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Die Beilngrieser Nachbarschaftshilfe gibt es seit fünf Jahren

Nachbarschaftshilfe feiert Geburtstag

Beilngries
erstellt am 16.09.2018 um 13:19 Uhr
aktualisiert am 21.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Beilngries (pa) Seit mittlerweile fünf Jahren unterstützt der Arbeitskreis Nachbarschaftshilfe Beilngries (NHB) Bürger in der Großgemeinde, die kurzzeitige Hilfe benötigen. Am Samstag wurde nun im großen Rahmen Geburtstag gefeiert.
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Auf weiterhin gute Zusammenarbeit stießen Rita Böhm (von links), Werner Fahnenstich und Alexander Anetsberger an.
Auf weiterhin gute Zusammenarbeit stießen Rita Böhm (von links), Werner Fahnenstich und Alexander Anetsberger an.
Patzelt
Beilngries
Die 45 engagierten Mitglieder tun das, was Nachbarn für Nachbarn tun: Hand in Hand Probleme lösen und schnell und unbürokratische Hilfe leisten - unabhängig von Nationalität, Alter und Konfession. Die Helfer haben sich zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet und bieten ihre Hilfe unentgeltlich an.

Die Bilanz der NHB kann sich sehen lassen. Allein im Jahr 2017 rückten die Mitglieder knapp 2000-mal aus, um Nachbarn zu unterstützen. Dabei wurden 706 Fahrten durchgeführt und über 14000 Kilometer zurückgelegt.

Zum Geburtstag hatte die NHB am Samstag in einer Beilngrieser Gaststätte eine kleine Feier organisiert. Der Leiter, Werner Fahnenstich, konnte dazu neben dem Beilngrieser Bürgermeister Alexander Anetesberger auch die stellvertretende Landrätin Rita Böhm und weitere Ehrengäste begrüßen. "Wenn jeder dem anderen helfen wollte, wäre allen geholfen." Dieser Grundsatz der österreichischen Erzählerin und Novellistin Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach steht als Motto der Beilngrieser Nachbarschaftshilfe.

Die Feierstunde eröffnete Fahnenstich mit seinem Grußwort. Er stellte fest, dass er häufig die Worte höre: "Gut, dass es die Nachbarschaftshilfe gibt." Dieser Satz bestärke ihn und auch alle Mitstreiter immer wieder aufs Neue in ihrem Engagement. "Ob es sich um begleitende Fahrten zu Ärzten oder die Auslieferung von Gerichten einer lokalen Metzgerei an eine sehbehinderte ältere Dame handelt, ob es kleinere handwerkliche Tätigkeiten oder die Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache sind, wir alle machen es gerne und helfen täglich", betonte Fahnenstich. Im abgelaufenen Jahr sei der Arbeitskreis im Wandel gestanden - weg vom Schwerpunkt Flüchtlingshilfe und hin zum "alten Kerngeschäft" als Nachbar für Nachbarn. Dennoch bleibe die NHB als Partner in der Flüchtlingshilfe erhalten, nämlich als "Säule Transport" im Helferkreis Asyl.

Als Leiter der NHB zeigte sich Fahnenstich stolz ob der Leistungen aller Mitarbeiter in den vergangenen fünf Jahren. Er dankte dafür und brachte seine Hoffnung auf eine noch sehr lange fortdauernde Existenz des Arbeitskreises zum Ausdruck. Mit dem Satz "Solange ich dazu noch in der Lage bin, werde ich ein Teil davon sein" sagte er auch weiterhin seine uneingeschränkte Unterstützung zu.
 
Der Leiter des Bürgertreffs, Rolf Drießen, stellte eine Chronik vor.
Der Leiter des Bürgertreffs, Rolf Drießen, stellte eine Chronik vor.
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Auch Rathauschef Anetsberger gratulierte und würdigte in seinem Grußwort im Namen der Stadt das große Engagement der Helfer. Noch unter seiner Vorgängerin Brigitte Frauenknecht sei 2013 zusammen mit vielen engagierten Bürgern "diese tolle Idee geboren worden". Laut den Worten des Bürgermeisters entstand sie aus der Erkenntnis, dass immer mehr Menschen in der Großgemeinde auf Unterstützung im Alltag angewiesen seien. "In diese Lücke stieß die Nachbarschaftshilfe und leistet nunmehr seit fünf Jahren schnelle und unbürokratisch Unterstützung", so Anetsberger. Er schätze an der NHB die kurzen Abstimmungswege, die gute Organisationsstruktur,die hohe Verlässlichkeit und die beachtliche Schlagkraft. "Nur so waren auch neue Herausforderungen, die erst in meiner Amtszeit entstanden sind, zu bewältigen", stellte Anetsberger fest und schnitt damit den enormen Zustrom an Flüchtlingen vor drei Jahren an. Hier sei die NHB sofort zur Stelle gewesen und mittlerweile leiste der Helferkreis Asyl weitere wertvolle Integrationsarbeit. Aber auch "das jüngste Baby", das Bürgerbegegnungszentrum im Alten Feuerwehrhaus, falle in die Verantwortung der NHB. "Somit ist die Nachbarschaftshilfe in den vergangenen fünf Jahren, also in relativ kurzer Zeit, zu einem unverzichtbaren Bestandteil unseres gesellschaftlichen und sozialen Lebens geworden", freute sich Anetsberger. Als Geschenk der Stadt Beilngries überreichte er an Fahnenstich eine kleine finanzielle Unterstützung.

