Sonntag, 16. Dezember 2018
 

 

12.05.2006 11:16 Uhr | x gelesen
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62. Die Wirdnix


Bild: 62. Die Wirdnix.  Inmitten des Abendlandes lebt das Volk der Wirdnix. Wenn die Menschen dort einen neuen Kanzler bekommen, sagen sie: Wirdnix. Wenn sie sich im Wettkampf messen wollen, sagen sie: Wirdnix. Ein lustiges Volk, diese Wirdnix.

Inmitten des Abendlandes lebt das Volk der Wirdnix. Wenn die Menschen dort einen neuen Kanzler bekommen, sagen sie: Wirdnix. Wenn sie sich im Wettkampf messen wollen, sagen sie: Wirdnix. Ein lustiges Volk, diese Wirdnix.


Die Wirdnix spielen gerne Fußball, und noch lieber schauen sie zu. Jetzt haben sie zwar die Weltmeisterschaft vor der Haustür, was sie davon halten, ist aber klar: Wirdnix.


Der neue Trainer der Fußballweltmeisterschaftsmannschaft ist ein netter Kerl. Er freut sich des Lebens und lacht deshalb gern. Die Menschen in seiner Heimat nehmen das skeptisch wahr. Ihr Urteil ist eindeutig: Wirdnix.

Überall in der Welt reden die Menschen beim Sport vom Heimvorteil. Im Land der Wirdnix auch, und die Zuversicht hat auch schon einen Namen: Wirdnix. Dabei haben die Wirdnix nicht aufgepasst, denn die Vorrunde sollte lösbar sein, und im Achtelfinale lauern die Engländer. Die aber sind derart überzeugt davon, dass am Ende sowieso immer die Wirdnix gewinnen, dass es genau so kommen wird. Die Engländer nennen das selffulfilling prophecy. Die Wirdnix brauchen für selffulfilling prophecys kein eigenen Wort, denn sie SIND die Verkörperung der selffulfilling prophecy.

Die Wirdnix dürfen alle paar Jahre wählen und bekommen dann einen neuen Kanzler. Lange Zeit war das ein großer, immer dicker werdender Mann, der immer wieder gewählt wurde, obwohl die meisten sagten: Wirdnix. Als dann seine Zeit doch gekommen war, bekam sein Nachfolger Vorschusslorbeeren der Sorte Wirdnix. Als der dann ging und Gasberater wurde, sagte so mancher: „Seht Ihr? Ich hab´s doch gleich gewusst. Ich hab schon damals gesagt: Das wirdnix!“ Wer so sprach, irrte zwar nicht im Ergebnis, aber in der Ursache: Das war nicht Rechthaben, sondern selffulfilling prophecy.

Dann bekamen die Wirdnix eine Kanzlerin. Freudig wurde die neue Hoffnungsträgerin willkommen geheißen: „Wirdnix!“ skandierten die Wirdnix. Als die neue Hoffnungsträgerin anfing sich die Haare zu frisieren, sagten die Wirdnix: „Wirdnix!“ Als sie anfing, die Probleme des Landes anzugehen, sagten sie: „Wirdnix!“

Jetzt kommt der Sommer. Was wohl die Wirdnix davon erwarten?


 


 

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Von Mathias Petry

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