Mittwoch, 19. Dezember 2018
 

 

14.05.2007 00:24 Uhr | x gelesen
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100. Senf dazu!


Bild: 100. Senf dazu!.  100 Mal Senf dazu, und jene reale Welt mit teils zweifelhaftem Realitätsgehalt ist ja durchaus eine Mixtur, die bisweilen einer Beigabe bedarf. Mal bedeckend, mal würzend, je nach Geschmack und Gemütslage. Doch nun ist die Zeit reif für andere Gerichte, Schluss mit Presssack!

100 Mal Senf dazu, und jene reale Welt mit teils zweifelhaftem Realitätsgehalt ist ja durchaus eine Mixtur, die bisweilen einer Beigabe bedarf. Mal bedeckend, mal würzend, je nach Geschmack und Gemütslage. Doch nun ist die Zeit reif für andere Gerichte, Schluss mit Presssack!


Roger Cicero s(w)ingt innig und beschwingt und Deutschland hätte besser eine trommelnde, dürre trommelnde Rapperin mit Trickkleid und Feuerspuckerfähigkeiten geschickt, die ungefähr Gülcan Milosewitsch geheißen hätte und eine multikulturelle Landsfrau mit Migrationshintergrund gewesen wäre.

Schalke, diesmal mit dem netten Herrn Slomka, war wieder einmal dran und hat sich dann doch entschieden den Titel „Meister der Herzen“ nicht gegen eine schnöde Schale einzutauschen.

Mark Medlock macht Bohlen weich und manche im Land neugierig darauf, ob aus einer Casting-Show doch Bleibendes entstehen kann.

In Bremen wird nach dem üblichen kurvenmäßigen Politaufundab wieder diskutiert und jongliert, bis am Ende eine Koalition entsteht, die in spätestens vier Jahren erneut hinterfragt werden wird.

Kurz: Deutschland bleibt lustig, weiß es aber noch immer nicht, wenn auch Leute wie Hildebrandt, Hüsch oder Harald Schmidt in den vergangenen Jahr(zehnt)en den Weg für Selbstironie geebnet haben. Leider kriegt das Land den schmalen Grat zwischen gesunder Selbstironie und vorauseilender Selbstaufgabe (für die es das schöne Fremdwort Appeasement gibt) nicht ganz hin, wo doch gerade das Gelingen dieses Drahtseilakts so wichtig wäre. Denn so lange das nicht klappt, läuft das Land weiterhin Gefahr mangels gesunder Distanz einerseits und fehlender Breitbrüstigkeit andererseits in die Wirdnix-Mentalität zurückzufallen, die nach der wunderbaren WM von einem zarten Pflänzchen nationaler Lebensfreude abgelöst worden war.

Das Töpfchen mit dem Pflänzchen steht noch auf tönernen Füßen. Grund genug, weiter an der kollektiven nationalen Lebensfreude zu arbeiten, anderem Denken den Boden zu bereiten, gemeinsame Codes auf der Basis gemeinsam erlebter Freude zu finden, überhaupt Freude an der Freude zu entdecken, mit Wonne nach vorn zu sehen und, wo es angemessen ist, hie und da auch seinen Senf dazu zu geben.

Der Presssack wünscht viel Spaß dabei und verabschiedet sich mit der 100. Folge der DK-Online-Kolumne. Allen treuen Lesern ein herzliches Dankeschön! Dankeschön auch für zahlreiche bestärkende Zuschriften und freundliche Reaktionen!

 

 


 

Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.
Kontakt: presssack@donaukurier.de



Von Mathias Petry

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