Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Das Beilngrieser Gymnasium beteiligt sich wieder an einem Projekt, das Interesse für Politik wecken soll

Die Jugend hat schon gewählt

Beilngries
erstellt am 09.10.2018 um 11:07 Uhr
aktualisiert am 13.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Beilngries (rgf) Während die Erwachsenen in Bayern noch bis Sonntag warten müssen, um ihr Kreuzchen abzugeben, haben zahlreiche Schüler schon einmal die bevorstehende Wahl simulieren dürfen. Auch am Beilngrieser Gymnasium wurde diese sogenannte Juniorwahl organisiert, und zwar für alle Zehnt- und Elftklässler. Bei den jungen Leuten soll auf diese Weise das Interesse für Wahlen und Politik gefördert werden.
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Probelauf: Das Beilngrieser Gymnasium hat sich an der sogenannten Juniorwahl beteiligt. Schulleiterin Sabine Nolte-Hartmann (3. von rechts) und Lehrer Rüdiger Stein (links neben der Wahlurne) sind von dem Projekt überzeugt.
Probelauf: Das Beilngrieser Gymnasium hat sich an der sogenannten Juniorwahl beteiligt. Schulleiterin Sabine Nolte-Hartmann (3. von rechts) und Lehrer Rüdiger Stein (links neben der Wahlurne) sind von dem Projekt überzeugt.
F, Rieger
Beilngries
Schlange stehen, um die eigene Stimme abzugeben - das wird es am Sonntag in den bayerischen Wahllokalen, allem Interesse zum Trotz, wohl eher nicht geben, wenn Bezirks- und Landtag gewählt werden. Am Beilngrieser Gymnasium war aber am Dienstagvormittag genau das zu sehen, als eine Schulklasse nach der anderen anrückte, um die jugendliche Stimmungslage zur Politik im Freistaat zu ermitteln. Juniorwahl nennt sich dieses Angebot, das der gemeinnützige und überparteiliche Verein Kumulus vor jeder "echten" größeren Wahl für Schulen anbietet. Unterstützung gibt es von verschiedenen Stellen, beispielsweise Landes-/Bundeszentrale für politische Bildung.

In Beilngries war man bereits vor einem Jahr im Vorfeld der Bundestagswahl mit dabei. Die Erfahrungen waren ausgesprochen positiv, wie Schulleiterin Sabine Nolte-Hartmann sowie die Lehrer Rüdiger Stein und Johann Pirkl im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterten. Es sei zu spüren, dass die jungen Leute über Politik diskutieren und sich Gedanken über die Wahl machen. Mit einer solchen Aktion könne man den Jugendlichen der zehnten und elften Klassen, die allesamt diesmal noch nicht, aber doch in naher Zukunft wählen dürfen, einen ersten Eindruck vermitteln, wie es in einer Wahlkabine eigentlich abläuft.

Die "echte" Wahl wird recht detailgetreu simuliert. Die Schüler gehen - jeder für sich - in die Kabinen und fällen ihre Entscheidung. Sie dürfen aus den gleichen Parteien und Kandidaten auswählen wie die Erwachsenen am Sonntag. Die Stimmzettel kommen dann in die Urne, ehe die Lehrer das Ergebnis auswerten und an die zentrale Stelle nach Berlin weitergeben. Am Sonntag wird dann das Gesamtergebnis der Juniorwahl auf www.juniorwahl.de veröffentlicht, im Nachgang auch das Schulergebnis. "Auf diese Weise wird das Interesse der Schüler am Ausgang der echten Wahl gefördert, wenn sie das eigene Schulergebnis damit vergleichen können", so Sabine Nolte-Hartmann.

Das Bild der uninteressierten Jugend, die sich nicht um politische Themen schert, können die Schulleiterin sowie Stein und Pirkl im Übrigen nicht bestätigen. Politik spiele für die Heranwachsenden durchaus eine Rolle, so die Erfahrungen aus dem Schulalltag. Vor allem große Themen wie der Brexit, Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten oder auch die Bundestagswahl im vergangenen Jahr seien unter den Schülern diskutiert worden, berichtete Stein. Pirkl pflichtet bei: "Bei diesen Themen gibt es eigentlich niemanden in den Klassen, der keine Meinung und nichts dazu zu sagen hat."

Die Direktorin erlebt das auch in "ihren" Fächern: Latein und Religion. Auch hier sei zu spüren, dass die Jugend gerne über das gesellschaftliche Zusammenleben mit all seinen Besonderheiten und Herausforderungen diskutiere.

Als große Gefahr hat Rüdiger Stein ausgemacht, dass nicht zuletzt durch die sozialen Medien bisweilen die Fähigkeit verloren gehe, sich kritisch mit den Quellen einer Nachricht auseinanderzusetzen. Oft würden Meldungen mit dem Argument "Aber es steht doch im Internet" für bare Münze genommen, auch wenn sich der Wahrheitsgehalt in Grenzen halte. Das sei aber kein exklusives Problem der Jugend, wie Stein beobachtet hat.

Umso wichtiger sei es, Themen wie die Landtagswahl fundiert - aber natürlich ohne jedwede parteipolitische Färbung - im Schulunterricht zu behandeln, erläuterte die Schulleiterin. Und schon jetzt steht fest: Auch bei der Europawahl im Mai 2019 wird man am Beilngrieser Gymnasium wieder eine Juniorwahl abhalten.

Heuer vier Briefwahlbezirke

Für die Bezirks- und Landtagswahl am kommenden Sonntag hat die Beilngrieser Stadtverwaltung gestern noch einige Informationen herausgegeben. In der Großgemeinde Beilngries wird es die üblichen 16 Stimmbezirke, die bereits von vorangegangenen Wahlen bekannt sind, geben. Außerdem gibt es diesmal vier statt der bisherigen zwei Briefwahlbezirke. Die Gesamtzahl der Stimmberechtigten liegt nach aktuellem Stand bei 7197 Personen.

In der Stadt Beilngries gibt es drei Stimmbezirke. Diejenigen Wahlberechtigten, deren Straßennamen mit A bis Ha beginnen, gehören zu Stimmbezirk eins, die in den Straßen Hi bis Ob und die Bürger vom Gaisberg zu Bezirk zwei und die Bürger aus den Straßen von Os bis Z zum dritten Bezirk. Sie alle geben ihre Stimmen in der Mittelschule ab. In Amtmannsdorf wird im Gasthaus Riepl gewählt, Aschbuch und Kirchbuch wählen als ein Bezirk im Gasthaus Treffer in Aschbuch, Biberbach und Gösselthal im Gemeinschaftshaus Biberbach, Eglofsdorf im Gasthaus Schmittlein, Grampersdorf in der örtlichen Begegnungsstätte, Hirschberg im Gasthof zum Hirschen, Irfersdorf und Neuzell im Irfersdorfer Schützenhaus, Kevenhüll im Kevenhüller Schützenhaus, Kottingwörth und Leising im Alten Schulhaus in Kottingwörth, Oberndorf im örtlichen Feuerwehrhaus, Paulushofen im Landgasthof Euringer, Wiesenhofen, Litterzhofen und Kaldorf im Wiesenhofener Gemeinschaftshaus sowie Wolfsbuch und Arnbuch im Wolfsbucher Pfarrhof. Die vier Briefwahlbezirke werden im Beilngrieser Rathaus ausgezählt.
 
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