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12.12.2011 18:37 Uhr | x gelesen
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Die Freude am Leben wiederfinden


Bild: Die Freude am Leben wiederfinden. Eichstätt Eichstätt (EK) Auf einen Schlag sind beide Eltern tot. Verkehrsunfall. Zurück bleiben völlig fassungslose Teenager. Und jetzt? Der ambulante Hospiz- und Palliativdienst der Malteser in Eichstätt gründet für trauernde Jugendliche derzeit eine neue, eigene Gruppe.

Eichstätt (EK) Auf einen Schlag sind beide Eltern tot. Verkehrsunfall. Zurück bleiben völlig fassungslose Teenager. Und jetzt? Der ambulante Hospiz- und Palliativdienst der Malteser in Eichstätt gründet für trauernde Jugendliche derzeit eine neue, eigene Gruppe.

Eichstätt: Die Freude am Leben wiederfinden
Die Leiterin der Hospizhilfe, Irene Stiegler (Mitte), und die ehrenamtlichen Gruppenleiter Cordula Straub, Markus Strasser, Claudia Süß und Annika Franzetti (von links) freuen sich über die neuen Räume im Heilig-Geist-Spital. - Foto: chl
Eichstätt
„Jugendliche, gerade Buben, verfallen oft in eine totale Schockstarre, da spürt man sich selber überhaupt nicht mehr“, erzählt der Heilerziehungspfleger Markus Strasser, der die neue Gruppe ehrenamtlich zusammen mit Cordula Straub gerade aufbaut. Strasser (33) weiß, wovon er spricht: Er war 14 Jahre alt, als seine Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen. Er und sein Bruder blieben zurück mit dem elterlichen Bauernhof in Demling (Gemeinde Großmehring) und einem Onkel, der den Buben half, den Hof zu übernehmen. Das Organisatorische funktionierte gut, doch das Seelische, die Trauerarbeit, kam viel zu kurz. „Man traut sich gar nicht mehr durchzuatmen“, erinnert sich Strasser an seine Jugendzeit. Die Trauerarbeit konnte er erst viel später bewältigen. „Es ist wirklich ein grandioses Gefühl, wenn man sich selber wieder spüren kann, wenn die Freude am Leben wiederkommt.“

Die Chance auf dieses Gefühl will Strasser nun zusammen mit Straub und unter Federführung der hauptamtlichen Leiterin der Hospizhilfe, Irene Stiegler, Jugendlichen in der neuen Trauergruppe vermitteln.

Die Eichstätter Hospizhilfe hat sich gerade durch die Professionalität, mit der auch ihre Ehrenamtlichen aus- und weitergebildet werden, diözesanweit und darüber hinaus einen hervorragenden Ruf erworben. Denn Sterbebegleiter und Trauergruppenleiter arbeiten auf einer wissenschaftlich fundierten Grundlage. Die meisten Ehrenamtlichen sind Frauen. Deshalb freut es Stiegler besonders, dass für die neue Jugendgruppe jetzt auch ein Mann gewonnen werden konnte.

„Jungs ticken oft anders, die machen erstmal komplett zu“, erzählt Markus Strasser. Wenn da etwa die Mutter an Krebs stirbt, bleibt der Bub mit einem ebenfalls verstörten und verschlossenen Vater zurück – beide sprachlos, beide haltlos. „Ich glaube schon, dass ich da ein guter Vermittler sein kann, um trauernde Jugendliche wieder in die Lebendigkeit zurückzuführen.“

Strasser und Straub setzen dabei ganz bewusst nicht nur auf Gespräch, sondern auch auf Bewegung, gemeinsames Erleben, Spiel und Sport, aber auch auf Entspannung. Als Ort wird der Jugendgruppe dafür Strassers Hof in Demling zur Verfügung stehen, den er inzwischen zu einer Lernwerkstatt für heilpädagogische Angebote umgebaut hat. Die Treffen und Veranstaltungen sollen bewusst nicht öffentlich sein, denn es geht auch um einen Schutzraum für die Jugendlichen.

Erste Ansprechpartnerin ist Irene Stiegler, Telefon (0 84 21) 98 07-0. Nach den ersten Gesprächen soll sich dann die Gruppe selbst zusammenfinden und miteinander alltägliche Freuden wiederfinden. Die Teilnahme soll für die Jugendlichen kostenfrei sein, Ausgaben für die Gruppen werden durch Spenden finanziert.

 


Von Eva Chloupek

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