Donnerstag, 20. September 2018
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Ausstellung im Beilngrieser Haus des Gastes mit prächtiger Vernissage eröffnet

"Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele"

Beilngries
erstellt am 10.09.2018 um 16:26 Uhr
aktualisiert am 14.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Beilngries (pa) Die Bühne im Haus des Gastes ist freigegeben für die Kunst. Mit einer großartigen Vernissage haben die Sulz-Altmühltaler Kunstfreunde Beilngries ihre 52. Ausstellung eröffnet. Eine besondere Ehre wurde dem Künstler Holger H. Pflaum zuteil - er erhielt als achter Preisträger den diesjährigen Kunst-und Kulturpreis. Insgesamt präsentieren in den nächsten Wochen 21 Künstler ihre Werke.
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Eine große Bandbreite der Stilrichtungen erwartet die Besucher der Kunstausstellung im Haus des Gastes.
Eine große Bandbreite der Stilrichtungen erwartet die Besucher der Kunstausstellung im Haus des Gastes.
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Es ist vor allem die Vielfalt, die der Ausstellung den besonderen Touch verleiht. Ob bunt und farbenprächtig, ob mondän oder Schwarz/Weiß, ob großformatig oder eher gedrungen - Kunstliebhaber kommen voll auf ihre Kosten, das wurde bei der Vernissage deutlich. Das Symphonische Blasorchester Beilngries unter der Leitung von Hans Haas eröffnete nicht nur klangvoll den Abend, sondern sorgte auch im weiteren Verlauf für den musikalischen Rahmen. Beim Evergreen "Hey Jude" der unvergessenen Beatles hatte Michael Haas auf der Posaune seinen großen Solo-Auftritt und erntete dafür reichlich Beifall.

Die Begrüßung der vielen Gäste aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben sowie aus der bildenden und darstellenden Kunst lag in den Händen des Leiters der Sulz-Altmühltaler Kunstfreunde, Werner W. Richter. Ein besonderer Gruß galt den Mitgliedern des Waldschmidt-Vereins Eschlkam mit dem Vize-Vorsitzenden Xaver Penzkofer sowie Karin und Andreas Thomas. Richter bedankte sich bei allen, die trotz des gleichzeitig stattfindenden Volksfestes den Weg ins Haus des Gastes gefunden hatten. Manche Paare hätten sich vielleicht sogar gesplittet, um überall präsent zu sein. "Humba täterä und Kunst können also doch auch eine Liebesbeziehung sein, sind sie beide letztendlich auch ein Stück Kultur, die gelebt werden will", stellte Richter fest. Für beide Formen der Kultur müsse hart, viel und liebevoll gearbeitet werden, um Erfolg zu haben und andere und sich selbst zu begeistern. Dem Leiter der Kunstfreunde lag dazu ein Zitat von Karl Valentin auf den Lippen: "Kunst ist schön, macht aber auch viel Arbeit." Wer viel arbeite und wem die Kunst besonders gut gelinge, habe dann auch eine besondere Auszeichnung verdient, resümierte Richter und warf dabei einen Blick auf den diesjährigen Preisträger.
 
Herbert Franke ist stolz auf sein Papst-Bild.
Herbert Franke ist stolz auf sein Papst-Bild.
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Bevor Richter den Kunst- und Kulturpreis an Holger H. Pflaum überreichte, würdigte er in einer Laudatio das Schaffen des Künstlers und stellte den Wahl-Kipfenberger vor. Pflaum erblickte 1948 in Dessau in Sachsen-Anhalt das Licht der Welt. "Schnell merkte er wohl, dass die Lichter in Bayern doch heller, lieblicher und anziehender sind und so kam er mit seiner Familie bereits in seiner Kindheit nach Kipfenberg, wo er heute noch lebt", stellte Richter mit einem Schmunzeln fest. Im jugendlichen Alter habe Pflaum die Liebe zur Malerei entdeckt und er durfte schon bald ein Schüler des bekannten Künstlers C. O. Müller sein: "Müller war auch ein Mitaussteller der Sulz-Altmühltaler Kunstfreunde und so schließt sich der Kreis." 1980 restaurierte Pflaum den Beilngrieser Flurerturm und eröffnete darin seine eigene Galerie. "Er nutzte das Gebäude nicht nur für sich, sondern half auch anderen, sehr viel jüngeren Künstlern, mit Ausstellungen Fuß zu fassen", so die anerkennenden Worte Richters. Anschließend überreichte er dem Wahl-Kipfenberger mit dem Kunst- und Kulturpreis den "Kunst-Oscar der Heimat", wie Richter ihn bezeichnete.

Pflaum betonte in seiner Dankesrede, dass es anfangs für ihn gar nicht so leicht gewesen sei, zu realisieren, dass er den Preis erhalte: "Ich dachte zuerst, es wäre der Bayerische Rundfunk mit seinem Spaßtelefon. Danach fragte ich mich, was die wohl von mir wollen. Schließlich setzte sich bei mir das Gefühl durch, dass ich nun wohl in einem Alter angelangt sei, in dem man einen derartigen Preis erhält." Pflaum wies auch noch darauf hin, dass er in Beilngries mit einigen Zeichnungen seine allererste Ausstellung geben durfte.
 
