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Von Dickschädeln bis zum Chamäleon

Beilngries
erstellt am 11.03.2018 um 18:56 Uhr
aktualisiert am 15.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Beilngries (nur) Zu einem zünftigen Bockbierfest gehört natürlich auch eine Fastenpredigt. Da es in Beilngries eine "Mama Bavaria" (noch) nicht gibt, oblag diese Aufgabe Alois Vieracker, dem Leiter des Männergesangvereins.
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Er erzählte dabei mehr als er predigte; letztlich beinhaltete sein Auftritt eine Rückschau auf Ereignisse des vergangenen Jahres in der Altmühlstadt. Zunächst zeigte sich der Redner erstaunt darüber, den ansonsten omnipräsenten Bezirksrat Reinhard Eichiner (CSU) nicht in der Bühlerhalle zu sehen. Zu Stammgästen in der nördlichsten Stadt Oberbayerns zählen Vieracker zufolge mittlerweile auch Archäologen. Davon könnten etliche Bauherren spätestens nach dem Erdaushub ein Lied singen.

Beim Vortrag ging es auch um Besonderheiten der Jugendsprache. Deren Ausdrucksweise erscheine gar manchem Erwachsenen als "strange". Ferner erwähnte Vieracker einen im vergangenen Dezember ausgerechnet vor dem Eingang zum Rathaus errichteten Pferch für Schafe. "Was wollte uns der städtische Bauhof damit sagen", fragte sich der Mann auf der Bühne.

Wie er ebenfalls berichtete, sei es bei den jüngsten Bürgerversammlungen in der Großgemeinde Beilngries "sensationell ruhig" zugegangen. Dabei habe man auch erfahren können, dass es sich beim Ortsteil Kevenhüll um "den sichersten Ort auf der Welt" handle. Dies sei ja wohl darauf zurückzuführen, dass vor Ort eine Art Mafiaboss Don Corleone alle Fäden in der Hand habe, nämlich der Ortsgeistliche, Pater Godehard vom Kloster Plankstetten.

Bei der Ansprache wurde zudem deutlich, wie wichtig gutes Hörvermögen ist. Sonst könnte aus dem Begriff "Hörakustiker" sehr schnell ein "unser Bürgermeister ist ein Lustiger" werden. Nicht unbedingt lustig, so Vieracker, sei es in jüngster Vergangenheit bei Sitzungen des Beilngrieser Stadtrats zugegangen. Deshalb habe er sich überlegt, den Protagonisten Attribute aus dem Theater- und Filmbereich zuzuordnen.

Für Jochen Maurer (CSU) und Manfred Thoma (PB/BL-FW) passe wohl die Bezeichnung "Die zwei Dickschädel". Zu den Lehrern Benjamin Schneider (PB/BL-FW) und Rüdiger Stein (SPD) fiel Vieracker der Begriff "zwei sonderbare Heilige" ein. Etwas kryptisch umschrieb er seine Einschätzung der drei im Magistrat vertretenen Damen. Diesbezügliche Äußerungen legten Assoziationen zu einem größeren Tier, um das es bei einem Schauspiel in Furth im Wald geht, nahe.

Sehe man Roland Bachhuber und Vizebürgermeister Anton Grad (beide CSU) nebeneinander, seien Ähnlichkeiten mit Bud Spencer und Terence Hill unverkennbar und Helmut Schloderer könne man ob seines Wechsels von der SPD zu den Freien Wählern wohl als "Chamäleon des Stadtrats" bezeichnen, so Vieracker. Einen Gesinnungswandel stellte der Redner auch bei Stadtrat Ulrich Zucker (CSU) fest. Dieser habe vor kurzem geheiratet und damit sein bisher geltendes Motto "vor 40 nicht und nach 40 nicht mehr" aufgegeben.

Dass der bevorstehende Spatenstich für die Umgehungsstraße auf einen Freitag gelegt worden sei, war für Vieracker naheliegend. "Dann können die Festgäste nachher lange genug bleiben", meinte er.

Außerdem verriet der Kenner bislang Geheimes im Zusammenhang mit der jüngsten Probe des Volksfestbiers. Der im vergangenen Jahr vollzogene Wechsel der Brauerei habe die Mitglieder des Festausschusses im Stadtrat bei der Verkostung offensichtlich derart berauscht, dass sie sich zu vorgerückter Stunde wiederholt gegenseitig die rhetorische Frage gestellt hätten: "Hob'n ma des net guad g'macht".

Von Hans Nusko
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