Die stellvertretende Landrätin Rita Böhm brachte in ihren Grußworten die hohe Wertschätzung des Landkreises Eichstätt für das Engagement der Beilngrieser NHB zum Ausdruck. "Ich habe den Werdegang intensiv verfolgt und stelle fest: Auch fünf Jahre sind eine lange Zeit", so Böhm. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen hätten heute viele "keine Zeit mehr für Opa und Oma". Daher sei es enorm wichtig, dass es Institutionen gebe, die Leistungen wie die NHB anbieten. "Es ist fast sogar ein Luxus für die Stadt Beilngries, dass sie auf eine solche Gruppierung zurückgreifen kann, obwohl sie alle dringend brauchen", schloss Böhm ihre Rede.

Der Leiter des Bürgertreffs, Rolf Drießen, stellte anschließend eine 75 Seiten umfassende Chronik vor, die anlässlich des fünften Geburtstags herausgegeben wurde. Sie beleuchtet noch einmal den Werdegang und lässt die verschiedenen Hilfsaktionen der NHB Revue passieren.

Regina Hartig-Drelse, Leiterin des Helferkreises Asyl, las ein paar Grußworte von Konrad Linge vor. Linge wurde 2015 zum ersten Ehrenvorsitzenden der NHB ernannt. Auch Linge würdigte in seinem Schreiben den "unschätzbaren Dienst", den die Mitglieder der NHB in der Vergangenheit an hilfsbedürftigen Nachbarn leisteten. Neben Linge wurde auch Willy Hanemann der Ehrenvorsitz verliehen, und zwar im Jahr 2017.

Heute zählt die NHB 45 engagierte Mitglieder. An der Spitze steht als Leiter Werner Fahnenstich, der von Mario Hofer als Stellvertreter unterstützt wird. Die Kasse führt Frank Drelse und um die schriftlichen Angelegenheiten kümmert sich Regina Hartig-Drelse.
 

Gründungsversammlung am 11. September 2013

Es war der 17. Juli 2012,  als der erste Aufruf zur Gründung einer Nachbarschaftshilfe erfolgte. Dieser Aufruf wurde auf Anfrage von Konrad Linge von der damaligen Bürgermeisterin Brigitte Frauenknecht an die Beilngrieser   Bürger gerichtet, um ein Projekt im Bereich des bürgerlichen Engagements ins Leben zu rufen. Am 11. September 2013 war es schließlich soweit und am Abend fand  die Gründungsversammlung der NHB statt. Als Gründungsmitglieder ließen sich Leonhard Beitler, Angela Hanemann, Willy Hanemann, Regina Hartig-Drelse, Yasmin Hudalla, Konrad Linge, Helmut Schloderer, Karl-Heinz Schlosser und Manfred Thoma eintragen. Das Führungsteam der NHB setzte sich zusammen aus dem Leiter Willy Hanemann, seinem Stellvertreter Konrad Linge sowie der Schriftführerin und Kassenverwalterin Regina Hartig-Drelse.
Zum Aufbau erhielt die NHB die beantragte Förderung vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und soziales in Höhe von 10 000 Euro. Damit wurden PC und Drucker für Verwaltungstätigkeiten angeschafft sowie Flyer, Plakate und Visitenkarten gedruckt, Telefon- und Internetanschlüsse in die Wege geleitet und die Arbeitsfähigkeit für die ersten zwei Jahre gewährleistet. Das Leitungsteam nahm an einer Weiterbildung des Bayerischen Staatsministeriums teil, um sich Tipps für den weiteren Aufbau einer Nachbarschaftshilfe zu holen und sich in der weiteren Region zu vernetzen. Ende 2013 hatte sich die NHB bereits etabliert und es engagierten sich 23 Mitarbeiter.
Schon im Gründungsjahr wurden 63 Aufträge erledigt und dabei 762 Kilometer zurückgelegt. Dabei standen kleine handwerkliche Tätigkeiten und begleitende Arztfahrten im Vordergrund. Im Seniorenzentrum freute man sich über die Gründung eines „Männerstammtisches“ und  durch die NHB wurde zudem ein Vorlesenachmittag im Seniorenzentrum, der einmal pro Monat stattfindet,  ins Leben gerufen.


 
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