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01.07.2008 21:14 Uhr | x gelesen
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"Ich kann die Empörung gut verstehen"


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Ingolstadt (DK) Bis zum Frühjahr war der Grünen-Politiker Sepp Daxenberger noch Bürgermeister von Waging. Nun führt er seine Partei als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf. Dabei macht ihm der "unglückselige" Kruzifix-Beschluss zum Verbot religiöser Symbole in Schulen zu schaffen. Daxenberger will ihn revidieren lassen, verriet er im Redaktionsgespräch mit dem DONAUKURIER.


Sepp Daxenberger
Sepp Daxenberger beim DK-Redaktionsgespräch.
Fahn

Herr Daxenberger, werden wir in Bayern auch nach der Landtagswahl von der CSU regiert?

Sepp Daxenberger: Ich hoffe nicht. Jedenfalls ist der Wahlkampf spannend wie selten. Bisher ging es eigentlich immer nur um die Frage, wie groß die absolute Mehrheit der CSU ausfällt. Diesmal geht es wirklich um die Machtfrage. Ich kann mich an keine Krise der CSU erinnern, die so lang und so nachhaltig war wie jetzt – sowohl was das Führungspersonal als auch was die Zahl der politischen Fehler angeht. Deshalb glaube ich nicht, dass die CSU die 50 Prozent schafft. Und wenn es für sie alleine nicht mehr reicht, wird sie sich auf die Suche nach einem Regierungspartner machen.

Können Sie sich ein schwarz-grünes Bündnis vorstellen?

Daxenberger: Ich bin keiner, der dazu "niemals nie" sagt. Auf kommunaler Ebene funktioniert das. Und ich freue mich auch über das Bündnis von CDU und Grünen in Hamburg. Aber in Bayern ist der Weg dahin noch sehr, sehr weit. Für diese Wahl kann ich das ausschließen. Die Frage stellt sich auch deshalb nicht, weil sich andere billiger als Koalitionspartner der CSU hergeben würden – zum Beispiel die FDP.

Sie glauben nicht, dass das von SPD-Fraktionschef Franz Maget angepeilte "Regenbogenbündnis" eine Chance hat?

Daxenberger: Wenn die Linke in den Landtag kommt, klappt das sicher nicht. Sonst halte ich es schon für möglich, auch wenn ein solches Bündnis bestimmt nicht besonders erotisch wäre. Aber jede andere Komibination ist besser, als die CSU weiter regieren zu lassen. Die müssen endlich in die Opposition.

Das ist bisher das Metier ihrer Partei im Landtag...

Daxenberger: Für mich ist Opposition nicht das Höchste. Ich bin einer, der gerne mitgestaltet. Aber zunächst einmal kommt es uns auf ein gutes Wahlergebnis an. Alles im zweistelligen Bereich wäre ein Erfolg.

Haben Sie sich da mit dem jüngsten Kruzifix-Beschluss nicht selbst ein Bein gestellt?

Daxenberger: Für den Wahlkampf war diese unglückselige Geschichte sicher nicht hilfreich. Aber ich will auch klar sagen, dass es sich eigentlich um einen Kopftuch-Beschluss gehandelt hat.

Wollen Sie behaupten, das Ganze war gar nicht so gemeint?

Daxenberger: Der Landesvorstand ist dafür, dass alle religiösen Symbole an Schulen erlaubt sind. Aber die Mehrheit der Delegierten beim Augsburger Parteitag vor drei Wochen wollte nicht, dass Lehrerinnen in Bayern Kopftuch tragen dürfen. Und aus Gründen der Gleichbehandlung wurde dann ins Wahlprogramm geschrieben, dass gar kein Lehrer religiöse Kleidung tragen soll. Aber dann kommt der verunglückte letzte Satz, den man auch als Forderung nach einem Kruzifix-Verbot verstehen kann.

Der Beschluss hat große Empörung ausgelöst ...

Daxenberger: Als gläubiger Christ kann ich das gut verstehen. Ich setze mich deshalb dafür ein, dass wir den Beschluss revidieren. Ich würde das lieber heute als morgen diskutieren – aber deswegen können wir keinen Sonderparteitag einberufen. Also müssen wir damit bis zur nächsten regulären Landesversammlung im Oktober warten.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Sie waren schwer krank. Gefährden Sie durch den Stress im Wahlkampf nicht Ihre Gesundheit?

Daxenberger: Meine Krebserkrankung ist gestoppt, aber nicht geheilt. Doch ich fühle mich derzeit ganz gut. Was den Wahlkampf-Stress angeht, bekomme ich von den Ärzten keine klare Antwort. Also sehe ich das Ganze einfach als positiven Stress. Außerdem ist die politische Arbeit für mich auch eine Kampfansage an die Krankheit: Ich will mich nicht unterkriegen lassen. Und zum Ausgleich gibt es ja noch unseren Bauernhof in Waging: Wenn es geht, setze ich mich da selbst auf den Traktor – weil es Spaß macht und für die nötige Erdung sorgt.

Sepp Daxenberger eröffnet in Neuburg den Wahlkampf

 


Donaukurier

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