Zwei 24 und 26 Jahre alte Autofahrer rasen mit 170 Kilometern in der Stunde nachts über den Berliner Kurfürstendamm und töten einen unbeteiligten Menschen. Ihre lebenslange Haftstrafe wird in zweiter Instanz auf fünf Jahre reduziert. Gaffer machen bei Unfällen Fotos. Teilweise beleidigen oder behindern sie die Rettungskräfte, fotografieren die Toten oder Verletzten, dafür sollen sie in Zukunft bis zu zwei Jahre Haft erhalten können.

Warum habe ich das Gefühl, dass es nur noch um Täterschutz und Verständnis für die Leute geht, die völlig stumpf, egozentrisch, empathie- und gefühllos durch ihr Leben wanken und tun, wozu sie gerade Lust haben? Warum verschwendet die Justiz gefühlt keinen Gedanken an die Opfer, an die Familien? Wir brauchen angemessene Strafen für Menschen, die sich in einer Gesellschaft bewegen und wissen müssen, dass man sich nicht nur an Regeln zu halten hat, damit eben diese funktioniert. Zum Beispiel 50 Stundenkilometer in der Stadt zu fahren oder ein Bewusststein dafür zu haben, dass man mit PS-starken Fahrzeugen in bestimmten Situationen einfach nicht mehr reagieren kann, wenn in der Stadt "plötzlich" ein anderer Mensch auftaucht. Zu Fuß, auf dem Fahrrad oder in einem anderen Auto, Kinder, alte oder behinderte Menschen oder einfach Menschen, die sich an Regeln im Straßenverkehr halten.

Was geht in den ignoranten Köpfen solcher Täter vor? Wenn sich jemand in seinem Leben langweilt und diese Langweile nur durch den Thrill ausmerzen kann, sich daran zu ergötzen, andere beim Leiden oder Sterben zu filmen, oder in purem Adrenalin- und Testosteronrausch durch sein Leben fliegt und den Tod anderer Menschen in Kauf nimmt, bin ich fassungslos und tieftraurig. Jeder, der Fahrzeuge bewegt, muss wissen, dass sie tödlich sein können. Wenn schon kein Gefühl dafür vorhanden ist, lernt man das in der Fahrschule. Liebe Justitia, vergiss bitte die ausgleichende Gerechtigkeit nicht. Die Gesellschaft versteht dich sonst nicht mehr.

Ninja Winter

Ingolstadt