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Mehr Unfälle als je zuvor: Verkehrsstatistik weist eine ganze Reihe von negativen Rekorden aus

Ein schwarzes Jahr auf den Straßen

Beilngries
erstellt am 09.03.2017 um 18:44 Uhr
aktualisiert am 13.03.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Beilngries (DK) Die Beilngrieser Polizei vermeldet einen unerfreulichen Rekord. Im vergangenen Jahr sind im Zuständigkeitsbereich so viele Verkehrsunfälle passiert wie nie zuvor. Die Gesamtzahl stieg im Vergleich zum Jahr 2015 von 1039 auf 1076. Ein Motorradfahrer verlor sein Leben.
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Beilngries: Ein schwarzes Jahr auf den Straßen
Die Verkehrsstatistik für das Jahr 2016 hat der Beilngrieser Polizeichef Maximilian Brunner (rechts) vorgestellt. Christian Bauer stellte die Zahlen der Wasserschutzpolizei vor (Bericht folgt).
Beilngries

Es sind vor allem die Raser, die Maximilian Brunner Sorgen bereiten. Seit 1. Januar steht er der Beilngrieser Polizeidienststelle vor. Die erste Verkehrsstatistik, die er gestern in dieser Funktion vorstellte, fiel alles andere als erfreulich aus. Im Jahr 2016 wurde die Beilngrieser Polizei in ihrem Zuständigkeitsbereich zu 1076 Unfällen gerufen. Das sind 37 mehr als noch im Vorjahr. Bereits da hatte man einen neuen Negativrekord erreicht - und erstmals die 1000er-Marke geknackt. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 passierten im gleichen Gebiet nur 801 Unfälle.

Der Hauptgrund für diesen starken Anstieg liegt für Brunner im gleichzeitig erfolgten Bevölkerungswachstum in der Region. Mehr Einwohner, mehr Autos auf der Straße - und in der Folge auch mehr Unfälle. Diese Verbindung ist für Brunner offensichtlich. Besonders problematisch wird die Situation in seinen Augen dadurch, dass auf den Straßen nach wie vor zu viel gerast wird. Dieser subjektive Eindruck, der oftmals bei Bürgerversammlungen geäußert wird, finde auch in den vorliegenden Zahlen Ausdruck. Hatte es vor zwei Jahren noch 39 Unfälle aufgrund erhöhter Geschwindigkeit gegeben, waren es im Vorjahr schon 66. Im Jahr 2016 gab es dann nochmal einen deutlichen Anstieg auf jetzt 83 Unfälle, bei denen das Rasen die Hauptursache war.

Das wirke sich auch bei den Wildunfällen aus, so der Polizeichef. Diese sind zwar von 576 auf 517 zurückgegangen. Sie machen aber nach wie vor etwa die Hälfte aller Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich aus. Und sie passieren - da schließt sich wieder der Kreis - laut Brunner nicht zuletzt deshalb, weil die Autofahrer auf den Landstraßen zu schnell unterwegs sind. Vor allem in der Zeit zwischen 5 und 7 Uhr sowie von 21 Uhr bis Mitternacht müsse man als Autofahrer eigentlich immer damit rechnen, dass jederzeit ein Wildtier auf die Straße springen könnte - hauptsächlich natürlich in den vielen Waldgebieten, durch die die Straßen in der Region führen.

Negative Rekordzahlen musste der Polizeichef auch bei den verletzten Unfallopfern vermelden. Nachdem diese Zahl zuletzt zurückgegangen war, ist sie nun wieder von 148 Verletzten auf 223 hochgeschnellt. Ein 51-jähriger Motorradfahrer verunglückte bei Altmannstein tödlich. Bei der Anzahl der Verletzten und der Todesopfer könne man allerdings keine Gründe für Schwankungen zwischen den Jahren nennen, so Brunner. Hier spiele häufig auch der Zufall eine Rolle, wo genau die tragischen Unfälle passieren.

"Sorgen bereiten uns auch die Alkoholunfälle", teilte der Polizeichef weiterhin mit. Hier fällt der Vergleich mit den Vorjahren besonders erschreckend aus. 2015 waren zehn Unfallbeteiligte alkoholisiert, ein Jahr später nur acht - und diesmal gleich 21. "Das mag man gar nicht in Prozentzahlen ausdrücken", so Brunner gegenüber unserer Zeitung. In der Tat: Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der alkoholisierten Unfallbeteiligten fast verdreifacht.

Wer hier vor allem die jungen Fahranfänger in Verdacht hat, liegt falsch. Nur zwei Unfallbeteiligte, die Alkohol im Blut hatten, waren jünger als 25 Jahre. Die Gruppe der 16- bis 24-Jährigen war allerdings - wenn auch ohne Alkohol - doch wieder an deutlich mehr Unfällen beteiligt. In den beiden Vorjahren waren es in dieser Altersklasse jeweils rund 60 Unfallbeteiligte, diesmal gleich 92. Die Anzahl der Verletzten bei Unfällen, die von Fahranfängern verursacht wurden, stieg ebenfalls deutlich an: von 49 auf 90.

Deutliche Anstiege in die falsche Richtung musste die Polizei auch bei den Unfällen mit Radfahrern und Motorrädern verbuchen. Auch die Zahl der dabei Verletzten stieg jeweils deutlich an.

Die einzig positive Nachricht gibt es in Sachen Schulwegunfälle. Hier ist glücklicherweise in der Statistik für 2016 kein einziger vermerkt. Das ist durchaus erstaunlich, zumal beispielsweise die Situation am Schulzentrum in der Beilngrieser Sandsiedlung gerne als "kontrolliertes Chaos" bezeichnet wird.

Diese erfreuliche Zahl kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verkehrsbilanz der Dienststelle für das Jahr 2016 ein düsteres Bild von den Zuständen auf den Straßen in der Region zeichnet. Für die Polizei ist die Schlussfolgerung laut Brunner klar. "Eine entsprechende Steigerung der Verkehrsüberwachung" sei angeraten, so steht es in der schriftlichen Ausarbeitung der Statistik. Konkret heißt das: Die Verkehrsteilnehmer müssen sich auf viele Blitzer an den Straßen einstellen. Untätig war die Polizei auf diesem Gebiet im Vorjahr aber sowieso nicht. Im Bereich der Beilngrieser Inspektion wurde 263-mal das Tempo gemessen - fast 50-mal öfter als im Jahr 2015. Dabei waren 1787 Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs.

Von Fabian Rieger
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