Nach neuesten Erkenntnissen soll der frühere leitende Finanzdirektor des Bistums Eichstätt wohl doch nicht so unbedarft in finanziellen Dingen gewesen sein, wie es momentan dargestellt wird. Selbst mir als Laie müsste es auffallen, wenn Millionen Euro ins Ausland transferiert werden. Hat der Finanzdirektor dem Täter absolut freie Hand gelassen und die entsprechenden Unterlagen ohne Durchsicht unterschrieben? Dann ist seine Handlungsweise als grob fahrlässig zu werten. Ich und viele andere würden zum Regress herangezogen. Der Priester jedoch wird - wie in den oberen Etagen der Wirtschaft ebenfalls üblich - mit einer üppigen Pension in den Ruhestand geschickt.

Der Bischof als oberster Verantwortlicher betreibt eine zweifelhafte Transparenzpolitik. 2015 wurde der Fall bereits bekannt. Warum ging man erst jetzt an die Öffentlichkeit? Weil es sich nicht mehr länger verheimlichen ließ? Sind es wirklich nur die rund 50 Millionen Euro oder werden es noch mehr werden? Waren es nur diese krummen Geschäfte? Woher kam das Geld?

Der Bischof als oberster Verantwortlicher stellt sich als Opfer hin. Wenn, dann ist er Opfer seiner verfehlten Personalpolitik und Gutgläubigkeit geworden. Dann ist er in dieser Führungsposition fehl am Platz und sollte zurücktreten, um der katholischen Kirche wenigstens noch einen Rest von Glaubwürdigkeit zu erhalten. Warum muss die Kirche solche hohen Geldbeträge überhaupt anlegen? Muss sie so viele Rücklagen haben? Sollte nicht gerade sie bei Geldanlagen verstärkt ein Augenmerk auf ethische und christliche Werte legen? Dafür gibt es extra Banken und entsprechende Fonds. Wo hat das Bistum Eichstätt noch überall Gelder angelegt? In Aktienfonds, in denen auch Firmen sind, die Waffen herstellen? Finanziert das Bistum irgendwo indirekt Kriege mit? Wo ist die Transparenz? Die Kirche will auf dem Geldmarkt des 21. Jahrhunderts mitspielen, ist aber anscheinend noch nicht gerüstet dafür.

Die Stadt und die Kirchenverwaltung Greding im Landkreis Roth haben über ein halbes Jahr auf eine Antwort aus Eichstätt gewartet, ob sich die Diözese am Bau einer neuen Kinderkrippe beteiligen wird. Dann erst kam der abschlägige Bescheid. Wie bei vielen Projekten in den vergangenen zwei Jahren hat sich das Bistum finanziell verstärkt zurückgenommen. Weil man schon von dem Verlust wusste und bereits anfing - auf Kosten der Kirchengemeinden und Gläubigen - zu sparen? Ein falsches Zeichen! Warum muss die Kirche so viel Geld "gewinnbringend" anlegen? Wäre es nicht besser und gewinnbringender in der Jugendarbeit angelegt? Bei den Ministranten, den Jugendlichen, bei der Kolpingjugend, bei der Katholischen Landjugendbewegung? Sollte man damit nicht Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien mehr unterstützen, damit sie zum Beispiel auch einmal an Fahrten und Freizeiten teilnehmen können?

Wäre das Geld nicht besser angelegt in der Erwachsenenbildung, bei den sozial Engagierten, bei den Ehrenamtlichen? Könnte man damit nicht Vereine wie KAB, Kolping, Landvolk usw. besser unterstützen? Diese müssen sich oft mit sehr kleinlichen Abrechnungsweisen aus Eichstätt herumärgern. Wäre das Geld nicht besser angelegt für die vielen Gottes- und Pfarrhäuser, die von den Gemeinden renoviert und erhalten werden müssen - und das bei sinkender Katholikenzahl? Das Bistum übernimmt nur einen bestimmten der anfallenden Kosten. Den Rest müssen die Kirchengemeinden aufbringen, das heißt, sie müssen bei den Leuten betteln gehen. Wäre das Geld nicht besser angelegt in Frauenhäusern, Kinderheimen, Beratungsstellen, Altenheimen, Tagesstätten usw.? Für mehr Personal und bessere Bezahlung. Würden wir so nicht Zinsen zurückbekommen, die keine Bank der Welt, keine Geldanlage je aufbringen könnte? Diese Zinsen kämen direkt den Menschen zugute.

Bei der Caritas-Sammlung laufen sich Ehrenamtliche die Hacken ab für ein paar Euro, die Sternsinger ziehen bei Eiseskälte durch die Städte und Dörfer. Wen soll man da noch motivieren, mitzumachen?

Wir haben einen Priestermangel, und in Eichstätt sitzen so viele Priester in Verwaltungsfunktionen, haben Aufgaben, für die sie nicht ausgebildet sind. In den Pfarreien fehlen diese Priester. Wie würde Jesus reagieren, wenn er heute hierher käme? Würde er, wie damals im Tempel, dreinfahren, die Tische der Händler und Geldwechsler umstoßen und sie alle aus dem Haus seines Vaters vertreiben? Wenn heute jemand aufgrund dieses neuen Skandals über Kirchenaustritt spricht, führe ich keine Gegenargumente mehr an und bleibe still.

Hermine Lang

Greding