Mittwoch, 19. Dezember 2018
Lade Login-Box.

Die älteste westliche Bastion des Hochstifts

Mörnsheim
erstellt am 05.01.2018 um 16:34 Uhr
aktualisiert am 10.01.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Mörnsheim (EK) Vor 1100 Jahren wurde „Morinesheim“ erstmals urkundlich erwähnt. Das ist der Grund, warum das Jahr 2018 in Mörnsheim ein Festjahr ist. Und es gibt Anlass zu Einblicken in die bemerkenswerte Geschichte der Marktgemeinde im Gailachtal.
Textgröße
Drucken
Auf dem Foto von 1904 herrscht die Burgruine noch über dem Markt.
Henle (Repro)
Mörnsheim

Mit der Geschichte ist das so eine Geschichte. Wann fängt sie an? Man weiß es nicht so genau. Im Falle der Marktgemeinde Mörnsheim, eines Urorts des Hochstifts Eichstätt und des ihm nachfolgenden Bezirks und späteren Landkreises Eichstätt, gibt es ein ungewöhnliches Auftauchen aus der Geschichte. Das geschah so: Ein Ort zieht um, nimmt den Namen mit und lässt den alten Ort zu Altendorf werden. Der Ort, um den es geht, hieß vor 1100 Jahren „Morinesheim“. 

Er war eine kleine bescheidene Fischersiedlung an der Mündung eines Baches, der aus einem Seitental kommend viel Wasser führt und dort in die Altmühl mündet. Der Pfarrer, Lehrer und Schulinspektor Johann Kaspar Bundschuh vermerkte in seinem von 1799 bis 1804 erschienenen Werk „Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken“ ganz nüchtern: „Im Weiler selbst gibt es Niemand als 7 Fischer.“ Anders als heute hatten diese Fischer aber volle Netze. Denn damals war die Altmühl reich an Fischen und Krebsen. Sie hatten ein gutes Auskommen, zumal sie auch noch Landwirtschaft betrieben, bei der sie nicht auf die steinigen Hänge und Höhen des Jura angewiesen waren. Ihnen stand der fruchtbare Altmühlgrund offen. Das Fischrecht reichte von der heutigen Weißenburger Landkreisgrenze bei Eßlingen bis nach Hagenacker. Rechtegeber war der Bischof in Eichstätt. Ihm mussten die Fischer finanzielle und naturale Abgaben leisten. Ein Teil des Fischfangs diente der Versorgung des bischöflichen Hofs.

Der Name Morinesheim wird im Jahre 918 erstmals erwähnt. Er steht in unmittelbarer Verbindung mit der Frühgeschichte von Eichstätt. Um 750 entwickelte sich aus der von dem englischen Missionar Willibald in Eichstätt gegründeten Klosterzelle ein Bistum und durch Schenkungen rund um Eichstätt eine Eigenmark, ein Herrschaftsgebiet, das zum Hochstift Eichstätt mit dem Bischof als Landesherrn wurde.

Die ostfränkischen Könige erweiterten diese Kernzelle Stück für Stück. Im Februar 908 erhielt Bischof Erchanbald (882 – 912) von König Ludwig IV. den Wildbann in Eitensheim, Buxheim, Möckenlohe, Pietenfeld sowie in den verschwundenen Siedlungen Kittenfeld (bei Breitenfurt) und Rammersberg (bei Wellheim). Hinzu kam das Recht, die Klosteranlage zu befestigen, dort einen Markt abzuhalten, Münzen zu prägen und eine Zollstätte zu errichten. Irgendwie schien dem nachfolgenden Bischof Uodalfrid (912 - 933) die ganze Sache noch nicht ausreichend rechtlich abgesichert zu sein. Jedenfalls bat er König Konrad I., ihm diese Verleihung zu bestätigen. Konrad tat ihm diesen Gefallen in einer von ihm am 9. September 918 in Forchheim unterzeichneten Urkunde. In ihr weitete Konrad den Wildbann, der auch ein Waldbann war, auf Morinesheim aus. Diese Urkunde ist die Geburtsurkunde von Mörnsheim, hier tritt dieser Name erstmals in das Licht der Geschichte. Ohne Erlaubnis des Bischofs war es damit im Mörnsheimer Waldgebiet verboten, „Schweine zu mästen, zu jagen, Bäume zu fällen oder andere Eingriffe zu verüben“. So wurde Mörnsheim zu einem der ältesten Orte des Kerngebietes des Eichstätter Hochstifts und blieb der westliche Vorposten bis zur Auflösung des Hochstifts im Jahre 1802.

Von der Mörnsheimer Geburtsurkunde des Jahres 918 wissen wir nicht nur aus Berichten. Sie existiert noch als Original, hat alle Zeiten und Wechselfälle überstanden: Auf Pergament geschrieben und mit noch erhaltenem königlichem Siegel von Konrad I. versehen wird sie im Staatsarchiv Nürnberg aufbewahrt.

