Um 1219 erstmals erwähnt

Der im Kern noch immer beschaulich wirkende Ort mit seinem Zwiebelkirchturm ist das älteste Audorf Ingolstadts. Sein Name ist von "Hundo" abzuleiten, was in vorchristlicher Zeit "der Erbeutete" hieß, schreibt Heimatforscher Hans Fegert in seinem vergangenes Frühjahr erschienenen Buch über die "Ingolstädter Ortsteile". Erste urkundliche Erwähnungen finden sich um 1229 und 1279, als von der Ortschaft "Huntscelle" und "Huntzell" die Rede ist. 1416 waren es drei Anwesen mit fünf Bürgern, 1463 wurden bereits 21 Höfe gezählt. Damit war Hundszell nach Mailing und Unsernherrn aus steuerlicher Sicht der bedeutendste Ort aller Audörfer im Burgfrieden der Stadt Ingolstadt geworden.

Hundszell - Marienkirche
Noch immer idyllisch gelegen, aber zunehmend von modernen Wohnhäusern eingekreist, präsentiert sich die 1914 eingeweihte Marienkirche von Hundszell.
Foto: Richter
Seine Geschichte war über Jahrhunderte von der Landwirtschaft geprägt. Das Dorf gehörte lange Zeit zur Gemeindeverwaltung Unsernherrn, bevor es 1962 nach einer Volksbefragung zur Stadt kam. Der letzte Bürgermeister hieß Hans Leitner, dessen Haus neben der Schule stand. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging Hundszell auf Wachstumskurs, Richtung Westen entstanden zahlreiche neue Häuser. Trotzdem blieben ursprüngliche Strukturen zunächst erhalten: "Fast jeder hat sich noch landwirtschaftlich betätigt", erzählt Walter Wagner, ein Hundszeller Original und selbst Zeit seines Lebens Bauer. "Die Leut’ haben für den Eigenbedarf geackert und oft auch eine Kuh oder Geiß im Stall gehabt." Er selber sei "der letzte Bauer im Ort gewesen, als er seinen Betrieb im Dezember 1992 aus gesundheitlichen Gründen aufgab, sagt der 63-Jährige. Wenn der "Blasibauer", so sein Hausname, heute weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, hat das immer noch mit seiner Hofstelle zu tun. Hier an der Probststraße, einen Steinwurf von der 1914 geweihten Marienkirche entfernt, befindet sich das Bauerngerätemuseum – ein Schmuckstück, wie es ohne Wagner wohl kaum in dieser Form zu realisieren gewesen wäre.

 

Bauernschlauer Vorsteher

Die alteingesessen Hundszeller haben schon immer gern angepackt, um nach dem Motto "mir san mir" ihre Eigenständigkeit zu beweisen. So fand der damalige Ortsvorsteher Josef Lechermann keine Ruhe, als Anfang 1900 der Bau einer Schule im Südwesten anstand. Bis dahin mussten die Haunwöhrer und Hundszeller Kinder täglich den Fußmarsch nach Unsernherrn auf sich nehmen, um den Unterricht zu besuchen. Der am weitesten von der Unsernherrner Kirche entfernte Ort sollte die neue Lernstätte bekommen, was Lechermann – wie in Fegerts Buch nachzulesen – mithilfe seines Fahrrades klärte. Hundszell sei genau 260 Radumdrehungen weiter weg als Haunwöhr, fand er heraus – und bekam den Zuschlag. Letztlich behielten die Nachbarn freilich doch die Oberhand: Das 1904 entstandene Gebäude ist heute eine Filiale der Haunwöhrer Grundschule.

Die Ortsfeuerwehr hatte sich schon 1892 von den Nachbarn abgenabelt. Ihre Hartnäckigkeit bewiesen die Hundszeller zuletzt 1996, als ein leitender Stadtmitarbeiter seine Beziehungen ausspielte und den Bau eines neuen Feuerwehrhauses beim Sportplatz g leich bei seinem Privatdomizil verhindern wollte. Der damalige Kommandant und mittlerweile verstorbene "Eff-Bauer" Josef Wagner errichtete es kurzerhand in Eigenregie auf seinem eigenem Grund. Und die Hundszeller haben wieder einen Treffpunkt, an dem es sich vorzüglich Kartenspielen und eine Halbe Bier trinken lässt. Denn neben dem Sportheim gibt es bis auf ein kleines Lokal keine Wirtschaft mehr im Ort. Alt-Hundszeller erinnern sich noch gerne an die Zeiten, als sie im Gasthaus Weidendorfer oder "Beim Wascht" eingekehrt sind.

Anonymer ist es geworden im Dorf, mit dem Wachstum ist eine Portion Gleichgültigkeit eingezogen. "Da kennst halt keinen mehr", bedauert der "Blasibauer". Oft steht der "Herr Museumsdirektor ", wie ihn manche aufziehe n, an seinem Hoftor und grüßt die Vorbeikommenden.

Immerhin gibt es noch Einkaufsmöglichkeiten im Ort. Monis Kramerladen etwa , wo die Leute nicht nur ihre Besorgungen erledigen, sondern auch mal zum Ratschen vorbeischauen. Hier war früher der "Schmidl-Bäck", von dessen Semmeln und Brot noch heute mancher Hundszeller träumt – nach alter Handwerkskunst gefertigte Ware .

Auch wenn viele Neubürgerinnen und Neubürger an der dörflichen Gemeinschaft nicht so interessiert scheinen – zum Feiern kommen sie doch immer wieder gerne. Das Angebot kann sich sehen lassen, ob Sommer- Feuerwehr-, Wein- oder Erntedankfest, von den vielen Veranstaltungen der Stadt im Bauerngerätemuseum ganz zu schweigen. Sie führen manchen Auswärtigen in den Südwesten.

Ein großes Ereignis ist Jahr für Jahr das traditionelle Maibaumaufstellen am Sportplatz an der "Kisse", einer mit Wasser gefüllten Kiesgrube neben dem Sportheim. Sie könnte ihren Namen auch aus einem Grund tragen: Seit Generationen schon ist sie Treffpunkt der Dorfjugend. Wie viele Hundszeller hier ihren ersten Kuss bekommen haben, bleibt ein Geheimnis – aber wenige sind es gewiss nicht.