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Ölbergandacht im Franziskanerkloster zeigt die Angst und den Zweifel von Jesus Christus

Zuversicht in schweren Stunden

Dietfurt
erstellt am 15.02.2018 um 18:52 Uhr
aktualisiert am 19.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Dietfurt (DK) Provinzialvikar Franz Josef Kröger hat bei der ersten Ölbergandacht im Dietfurter Franziskanerkloster in diesem Jahr die Predigt gehalten. Dabei rückte er das Thema "Zwischen Angst und Gottvertrauen" in den Mittelpunkt.
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Dietfurt: Zuversicht in schweren Stunden
Foto: DK
Dietfurt

Jesus Christus habe gelitten, so erzählt es die Bibel, als er am Ölberg seinen Vater anflehte, ihm das Leiden zu ersparen. Dass Judas ihn verraten würde, wusste er bereits, doch er hing an seinem Leben und hatte Angst. "Meine Seele ist zu Tode betrübt", heißt es im Markusevangelium. Die Stelle zeugt von einem verzweifelten Gottessohn, der darum bittet, dass dieser Kelch an ihm vorübergehen möge.

An genau diese Angst und Verzweiflung Jesu knüpfte Provinzialvikar Kröger in seiner Predigt der Ölbergandacht im Franziskanerkloster an. Als Gläubiger dürfte es Angst, Leid und Zweifel geben, die Treue Gottes sei auch in schwierigen Lebensphasen gewiss. Zu Beginn der Fastenzeit bemühte Kröger ein Zitat von Bruder Roger Schutz: "Eines Tages werden die Abgründe bewohnbar sein."

Die Leiden Jesu am Ölberg können so auch für das Leben der Gläubigen als Anker dienen. "Es gibt schauderliche Abgründe im menschlichen Leben, an denen man nicht vorbeikommt", sagte Kröger. "Aber Gott kennt sich mit dem Leiden der Menschen aus." Man müsse daher mit Zuversicht diese Abgründe durchstehen, denn egal wie tief man falle, am Ende lande man in Gottes Händen.

Eine Erkenntnis, die den Heiland am Ende versöhnlich und gelassen sein Leben in Gottes Hände legen ließ. Deswegen soll diese Situation den Menschen in schwierigen Lebensphasen ein Anker sein.

Im Anschluss an die Predigt wurde das traditionelle Ölbergspiel aufgeführt. Die Angst des Sohn Gottes, symbolisiert durch eine Puppe und vertont durch Christussänger Karl Mayerhöfer, wurde den Besuchern des Franziskanerklosters deutlich. Das Kreuz senkte sich unablässig auf die Schultern des Heilands, dieser kauerte immer tiefer am Boden - bis ein Engel auf einer Wolke herabschwebte, der vom Dietfurter Männerchor gerufen wurde.

Dreimal tröstete der Engel, nachdem das Kreuz Jesus Christus auf die Erde gedrückt hatte. Er erkundigte sich nach den Leiden und er machte ihm deutlich, dass er die Sünden der Menschen auf sich nehmen solle. Als Jesus bereit war, sich für die Schuld der Welt zu opfern, stärkte der Engel ihn mit einem Kelch.

So bekamen die Gottesdienstbesucher in der nicht komplett voll besetzten Kirche des Franziskanerklosters noch einmal bildlich vor Augen geführt, was Provinzialvikar Kröger in seiner Predigt zuvor gemeint hatte: Es sei nicht verwerflich in schwierigen Phasen Angst und Zweifel zu verspüren, mit dem Vertrauen in Gott seien aber auch solche Situationen und Lebensabschnitte zu meistern. Kröger zitierte auch eine Frau, die kurz vor ihrem Ableben voller Gelassenheit sagte: "Jetzt kann Gott mein Leben haben."

Gleichzeitig mahnte Kröger aber auch an, sich nicht nur in schwierigen Phasen an Gott zu wenden. "Wie kann Vertrauen entstehen, wenn ich nur zu Gott bete, wenn ich ihn brauche" Auch Bruder Johannes Matthias Tumpach stellte in seinen Texten zwischen den einzelnen Abschnitten des Ölbergspiels fest, dass es Wachsamkeit brauche. "Die einen schlafen, ruhen sich aus und führen ein sorgloses Leben. Nur einen Steinwurf weit entfernt leiden andere Todesängste." Während Jesus im Ölberggarten um sein Leben flehte, konnten die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes die Augen vor Müdigkeit nicht offen halten.

Und doch lautete die Botschaft, die die Besucher des Gottesdienstes mit in die Fastenzeit nehmen konnten: Man muss nicht tapferer sein als Jesus Christus. Auch der Sohn Gottes hat gelitten und hatte Angst. "Jesus war am Ölberg am Abgrund des Todes", sagte Kröger. Der Abgrund wurde für ihn aber bewohnbar, weil Gott dort auf ihn wartete. Das stifte Zuversicht für die Gläubigen für all deren persönliche Schicksale. "Abgründe können bewohnbar sein. Das ist Hoffnung pur."

Am Ende des Ölbergspiels ist beim Sohn Gottes von Angst und Zweifel nichts mehr zu spüren. Voller Zuversicht nimmt er die Schuld der Welt auf sich.

Von Christian Missy
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