Das Morinesheim der Urkunde von 918 war allerdings das heutige Altendorf. Denn das dem Bischof mitverliehene Befestigungsrecht wirkte sich bald aus. Einen guten Kilometer aufwärts des Baches, der heute meist Gailach nach seinem vom schwäbischen Monheim kommenden Teil genannt wird, ließ der Bischof auf dem Bergkegel eines steil aufragenden Felsenhangs eine Burg errichten. Wann das war, dazu gibt es keine Anhaltspunkte. Vielleicht haben die Eichstätter Bischöfe mit dem Bau im 11. Jahrhundert begonnen, als sie auf ihre Bitte im Jahre 1002 von Kaiser Otto III. erneut ihre Rechte in Morinesheim bestätigt bekommen haben. Grund für dieses Ersuchen könnte die Abwehr nachbarlicher Gebietsansprüche gewesen sein. 

Mörnsheim befand sich schon damals in einer Grenzlage. Man wird sich allerdings noch keine ausgereifte Burg vorstellen können, eher ein einzelnes Gebäude, um das herum im Lauf der Zeit Stück für Stück eine Burganlage entstand. Im Schutze dieser Burg bildete sich der heutige Ort Mörnsheim, der sich des Namens der Fischersiedlung an der Altmühl bemächtigte und ihr dafür den Stempel „altes Dorf“ aufdrückte. 
Die neue Talsiedlung Mörnsheim „liegt hart unter dem Burgfelsen und einige Häuser sind gefährlich unter denselben hingeschmiegt“, stellte Karl Kugler 1868 in seinem Reisebericht „Das Altmühlthal“ fest. Mit dem „gefährlich“ hatte er recht. Immer wieder stürzen vom Burgberg Felsenbrocken auf Häuser und Einwohner herab. Im Mai 1897 entfernte der Sattlermeister Netter einen rund 300 Zentner schweren Felsen, der abzustürzen drohte. Er lenkte ihn so geschickt, dass er gegen ein Haus prallte, das ohnehin zum Abbruch bestimmt war. Seit einem großen Felsenabsturz im Jahre 1989 werden die Felsenpartien systematisch gegen Stürze gesichert und Schutzzäune errichtet. 

Rein spekulativ ist die immer wieder noch mal zu hörende Mär, der Name Mörnsheim leite sich von „Mohren“ ab, nur weil der im Wappen stehende Herold zu gewissen Zeiten dunkelhäutig dargestellt war. Mittlerweile wird angenommen, der Name „Mörnsheim“ bedeute nichts anderes als das „Heim des Morin“, also der Ort, an dem Morin sein Heim hatte. Wer dieser Morin oder die Familie Morin war, ist völlig ungeklärt. In Mörnsheim wird die Burg „Schloss“ genannt, obwohl das Aussehen dafür eigentlich keinen Anlass gab. Lange war man der Meinung, an der Stelle der bischöflichen Burg habe zuvor ein römisches Kastell gestanden. Der Stadtpfarrer des oberbayerischen Weilheim und Historiker Karl August Böhaimb, der 1857 die Mörnsheimer Geschichte beschrieben hat, trat mit der Auffassung hervor, es seien „zuverlässig“ die Römer gewesen, die „hier einen Quaderturm und ein Kastell erbauten“, und datiert es in das 2. Jahrhundert. Es gibt jedoch keinen urkundlichen oder baulichen Beleg für diese Annahme. Die so strategisch denkende römische Militärverwaltung hätte auch keinen Grund gehabt, abseits ihres hervorragenden Straßennetzes ein Kastell anzulegen und dazu noch in einem kleinen, engen und unüberschaubaren Tal. Der Reiseschriftsteller Karl Kugler meinte gar, Mörnsheim sei „wie ein echter Gebirgsort in ein schmales Tal eingezwängt“.

Im Jahre 1216 kam es zu einem ersten urkundlichen Hinweis auf eine Burg durch die Mitteilung, Bischof Heinrich I. (1225 – 1228) habe auf dem Burgberg einen achteckigen Turm errichten lassen: „item edificare fecit turrim in Morneshem“. Es war der Bergfried an der höchsten Stelle, die Kernzelle der Burg. 

