Freitag, 20. Juli 2018
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Einteilung der Schutzengelkindergarten-Gruppe für den Umzug in den Sulzpark löst Debatten aus

Wahrlich kein Kinderspiel

Beilngries
erstellt am 11.07.2018 um 18:33 Uhr
aktualisiert am 15.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Beilngries (DK) Die Pläne für die künftige Einteilung der Kindergartengruppen in Beilngries haben mächtig Staub aufgewirbelt. Ein Teil der Elternschaft ist verärgert. Insbesondere geht es darum, dass am Schutzengelkindergarten zum neuen Kindergartenjahr aus bestehenden Gruppen eine neue zusammengefügt wird, die Anfang Januar umziehen soll. Dieser Schritt sei völlig überraschend gekommen, so die Klage einiger Eltern.
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Da war noch alles gut: Als der Schutzengelkindergarten vor einigen Wochen sein 25-jähriges Bestehen feierte, herrschte ausgesprochen gute und freundliche Stimmung.
Fotos: Fabian Rieger
Beilngries
Dass der große Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder in Beilngries zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt, ist seit Langem bekannt. In den vergangenen Wochen hat das Thema aber eine ganz neue Dynamik gewonnen, wie eine Gruppe von Eltern, deren Sprösslinge den Schutzengelkindergarten besuchen, im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Ihnen gehe es ausdrücklich nicht darum, sich über ihren eigenen Einzelfall zu beklagen. Vielmehr wollen sie darauf hinweisen, dass es in ihren Augen rund um die Einteilung der künftigen Kindergartengruppen Versäumnisse gegeben habe. Außerdem wünschen sie sich, dass aus dieser Situation Lehren für die Zukunft gezogen werden - zum Wohle der Kinder.

Was ist konkret vorgefallen? Am Beilngrieser Schutzengelkindergarten gibt es seit knapp drei Jahren eine "Notgruppe", die nötig geworden war, um allen Anmeldungen gerecht werden zu können. Dass irgendwann ein Umzug in den neuen Kindergarten, über dessen Bau seit Jahren diskutiert wurde, anstehen würde, war allen Beteiligten klar. Allerdings habe man damit gerechnet - und dies vor Längerem auch so signalisiert bekommen - ,dass die komplette Zusatzgruppe, Raupengruppe genannt, umziehen sollte, berichten die verärgerten Eltern. Umso größer sei die Aufregung nun gewesen, als vor einigen Wochen Briefe ins Haus flatterten, die eine andere Lösung aufzeigten. Zu Beginn des neuen Kindergartenjahres soll am Schutzengelkindergarten eine Wechselgruppe gebildet werden, die zum Januar 2019 - mit Fertigstellung des Neubaus - in den bestehenden Franziskuskindergarten umzieht. Dies hat zur Folge, dass bereits zum 1. September im Schutzengelkindergarten zwischen den Gruppen gehörige Umverteilungen stattfinden. Die Kinder, die in ihren Gruppen wichtige Beziehungen geknüpft hätten, müssten sich nun wieder in ein neues soziales Gefüge einfinden, so die Klage der Eltern. Das sei im Laufe der Kindergartenzeit nicht sinnvoll und eine große Herausforderung . Außerdem sind nun Kinder vom Umzug betroffen, deren Familien damit bislang nicht gerechnet hätten. Aus dieser Situation heraus habe sich die Stimmung rund um den Schutzengelkindergarten spürbar verschlechtert, klagt die Elterngruppe im Gespräch mit unserer Zeitung.
Da war noch alles gut: Als der Schutzengelkindergarten vor einigen Wochen sein 25-jähriges Bestehen feierte, herrschte ausgesprochen gute und freundliche Stimmung (oben). Die kippte aber kurz darauf, als die Pläne rund um eine Gruppenneueinteilung für den Umzug in den Sulzpark bekannt wurden. Dort schreitet der Neubau zügig voran (unten, linkes Gebäude). Die Wechselgruppe des Schutzengelkindergartens soll im benachbarten Bestandsgebäude betreut werden (unten, rechtes Gebäude).
Die kippte aber kurz darauf, als die Pläne rund um eine Gruppenneueinteilung für den Umzug in den Sulzpark bekannt wurden. Dort schreitet der Neubau zügig voran (linkes Gebäude). Die Wechselgruppe des Schutzengelkindergartens soll im benachbarten Bestandsgebäude betreut werden (rechtes Gebäude).
Fotos: Fabian Rieger
Beilngries



