Mittwoch, 19. Dezember 2018
 

 

14.01.2006 23:31 Uhr | x gelesen
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49. Hammer mäßig


Bild: 49. Hammer mäßig.  Vermutlich gibt es tatsächlich noch bessere Sänger als ihn. Wenn man kurz nachdenkt, fallen einem einige 100 ein. Und doch ist er auf seine Weise ein Held. Dieter Bohlen ist ein... ja – was eigentlich? Wahrscheinlich ist er tatsächlich ein Superstar.

Vermutlich gibt es tatsächlich noch bessere Sänger als ihn. Wenn man kurz nachdenkt, fallen einem einige 100 ein. Und doch ist er auf seine Weise ein Held. Dieter Bohlen ist ein... ja – was eigentlich? Wahrscheinlich ist er tatsächlich ein Superstar.


Er ist eine dieser Reizfiguren wie Lothar Matthäus oder Karl Moik. Diese Leute können was, aber Popularität kommt eben nicht immer von Können. Das hat Bohlen schmerzvoll erfahren müssen, und vielleicht deshalb ist die Karriere des Daniel Küblböck so nah mit seiner eigenen verwoben. Eines ist sicher: Dieter Bohlen ist obenauf, obwohl er immer wieder getreten wurde, und in der neuen Superstars-Staffel ist er derjenige, der dem gesamten Format Profil verleiht. Ob man ihn mag oder nicht: Er ist in der Show hammermäßig und nicht Hammer mäßig. Er ist der Superstar.

Man möchte es ja immer selbst nicht wirklich glauben, dass der Kastrat neben Nora Anders, dass der Blue-System-Röchler tatsächlich sympatisch rüberkommt. Was er sagt, hat Hand und Fuß. Er kommentiert die Leistungen der Kandidaten auf den Punkt, und das auch noch mit druckreifen Schlagzeilen. Nebenbei hat er für die Superstars einige seiner besten Melodien geschrieben. Wie ist das nur möglich?

Der Typ ist eben Profi. Er weiß genau, wie er einen Penisbruch einsetzen kann, um noch mehr Platten zu verkaufen. Das liegt nicht jedem, anderen, die in seiner Liga spielen wollen, fehlt dieser mut zur Peinlichkeit. Deshalb spielen sie dann doch nicht in dieser Liga.

Bohlen. Ein komischer Typ. Bemerkenswert war der folgende Dialog, der ziemlich genau so (wenn auch aus der Erinnerung zitiert) in Viva ausgestrahlt wurde. Wigald Boning besuchte den Meister des wiedererkennbaren Titels in Tötensen. Bohlen führte ihn in sein Zimmer mit den goldenen Schallplatten. „Und die hier habe ich gerade für 50 Millionen verkaufte Alben bekommen“, sagte Bohlen und lehnte sich auf ein hölzernes Ding, auf das die Platte gepappt war. Darauf Boning: „Wichsen Sie eigentlich noch?“ Das war der Moment, wahrscheinlich einer von ganz wenigen, in denen Bohlen beinahe die Fassung verloren hätte und für einen Moment aus der Rolle fiel. Dann aber war er wieder er und erinnerte sich daran, dass es seine Rolle ist, die Leute dadurch zu unterhalten, dass sie über ihn den Kopf schütteln. Und seine Platten kaufen.

Jeder weiß, dass er für seine Modern Talking Hits veräppelt wird. Dabei sind „Geronimos Cadillac“, „Brother Louie“ und „You´re my heart, you´re my soul” weit weniger ähnlich als die längst gewachsenen Klischees es vermuten lassen. Von wegen. Das sind schon richtig professionell gestrickte Ohrwürmer.

Was wirklich richtig schlecht ist, sind Bohlens Texte. Eine wahre Freude. „Take me tonight“, ließ er Alexander singen, und beide wussten nicht, was sie taten. Ein wirklich guter Tipp für langweilige, triste Abende: Rein ins Netz, Bohlen-Texte suchen und übersetzen. Sie werden es lieben! Das ist große Literatur! Ein gutes Thema für einen Vortrag, den Ehren-Doktor Marcel Reich-Ranitzki dringend anlässlich seines 90. in einer Universität dieses Landes halten sollte. Bitteschön mit einer Live-Übertragung auf RTL. Und Daniel Küblböck, der bis dahin schon Ende 20 sein wird, darf den Titelsong singen. Und bittebitte in Englisch, ja?


 


 

Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.



Von Mathias Petry

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