Sonntag, 16. Dezember 2018
 

 

03.06.2006 02:03 Uhr | x gelesen
    Drucken Text vergrößern


Bild: .  Das größte Sakrileg an der Verfilmung des Dan-Brown-Bestsellers „Sakrileg“ ist die Musik. Die ist derart elegisch, dass jegliche Suspense niedergegeigt wird. Wirklich: ein Sakrileg. 64. Sakrileg

Das größte Sakrileg an der Verfilmung des Dan-Brown-Bestsellers „Sakrileg“ ist die Musik. Die ist derart elegisch, dass jegliche Suspense niedergegeigt wird. Wirklich: ein Sakrileg.


Dabei ist doch Hans Zimmer die bundesdeutsche Vorzeigewunderwaffe in Hollywood. Was er aber diesmal abgeliefert hat, ist geradezu schamlos. Stundeslanges episches Gesäusel, das nicht einmal dazu geeignet ist, einen in den Wahnsinn zu treiben. Nein, es ist viel schlimmer: Das Gefiedel ist einschläfernd.

Was eine Dan-Brown-Verfilmung braucht, ist diese Prise Hitchcock, Suspense eben. Die kommt aber nicht, wenn hinten alles bedeutungsschwanger wabert. Dan Brown, das ist Agententhrill à la Robert Ludlum, nur mit Bischöfen statt Agenten. Das ist Räuberpistole mit Verschwörungstheorie. Da darf man nicht weinerlich stundenlang genau die Töne spielen, die einst in den Monumentalschinken immer dann aufbrausten, wenn die Wolken sich teilten und das Licht kam, das den lieben Gott symbolisieren soll. Die Jungs damals haben das prächtig hingekriegt. Hans Zimmer hat´s gründlichst versaut.

Dabei wäre „Sakrileg“ ein solche prima Film(musik)-Stoff. Die faszinierenden Gedanken, dass alles ganz anders gewesen sein könnte. Jesus und Maria ein Paar mit Töchterlein Sarah, die in Rennes Le Chateau bei Carcassonne in Südfrankreich groß geworden ist? Klingt doch prima familiär. Da ließe sich doch knackige Musik draus stricken. Und ob an der Geschichte was dran ist oder nicht, ist doch völlig egal – Hauptsache man beschäftigt sich wieder einmal mit Religion.

Hinterfragen hat der Kirche noch nie geschadet. Im Gegenteil. Die Herrschaften könnte locker noch ein oder zwei Dokumente aus dem Archiv einstreuen, um dem Affen richtig Zucker zu geben. Denn genau das ist es doch, was die Kirche bedeutend macht: dass man sich an ihr Reiben kann. Das Dämlichste, was sie tun könnte, wäre die Aufgabe des Zölibats. Solche Aufreger tun der Kirche gut. Jetzt noch ein Papyruschen, das die Liebesgeschichte von Jesus und Maria Magdalena anheizt – und der Gesprächsstoff für die nächsten 2000 Jahre ist gesichert. Wie sang einst Brians Freund im Film über dessen Leben? „Always look on the bright side of life!“ Genau. Und das geht prächtig ohne Hans Zimmers elegisches Gefiedel im H intergrund. Lass ma stecken, Hans. Besten Dank!


 


 

Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.
Kontakt: presssack@donaukurier.de



Von Mathias Petry

Drucken  Drucken Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Vorlesen  PDF speichern  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!