Domkapitular und Stadtpfarrer Josef Funk nimmt als Vertreter der katholischen Kirchenstiftung, die für die Kindergärten in Beilngries als Träger fungiert, zu den Vorwürfen Stellung. Hintergrund für die Vorgehensweise bei der Gruppeneinteilung seien die unterschiedlichen Vertragsmodelle, die aktuell im Schutzengelkindergarten bestehen. Vor einiger Zeit habe man nämlich von der Caritas, die den Kindergartenbetrieb überwacht, mitgeteilt bekommen, dass man in Vorbereitung auf einen Umzug mancher Kinder - und somit eines Wechsels zwischen zwei Einrichtungen - mit den Eltern bei der Anmeldung entsprechende Doppel-/Wechselverträge abschließen solle. Darin steht, dass die Kinder sowohl im Schutzengel- als auch im Franziskuskindergarten betreut werden können. Nun habe sich aber die Situation ergeben, dass in der Raupengruppe sowohl Kinder mit diesen neuen Verträgen als auch Kinder mit Altverträgen, die rein auf den Schutzengelkindergarten ausgelegt seien, waren. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, habe man die Entscheidung gefällt, die Gruppen zum neuen Kindergartenjahr entsprechend umzubauen, erläutert Funk. Aus heutiger Sicht müsse man sagen, dass dies möglicherweise der falsche Weg war, räumt er im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Er wolle es sich jetzt nicht leicht machen und nur darauf verweisen, dass die Eltern entsprechende Doppelverträge unterschrieben hätten und ihnen somit bewusst gewesen sei, dass sie von einem Wechsel betroffen sein könnten. Dass bei den Eltern der Eindruck entstanden sei, dass die bestehende Zusatzgruppe geschlossen wechseln werde - und nun die große Ernüchterung folgte - sei eine unglückliche Entwicklung, sagt der Pfarrer. Im Nachhinein wäre es vermutlich klüger gewesen, diejenigen Eltern von Raupengruppen-Kindern mit Altverträgen gezielt anzusprechen und gegebenenfalls über Vertragskündigungen und -neuabschlüsse die Voraussetzungen für einen Wechsel zu schaffen, so Funk. Ohne Kenntnis der jetzigen Entwicklung sei die Vorstellung von Kündigungen aber recht abschreckend gewesen, fügt der Geistliche hinzu.

Genau wie die Gruppe der Eltern will er nun aber lieber nach vorne schauen. Die Kinder sollen pädagogisch möglichst gut auf den Wechsel (zusammen mit ihnen bekannten Betreuerinnen) vorbereitet werden. Eine abermalige Neueinteilung wünscht sich niemand, wie von beiden Seiten zu erfahren ist. "Das würde jetzt nur noch mehr Chaos verursachen", so ein Vater. Um die Situation positiv annehmen zu können, bedürfe es aber einer sauberen Aufarbeitung. Das sieht auch Pfarrer Funk so. Ihm schwebt ein runder Tisch vor, bei dem Träger, Stadt und Vertreter der betroffenen Eltern - möglicherweise auch noch die Kindergarten-Aufsichtsbehörde - zusammenkommen und offen über die Thematik sprechen.

Die Eltern treibt aber noch ein weiterer Punkt um, den sie gerne möglichst schnell geklärt hätten. Bekanntermaßen sind die Anmeldezahlen so hoch, dass ab dem 1. Januar vorübergehend drei Einrichtungen parallel betrieben werden müssen: Schutzengelkindergarten mit dann wieder drei Gruppen, neuer Franziskuskindergarten (künftig mit römisch eins bezeichnet) mit sechs Gruppen und nebenan der Altbau des Franziskuskindergartens (römisch zwei) mit zwei Gruppen. Letzteres Gebäude soll auf absehbare Zeit aber abgerissen und durch eine Alternativlösung - wie und wo, ist noch unbekannt - ersetzt werden. Diejenigen Eltern, deren Kinder nun vom Schutzengel- in den bestehenden Franziskuskindergarten umziehen, fürchten, dass sie somit später noch von einem weiteren Umzug betroffen sein könnten. Das wolle man auf keinen Fall hinnehmen, so die klare Aussage. Pfarrer Funk kann diesen Wunsch verstehen, wie er sagt. Die Forderung der Kirchenstiftung, die Übergangslösung mit drei Trägerschaften (und somit auch drei Leitungen, zusätzlichem Personal und Ähnlichem) recht zügig zu beenden, bestehe zwar nach wie vor. Mehr als zwei Einrichtungen könne man auf Dauer schlichtweg nicht betreiben, betont er. Es werde aber ganz sicher kein Ultimatum bis zu einem bestimmten Stichtag geben, sodass aus seiner Sicht die jetzigen Wechselkinder nicht noch einmal betroffen sein müssten. Die Entscheidung liege aber vorrangig bei der Stadt. Die hat bekanntlich einen öffentlichen Meinungsbildungsprozess angestoßen, an dem möglichst alle Seiten beteiligt werden sollen. Zu klären ist die Frage, wie die Kleinkindbetreuung über das Jahr 2020 hinaus zu lösen ist. Für kommende Woche ist eine von Experten moderierte Veranstaltung zur Ideensammlung geplant (wir berichteten), für die sich interessierte Eltern bereits bewerben konnten. Dort soll ein Fahrplan entwickelt werden, der als Grundlage für eine Entscheidung über das weitere Vorgehen im Stadtrat dienen könnte, hatte Bürgermeister Alexander Anetsberger jüngst mitgeteilt. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Kindergarten-Thematik alle Seiten - Stadt, Kirche, Lokalpolitiker, Eltern und Öffentlichkeit - noch längere Zeit beschäftigen wird.
Fabian Rieger
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