende und mit zahlreichen Abbildungen versehene Gedichtband "Die Kranenburg Gedichte" kann für sieben € in der Litho-Werkstatt gekauft werden.

Ruediger Klein
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