In der Amtszeit des Bischofs Reinboto (1279 – 1297) gewann die Burg sichtlich an Bedeutung. 1281 erwähnt wird sie ausdrücklich als „castrum“ bezeichnet und zu einem „castrum priorum“ gemacht, womit ein bevorzugter Ausbau verbunden war. Durch territorialen Ausbau und Hofhaltung geriet das Hochstift immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten. 1316 verpfändete Bischof Philipp von Rathsamhausen (1306 – 1322) die Burg an den Pfleger Seifried von Mörnsheim. Lediglich das Patronatsrecht über die Burgkapelle St. Afra behielt er sich vor, ein im Hochstift seltenes, im Bistum Augsburg aber häufiges Patrozinium. Schon wenige Jahre später löste sein Nachfolger Bischof Marquard I. (1322 – 1324) die verpfändete Burg für 600 Pfund Heller aus und ließ Teile instand setzen. Gegen den flach abfallenden und daher schwer zu verteidigenden Süden erhielt sie einen Zwinger. Später kam ein Halsgraben hinzu, der noch deutlich sichtbar ist, ebenso wie der aus dessen Aushebung entstandene Wall. Wohnlicher wurde es auch in der Burg. Bischof Johann III. von Eych (1445 – 1464) veranlasste den Ausbau des Palas zu einem vierstöckigen Wohngebäude. 

Urkunden belegen, dass sich die Eichstätter Bischöfe nicht nur zur Jagd, sondern auch zu Amtsgeschäften in der Mörnsheimer Burg aufhielten, die Amtssitz des Pflegers, ihres örtlichen Repräsentanten war. Dort schlossen sie Verträge, unterzeichneten Urkunden, bestimmten die Burg als Zahlungsstelle und hielten Gericht, insbesondere in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Bischof Hildebrand (1261 – 1279) entschied einen Streit zwischen dem Zisterzienserkloster Kaisheim und einem Langenaltheimer Bürger über Güter im nahe Langenaltheim gelegenen Büttelbronn. Der hoch verschuldete Graf Ludwig von Öttingen (Ries) erhielt 1280 von Bischof Reinboto (1279 – 1297) ein Darlehen, das er entweder in Eichstätt, Mörnsheim oder Arberg (Burg bei Gunzenhausen) zurückzahlen musste. Die Pröpste des über dem Berg gelegenen Benediktinerklosters Solnhofen waren eigenwillige Leute. In Mörnsheim musste Bischof Reinboto dem Probst Willehard formell bestätigen, dass dieser ohne jeden Rechtsanspruch, nur aus Gefälligkeit einer Abgabe an die Domkirche zugestimmt habe und daraus kein bischöflicher Nachfolger ein irgendwie geartetes Recht ableiten könne. Den Dreißigjährigen Krieg hat die Burg gut überstanden. Sie hielt 1634 der schwedischen Belagerung stand.
Doch dann begann ihr allmählicher Abstieg. Der Pfleger zog 1640 nach Dollnstein. Die Burg leerte sich und fing langsam an zu verfallen. Doch schon vorher zeigten sich bauliche Schäden. Im Spanischen Erbfolgekrieg, in dem auch Mörnsheim zum Aufmarschgebiet der Schlachten auf dem Schellenberg bei Donauwörth und Höchstädt wurde, quartierten sich im Winter 1703/04 französische Soldaten auf der Burg ein und ließen sie verwüstet zurück. 

Auf der Brüstung der Empore der vom Eichstätter Hofbaumeister Jakob Engel entworfenen Altendorfer Wallfahrtskirche „Maria End“ zeigt eine um 1710 entstandene Malerei die Burg wohl in ihrem damaligen Aussehen. Der fortschreitende Verfall veranlasste 1760 Fürstbischof Raymund Anton von Strasoldo (1757 – 1781), sie endgültig aufzugeben. Die Hauptburg mit dem Bergfried, den Wohngebäuden und der Kapelle wurde abgetragen. Viele Steine rollten als Baumaterial den Steilhang hinunter in den Ort. In den stehengebliebenen Gebäuden siedelten sich Tagelöhner und der Schlossbauer an.

Doch noch im 19. Jahrhundert muss die Burgruine Eindruck gemacht haben: Für den Stadtpfarrer Böhaimb war sie eine „köstliche Zierde der Landschaft“, und der Reiseschriftsteller Karl Kugler sah sie „malerisch auf einem steilen Felsen gelagert“. Doch ist vom Tal aus immer weniger erkennbar. Die thronende Lage, der vom Tal aus ansteigende Felsenzug, der die Höhensituation der Burg steigert und die Talschauseite der Burg selbst gehen zusehends in Verwachsung unter. Die Rückseite vermittelt dagegen immer noch eine Vorstellung von einer Respekt gebietenden mittelalterlichen und geschichtsträchtigen Burg.

 

Auftakt

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres veranstaltet der Markt Mörnsheim am Samstag, 13. Januar, wieder einen Neujahrsempfang. Auf dem Programm stehen insbesondere Ehrungen verdienter Bürgerinnen und Bürger, zudem wird die neue Marktmedaille vorgestellt. 

Umrahmt wird die Veranstaltung durch die Landsknechte, die den Abend mit Gesang und Musik gestalten. Beginn ist um 18 Uhr im großen Saal im Haus des Gastes in Mörnsheim.

Von Viktor Henle
Kommentare
Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!