Mittwoch, 21. November 2018
Lade Login-Box.

Im Escada-Werk Dollnstein sind die Lichter aus

erstellt am 08.04.2003 um 19:45 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 11:24 Uhr | x gelesen
Dollnstein (hr) Die Escada AG hat ihre Produktion in Dollnstein jetzt eingestellt und das Werk dichtgemacht. Damit liegt der Luxusdamenmodehersteller "voll im Zeitplan" der Abwicklung, wie Escada-Pressesprecher Frank Elsner auf Anfrage mitteilt. Denn Ende Oktober vergangenen Jahres, als das Aus für den Standort Dollnstein mit seinen 94 Beschäftigten verkündet worden war, war der Schluss des ersten Quartals 2003 als Termin für die endgültige Schließung bekannt gegeben worden.
Textgröße
Drucken

Escada
Das Escada-Werk mit seinen ehemals 94 Beschäftigten in Dollnstein hat die Produktion eingestellt.

Was aus dem Produktionsgebäude auf der mehrere tausend Quadratmeter großen Fläche im Eigentum von Escada werden soll, ist noch völlig offen. Es würden "Gespräche sowohl mit kommunalen Vertretern als auch mit Unternehmen geführt", erklärt Elsner. Doch mit Dollnsteins Bürgermeister Hans Harrer hat bislang niemand gesprochen: "Seit uns im Oktober vergangenen Jahres die Schließung mitgeteilt wurde, herrscht Funkstille", sagt Harrer gegenüber unserer Zeitung. Pläne, was mit dem Gelände samt Halle geschehen soll, hat er nicht, auch wenn der eine oder andere Traum immer wieder bei ihm auftaucht. Sollte überhaupt kein Interessent für die Aufnahme irgendeines produzierenden Gewerbes zu finden sein, könnte er sich letztendlich eine Bebauung vorstellen. Doch dies alles seien noch ganz vage Überlegungen.

Wort hat Escada bei den Auszubildenden gehalten. Vier der damals 13 Lehrlinge haben ihre Ausbildung Elsner zufolge noch bei Escada Dollnstein abschließen können, die restlichen neun waren im zweiten Lehrjahr und wurden teils vom Eichstätter Modehersteller Schäffler & Heinlein übernommen, teils von einem Augsburger Zwischenmeisterbetrieb. Dies bestätigt auch Günther Böhm, Leiter der Dienststelle Eichstätt des Arbeitsamtes Ingolstadt. Die Auszubildenden seien in seiner Behörde nicht in Erscheinung getreten.

Böhm zufolge haben sich etwa 50 der 94 Escada-Beschäftigten · überwiegend Frauen · beim Arbeitsamt arbeitslos gemeldet, von denen etwa 20 wieder eine Beschäftigung gefunden haben. Der Rest ist nach wie vor in der Dienststelle an der Weißenburger Straße in Eichstätt gemeldet · mit wenig Aussicht auf Vermittlung, da es sich oft um ältere und weniger qualifizierte Frauen handelt.

Jüngere und gut qualifizierte Escada-Beschäftigte haben dagegen in einer anderen Berufssparte wieder eine Arbeit gefunden · in der Textilbranche laut Böhm allerdings nicht, denn "da schaut´s in ganz Deutschland zappenduster aus". Für die Beschäftigten wurde ein in den Augen von Betriebsratsmitgliedern "im Rahmen des Möglichen liegender Sozialplan aufgestellt". Escada, so heißt es, habe sich dabei "recht kulant" gezeigt.

Im Werk Dollnstein wurden in den vergangenen Wochen lediglich noch Restarbeiten durchgeführt. Das heißt, der Maschinenpark wurde abgebaut, die Geräte verpackt. Sie warten jetzt auf ihren Abtransport ins Ausland. Die Produktion, die noch bis vor kurzem auf laut Elsner "sehr hohem Niveau" lief, ist eingestellt. Bis Jahresmitte soll das Gebäude, das früher Goldix Neuburg gehörte, dann vollständig geräumt sein, wie Elsner erklärt. Damit ist ein Schlussstrich unter mehr als drei Jahrzehnte Textilproduktion in Dollnstein gezogen, in der in Hochzeiten bis zu knapp 200 Menschen · vor allem Frauen · beschäftigt waren. 

Hermann Redl
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!