Sonntag, 16. Dezember 2018
 

 

27.02.2006 22:31 Uhr | x gelesen
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54. Abgesang


Bild: 54. Abgesang.  Victoria ist eine Stilikone, so wie ihr Göttergatte Dave (hier in 2DTV). Die Ex-Sängerin und der Noch-Fußballstar zeigen uns Ahnungslosen, wo es langgeht. Das heißt, sie haben es uns gezeigt, bis die kurze metrosexuelle Phase wieder out war. Ein Nachruf.

Victoria ist eine Stilikone, so wie ihr Göttergatte Dave (hier in 2DTV). Die Ex-Sängerin und der Noch-Fußballstar zeigen uns Ahnungslosen, wo es langgeht. Das heißt, sie haben es uns gezeigt, bis die kurze metrosexuelle Phase wieder out war. Ein Nachruf.


Ein paar Monate lang durften wir Männer endlich lange Haare tragen, ohne den Satz „aber gepflegt müssen sie sein“. Das verstand sich von selbst, denn wir waren metrosexuell. Wir hatten plötzlich Gefühle, wir stanken nicht mehr nach Schweiß, sondern nach Moschus. Wir Männer durften sogar weinen, weil das plötzlich so unglaublich süß war, und das ist einer dieser Momente, wo es bedauerlich ist, dass Schreibe keine Sprachmelodie vermitteln kann. So unglaublich süß, das müssen Sie sich gejauchzt vorstellen, wie wenn das tumbe Highshool-Girl in einer TV-Serie ihrer besten Freundin erzählt, wie toll ihre Wimperntusche hält, selbst wenn ihr der Schweiß über die gebotoxte Stirn in die Augen rinnt, weil sie von der Shopping Mall bis zum Auto dreiundzwölfzig Meter laufen muss. So unglaublich süß.

Wir Männer hätten uns wahrscheinlich sogar schminken dürfen, ohne dass das jemand komisch gefunden hätte. Kajal und Maskara – Sehen Sie mir in die Augen, wundern Sie sich und dann tausche ich Ihren Auspuff aus. Natürlich. Warum nicht? Wie konnten wir jemals ohne aus dem Haus gehen? Und natürlich hätte uns Männern auch dieses French Dressing auf den Fingernägeln auch ganz toll gestanden, aber Entschuldigung, wir sind halt nicht ganz so schnell damit, tolle neue Trends zu erkennen. Ehe wir richtig wussten, dass wir uns hätten trauen dürfen, unsere weibliche Phase auszuleben, war die metrosexuelle Zeit auch schon wieder vorbei. Schade eigentlich. Oder neee, eigentlich nicht.

Die metrosexuelle Zeit ging vermutlich an dem Tag zu Ende, als Becks in Portugal den Elfer versemmelte. Da war´s vorbei mit Glanz und Lack. Plötzlich kam es wieder auf die wahren Dinge im Leben an. Wie langweilig. So blieb zwar das French Design, aber nur bei Frauen – und es ist längst kein Statussymbol mehr, sondern Normalzustand. In Schrobenhausen lebt übrigens die dritte der deutschen Meisterschaft im Frenchnageln. Auch das gibt es.

Geblieben sind auch die Beckhams. Aber nicht mehr als Stilikonen. Jetzt will man lieber wieder Joaquin Phoenix hören, wie er mit seiner tiefen Stimme Johnny Cash nachmacht, aber nicht mehr Becks Gesäusel. Und nicht jeder rennt los und kauft sich den Lederskianzug für 5100 Euro, mit dem Victoria über die Skipisten gehaselt ist. Warum auch? Sie sind noch da, und nie waren sie liebenswerter als in den zärtlichen Verhohnepiepelungen in 2DTV. Aber metrosexuell sind wir nicht mehr. Wir haben wieder Dreck unter den Fingernägeln. So, wie es sich gehört. Nach Schweiß stinken müssen wir deswegen dennoch nicht, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.


 


 

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Kontakt: presssack@donaukurier.de



Von Mathias Petry

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