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Als das Western-Fieber in der Region grassierte

Wolfsbuch
erstellt am 07.11.2018 um 17:53 Uhr
aktualisiert am 11.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Wolfsbuch (DK) Auch ein Winnetou-Bär findet sich in Anton Patzelts Sammlung .
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Acht Indianer und ein Cowboy: Das Foto aus dem Jahr 1968 zeigt die Wolfsbucher Westernhelden Hans Geier (von links), Max Hofmann, Hans Pickl, Max Hackner, Anton Patzelt, Max Wittmann, Josef Widmann und Hans Wolfsmüller und Gerhard Langecker aus Vogelthal.
Acht Indianer und ein Cowboy: Das Foto aus dem Jahr 1968 zeigt die Wolfsbucher Westernhelden Hans Geier (von links), Max Hofmann, Hans Pickl, Max Hackner, Anton Patzelt, Max Wittmann, Josef Widmann und Hans Wolfsmüller und Gerhard Langecker aus Vogelthal.
Patzelt (Repro)
Wolfsbuch
Das ist kein Zufall - der Wolfsbucher ist schon sein ganzes Leben lang leidenschaftlicher Winnetou-Fan. Und da nun genau 50 Jahre vergangen sind, seit mit "Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten" der letzte Karl-May-Film über die Kino-Leinwand lief, erinnert er sich für unsere Zeitung zurück an diese aufregende Zeit.

In den Sommer- und Herbstmonaten des Jahres 1968 versammelten sich noch einmal einige Hauptdarsteller des ersten Films "Der Schatz im Silbersee" zu einer letzten Produktion. Pierre Brice schlüpfte in die Rolle des edlen Apachenhäuptlings Winnetou, Lex Barker spielte zum letzten Mal seine Paraderolle als Old Shatterhand und zum letzten Mal erklang auch die markante Musik von Martin Böttcher, welche die Filme sechs Jahre lang begleitet hatte. Gedreht wurde im Nationalpark Paklenica in Bosnien-Herzegowina an der Grenze zu Kroatien. Ab dem ersten, im Jahr 1962 gedrehten Film "Der Schatz im Silbersee" war nicht nur in den Städten, sondern auch in den Dörfern unserer Gegend das Winnetou-Fieber ausgebrochen. Plötzlich wollten vor allem die Jungen ihrem großen Vorbild, dem Apachenhäuptling, nacheifern, in seine Rolle schlüpfen und sich mit seinen Adlerfedern schmücken. In Beilngries war es das Kino "Wodansburg", das die Westernhelden auf die Leinwand brachte.

Die Mädchen identifizierten sich oft mit Winnetous bildhübscher Schwester Nscho-tschi oder der feschen Ribanna, die im zweiten Teil der Winnetou-Trilogie ihre Liebe zum Apachenhäuptling dem Frieden opferte und Leutnant Merril heiratete. Aber auch das Halbblut Apanatschi, im Film gespielt von Uschi Glas, war durchaus eine Rolle, die Mädchen gefiel. Marie Versini hatte sich mit ihrer Rolle als Winnetous Schwester in die Herzen der Kinobesucher geschmeichelt. "Ihre männlichen und weiblichen Verehrer halten sich die Waage", hieß es in der Jugendzeitschrift Bravo in den 1960-er Jahren.

Patzelt erinnert sich noch gerne zurück an seine Kindheit. "Ich war gerade mal acht Jahre, als mich und meine Freunde das Winnetou-Fieber gepackt hat", erzählt der Wolfsbucher. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass mit dem "Schatz im Silbersee" ein Karl-May-Film riesige Erfolge feierte und mit "Winnetou I" 1963 ein weiterer folgen sollte. In den Städten wie München oder Ingolstadt war er längst angelaufen und die riesigen Kinoplakate mit dem edlen Apachenhäuptling und seinem Freund Old Shatterhand beeindruckten vor allem die Jungen. "Bis der erste Teil der Winnetou-Trilogie allerdings nach Beilngries in das damalige Kino Wodansburg kam, dauerte es aber noch einige Zeit. Immer wieder schlugen wir den DONAUKURIER auf und warteten auf die ersehnte Anzeige", erinnert sich Patzelt. Als es dann endlich soweit war, mussten erst einmal die Eltern vom Kinobesuch überzeugt werden. "Wir waren schließlich vier Buben und ein Vater fuhr uns nach Beilngries. Bei den folgenden Filmen wechselten sich die Väter dann ab. " An der Kasse gab es Programmheftchen zu kaufen, aber dafür reichte das Geld nicht. "Am Ende des Films starb Winnetous Schwester. Das war schon hart und ich und meine Freunde hassten lange Zeit den Schauspieler Mario Adorf. Schließlich hatte er als Santer drehbuchgerecht Nscho-tschi, was übersetzt Schöner Tag heißt, erschossen", so der Wolfsbucher. Patzelt kann sich sogar noch ganz genau an die Worte Winnetous am Ende des Films erinnern: "Für uns leuchtet Schöner Tag nicht mehr. Der Gott des Todes hat seine schwarzen Schwingen über Nscho-tschi gebreitet. "

Die Karl-May-Filme lösten im Dorf in den 1960-er Jahren einen wahren Westernboom aus. Besonders im Fasching wollte jeder ein Indianerhäuptling sein - am besten natürlich Winnetou. "Da wurden Silberbüchsen aus Holz gebastelt und mit golden glänzenden Polsternägeln verziert. Und in den Gürteln steckte natürlich der Tomahawk. " Man sammelte und tauschte Bildchen und klebte sie in entsprechende Alben. In einer großen Fernsehzeitschrift erschien eine Fortsetzungsreihe zu den Filmen. "Wir konnten den Donnerstag kaum noch erwarten, als der Postbote der Oma eines Freundes die Zeitschrift, die sie abonniert hatte, brachte", erinnert sich Patzelt zurück.

Auch der schrullige Sam Hawkens ist vielen noch im Gedächtnis. "Er wurde von Indianern skalpiert und trug deshalb eine lustige Perücke", so die Erinnerungen des Wolfsbuchers. Mit "Winnetou II", "Old Shatterhand" und "Winnetou III" folgten neue Karl-May-Filme - und das Winnetou-Fieber grassierte in vielen Gegenden, wie eben auch in Wolfsbuch, weiter.
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