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Zwischenfazit nach einem halben Jahr: Der Bundesfreiwilligendienst an der Grundschule hat sich bewährt

Viel Lob für Bufdis an der Beilngrieser Grundschule

Beilngries
erstellt am 17.05.2018 um 13:05 Uhr
aktualisiert am 21.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Beilngries (DK) Ein ausgesprochen positives Fazit haben Vertreter der Beilngrieser Grundschule am Donnerstag im Rathaus zur Schaffung von Bundesfreiwilligendienst-Stellen im vergangenen Herbst gezogen. "Wir haben so viel gewonnen durch das Projekt, alle sind davon überzeugt", berichtete Rektorin Monika Bäumler. Für eine Fortsetzung im neuen Schuljahr können sich derzeit Bewerber melden.
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Viel zu berichten haben Katharina Nagler (4. v. l.) und Hoshiar Sadhem Kabri (3. v. l.) über ihre Erfahrungen im Bundesfreiwilligendienst.
Viel zu berichten haben Katharina Nagler (4. v. l.) und Hoshiar Sadhem Kabri (3. v. l.) über ihre Erfahrungen im Bundesfreiwilligendienst.
F. Rieger
Beilngries
Es war ein Wagnis, da sind sich alle Beteiligten einig. Keiner wusste so recht, was auf Stadt und vor allem Grundschule zukommt, als man sich im vergangenen Herbst dazu entschloss, zwei Stellen für sogenannte Bufdis - also Bundesfreiwilligendienst-Leistende - zu schaffen. Immerhin war man die erste Schule im Landkreis, die diesen Schritt ging. "Es war ein Experiment, aber wir waren so davon überzeugt", betonte Rektorin Bäumler. Die Aufgaben an den Schulen seien inzwischen derart vielfältig geworden, dass man eine Unterstützung für das Lehrpersonal dringend benötige. Und die Idee, das über Bufdis abzudecken, sei voll aufgegangen, wie zahlreiche Mitglieder der Schulfamilie betonten.

Katharina Nagler und Hoshiar Sadhem Kabri traten im vergangenen Herbst als Zweierteam den Dienst in der Grundschule an. Katharina Nagler hatte im Sommer die Realschule erfolgreich abgeschlossen. Da sie vorhat, die Fachoberschule zu besuchen und später als Förderlehrerin zu arbeiten, kam ihr diese Chance, an der Grundschule mitzuarbeiten, sehr gelegen. Mit dem Verlauf der vergangenen Monate ist sie außerordentlich zufrieden, wie sie am Donnerstag berichtete. Sie habe viel gelernt - unter anderem "ganz allgemein den Umgang mit Kindern". Bis zum Schuljahresende wird Katharina Nagler noch an der Grundschule im Einsatz sein.

Ihr Kollege bleibt sogar noch bis November, er absolviert ein komplettes Jahr im Bundesfreiwilligendienst. Hoshiar Sadhem Kabri lebt als Asylbewerber in Beilngries. "Zum Vorstellungsgespräch kam er noch mit einem Dolmetscher", erinnerte sich Andrea Dengler, die das Bufdi-Projekt an der Grundschule federführend betreut. "Und jetzt kann ich mich problemlos mit ihm auf Deutsch unterhalten." Der junge Mann könne selbst sehr viel aus der Arbeit an der Grundschule mitnehmen, berichteten alle Beteiligten. Er gebe aber auch jede Menge zurück. Sowohl als männliche Bezugsperson für die Kinder in einem sonst eher von Frauen dominierten Kollegium als auch als Ansprechpartner für die Kinder mit Migrationshintergrund sei er ein wichtiger Bestandteil der Schulfamilie geworden.

Das Aufgabengebiet der Bufdis ist vielfältig. Sie sind als Zweitkraft - aber nie alleine - mit im Unterricht und helfen Kindern, die sich schwer tun, mit der restlichen Klasse Schritt zu halten. Sie unterstützen die Mittagsbetreuung, indem sie mit den Kindern spielen und auch Hausaufgaben machen, wie Manuela Köberlein als Verantwortliche der Mittagsbetreuung bestätigte. Außerdem sind sie in der Pause oder beim Sport für diejenigen Kinder da, die besondere Betreuung brauchen - beispielsweise ein Kind mit einer Herzkrankheit. Hoshiar Sadhem Kabri bringt sich als Übersetzer und als Bindeglied zu den Eltern der Flüchtlingskinder ein. Außerdem übernehmen er und Katharina Nagler einfache Büroarbeiten im Sekretariat. Und der Hausmeister freut sich auch über so manche helfende Hand.

Das Fazit aller Beteiligter ist ausgesprochen positiv. Das gesamte Kollegium stehe voll hinter dem Bundesfreiwilligendienst, betonte Monika Bäumler. Konrektor Franz Josef Neumayr berichtete von "herzerfrischenden" Eindrücken, wenn man beobachten könne, wie die beiden Bufdis und die Kinder miteinander umgehen. Bei einer Stadtratssitzung vor zwei Monaten, als bereits ein Zwischenbericht vorgelegt wurde, war von "großer Schwester und großem Bruder" die Rede. Dank der Mithilfe der Bufdis könne man die Kinder in einer Form betreuen, die sonst nicht möglich wäre, meinte auch Andrea Dengler. Bürgermeister Alexander Anetsberger hörte das gerne. Das bestätige ihn und den Stadtrat in der am 22. März getroffenen Entscheidung, das Angebot auf jeden Fall auch im kommenden Jahr fortzuführen. Die Stadt hat als Sachaufwandsträger sogar das Budget ein wenig aufgestockt, sodass eine weitere Stelle geschaffen werden könnte.

Nun ist die Schule dabei, Bewerbungen entgegenzunehmen und in einem weiteren Schritt dann geeignete Kandidaten auszuwählen. Wer Interesse hat, kann sich bei der Beilngrieser Grundschule melden und bewerben. Der Bundesfreiwilligendienst kann ab einem Alter von 16 Jahren geleistet werden. Nach oben gibt es eigentlich keine Altersgrenze. Da aber nur bis zu einem Alter von 27 Jahren Fördergelder fließen, sollten die Bewerber nicht älter als 26 Jahre sein. Am Modell der Zusammenarbeit zwischen Einheimischen und Asylbewerbern möchte man gerne festhalten. Die Aufgabe sollte zum neuen Schuljahr angetreten werden und ist auf zwölf Monate ausgelegt. Die monatliche Vergütung liegt bei rund 320 Euro.
 
Fabian Rieger
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