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Dichterlesung in der JVA

erstellt am 08.04.2010 um 18:43 Uhr
aktualisiert am 27.04.2010 um 15:37 Uhr | x gelesen
Ein ungewöhnliches Zusammentreffen sorgte kürzlich für Abwechslung im Jugendgefängnis Neuburg-Herrenwörth. In der Schulabteilung bekamen die zehn 17- bis 21-jährigen Teilnehmer des Hauptschulkurses Besuch: Um an der Dichterlesung des in Indien geborenen deutschsprachigen Schriftstellers Anant Kumar teilzunehmen, kam Wolfgang Hagl, Leiter des Leistungskurses Deutsch (K 12) des Descartes-Gymnasiums Neuburg, mit seinen zwölf Schülerinnen und einem Schüler in die Justizvollzugsanstalt (JVA).
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: Dichterlesung in der JVA
Mit viel Temperament las der Schriftsteller Anant Kumar seine Geschichten vor. - Foto: Kapaun
Der seit 1991 in Deutschland lebende Schriftsteller war nun schon das zweite Mal in der JVA Neuburg-Herrenwörth. Er las kurze Texte aus seinen Werken vor, darunter Satiren, Erzählungen und Grotesken. Die Leidenschaft, mit der Kumar seine Geschichten vorlas, zog sofort alle in seinen Bann. Seine lebendige Art, Mimik und Gestik waren ein Beweis dafür, wie sehr er in seine Arbeit verliebt ist. Er erzählte von genau beobachtetem Alltäglichen, von Emotionen im menschlichem Zusammenleben und thematisierte auch Autobiografisches.

Alles in allem dauerte dieses Zusammentreffen dreieinhalb Stunden. Nach der Dichterlesung gaben drei Insassen der JVA noch eine "Zugabe" und lasen jeweils etwas Selbstverfasstes vor, während die übrigen Teilnehmer (Anant Kumar, insgesamt vier Lehrer, zwei Vertreter der Anstaltsleitung, die Teilnehmer des Hauptschulkurses und die Gäste aus dem Gymnasium) bei Kaffee und Kuchen zuhörten. Später war dann noch Zeit für einen kleinen Austausch unter den Schülern.

Jedenfalls war für mich als Kursteilnehmer und Insasse der JVA dieses Treffen sehr erfolgreich und wieder ein Zeichen dafür, dass nicht alle im Gefängnis Lebenden dafür keinen Sinn haben.

Martin J., JVA Neuburg-Herrenwörth

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