Den diesjährigen Kunstpreis überreichte Werner W. Richter (links) an Holger H. Pflaum.
Den diesjährigen Kunstpreis überreichte Werner W. Richter (links) an Holger H. Pflaum.
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"Wenn ich wüsste, was Kunst ist, würde ich es für mich behalten." Mit diesem Zitat von Pablo Picasso begann die stellvertretende Landrätin Rita Böhm ihre Ansprache. Und weiter: "Es gibt viele Zitate, die versuchen, das Wesen der Kunst auf den Punkt zu bringen - aber es wird immer nur ein Teil sein." Die Kunstausstellungen seien ein Beitrag zum lebendigen, kulturellen Leben von Beilngries, dem Landkreis Eichstätt und der gesamten Region. Die Vize-Landrätin schloss ihre Rede mit einem weiteren Picasso-Zitat: "Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele."

Für den Markt Kipfenberg freute sich die zweite Bürgermeisterin Sabine Biberger, mit C. O. Müller und Holger H. Pflaum zwei bedeutende Künstler in ihrer Gemeinde zu haben. Neben seinen Bildern habe Pflaum Kipfenberg noch mit vielen weiteren grafischen Projekten bereichert. "Außerdem war er bereits als Hofmarschall unterwegs - Holger Pflaum ist einfach ein Tausendsassa."

Als Hausherr sprach auch der Beilngrieser Bürgermeister Alexander Anetsberger einige Begrüßungsworte. Gerne biete man als Stadt für die Ausstellung den würdigen Rahmen. Es sei schön zu sehen, dass sich hier verschiedene Kunstrichtung versammelt haben. "Auch die darstellende Kunst fügt sich prächtig ein." Wichtig sei, dass man sich von der Kunst berührt fühle, was heißt nicht, dass man jede Stilrichtung mögen müsse. Der Bürgermeister überreichte Richter ein Buchgeschenk und einen Gutschein, einzulösen in Beilngries. Mit einer Sektrunde, gesponsert von der Stadt, wurde die Ausstellung durch die Künstlerin Ute Patel-Mißfeldt für die Öffentlichkeit freigegeben. Sie geht bis zum 27. September und ist bis dahin mittwochs und freitags jeweils von 17 bis 20 Uhr, samstags und sonntags immer von 14 bis 18 Uhr und am Donnerstag, 27. September, von 17 bis 20 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.
 

VON STEIN ÜBER GLAS BIS STOFF

21 Kunstschaffende der Region stellen in den kommenden Wochen im zweiten Stock im  Beilngrieser Haus des Gastes ihre Werke aus. Das künstlerische Spektrum reicht dabei von Bildern in den verschiedensten Maltechniken über Kunstobjekte aus Stein und Holz bis hin zu Werken aus Papier, Glas und Stoff. Der Kunstmaler Herbert Franke zeigt beispielsweise von ihm gefertigte Zeichnungen mit Bleistift und schwarzem Farbstift, die eine Delegation aus Pentling dem emeritierter Papst Benedikt XVI. anlässlich seines 90. Geburtstags überreichte. „Ich bin echt stolz darauf, dass er mein Bild in den Händen gehalten und auch geschätzt hat“, freute sich der Berchinger Künstler. 
 
Einer ganz anderen Stilrichtung   hat sich Ute Patel-Mißfeldt aus Neuburg verschrieben. Sie stellt neben mehreren Bildern auch prachtvoll gekleidete Renaissance-Figuren aus. „Das ist alles aus Papier,  sogar die Perlenkette“, merkte  sie  zu ihren Figuren an. Unter ihnen ist auch Königin Elisabeth I. von England auszumachen.  Die Neuburgerin ist eigentlich für ihre Werke aus Seide bekannt –  in Beilngries zeigt sie aber, dass sie auch die Kunst mit Pastellkreiden beherrscht. 
 
Mit seinen Schwarz/Weiß-Zeichnungen beeindruckt der Künstler Mohammed Hassan Nazeri aus Afghanistan. Der 32-jährige Künstler kam vor zwei Jahren als Künstler nach Deutschland. „In der Schule war ich immer der kleine Kunstmaler. Ich habe nie eine Kunstlehranstalt besucht, sondern immer selbst geübt und weiter gelernt“, erläuterte Nazeri. Außerdem  stellen im Haus des Gastes folgende Künstler ihre Werke aus: Hildegard Ablaßmaier, Shoshanna Ahart, Rita Birkl,   Karin Eggerstedt, Vera Wild-Eggerstedt, Edeltraud Hötger, Andreas Karlstetter, Ariana Keßler, Elfi Kirschner, Christine Kugler, Wolf Liszkowski, Holger H.Pflaum, Werner W.Richter, Brigitte Rose, Margit Schramm, Karin Thomas, Andreas Thomas und Robert Wein, außerdem sind Werke des gestorbenen Beilngrieser Künstlers Friedrich Breitschopf zu sehen.
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