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Führung durch die Pfarrkirche

Kottingwörth
erstellt am 13.06.2018 um 17:36 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kottingwörth (jwt) Die Pfarrgemeinde Kottingwörth feiert am kommenden Sonntag wieder das Vitus-Patrozinium.
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Der Festgottesdienst beginnt um 9 Uhr in der Pfarrkirche. Neben dem kindlichen Patron, der sowohl in der Vituskapelle als auch auf den Deckenfresken und auf dem Hochaltargemälde des viel besuchten Gotteshauses dargestellt ist, finden sich in der Turmkapelle auch noch verschiedene Szenerien mit anderen Märtyrern, zum Beispiel mit dem heiligen Erasmus (Gedenktag 2. Juni), wie Vitus einer der 14 Nothelfer.

Von seinem Martyrium gibt es weitaus drastischere Darstellungen als in der Kottingwörther Vituskapelle. Sie soll das Entdärmen mit einer Winde wiedergeben. Der Maler hat auf jegliche Dramatisierung der Szene verzichtet und mit einfachsten Mitteln gearbeitet. Eher teilnahmslos blickt der Gemarterte seitlich zum Betrachter, als ob er keinerlei Schmerzen verspüren würde.
Trotzdem sollte man vor allem Kindern sagen, dass die gesamte Szenerie auf einem fundamentalen Missverständnis beruht, vor allem auch wegen der kindlichen Darstellung des Gefolterten. Ja, Erasmus ist schwer gefoltert worden, aber nicht auf diese selten grausame Art. Darauf hat nicht nur der Theologe Josef Imbach hingewiesen.

Um die Vielzahl der christlichen Heiligen unterscheiden zu können, brauchen sie einen "Personalausweis". Deshalb ist den Figuren in den Kirchen meist ein Attribut beigegeben, das auf die Art des erlittenen Martyriums oder auf eine ihrer besonderen Wundertaten hinweist. Bei Erasmus war und ist das eine Schiffswinde mit aufgewickelten Ankertauen. Weil er bei seiner Flucht vor Verfolgung über das Meer die Schiffsbesatzung rettete, indem er mit seinen Gebeten einen schweren Sturm beruhigte, wurde er ein Patron der Seeleute. Unwissende Landratten haben dann später die ihm beigegebene Ankerwinde als Folterinstrument fehlinterpretiert, was dann letztlich zur Vorstellung führte, dass ihm mit einer Winde die Eingeweide aus dem Leib gerissen worden seien. Deswegen wurde und wird er übrigens bei allerlei Unterleibsschmerzen zu Hilfe gerufen. Fake News gab es also auch schon früher.

Erasmus soll zur Zeit des römischen Kaisers und Christenverfolgers Diokletian (284 - 305) das Martyrium erlitten haben. Er war somit ein Zeitgenosse des heiligen Vitus, des Kottingwörther Kirchenpatrons, der 304 als etwa Zwölfjähriger gestorben ist.

Bei einer gut einstündigen Kirchenführung anlässlich des Patroziniums mit Josef Wittmann, die am Sonntag um 14 Uhr beginnt, können die Teilnehmer noch viel mehr über die Ausstattung und Baugeschichte der Kottingwörther Pfarrkirche erfahren. Als Teilnahmegebühr sind drei Euro zu entrichten. Ebenfalls auf Initiative des Touristikverbandes Beilngries wird am Dorffestsonntag (15. Juli) eine weitere Kirchenführung angeboten.
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