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16.12.2005 23:19 Uhr | x gelesen
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47. Ein Tusch: Traraaa!


Bild: 47. Ein Tusch: Traraaa!.  Zum ersten Presssack-Geburtstag eine kleine, interne Top-10. \n\nBitteschön:

Zum ersten Presssack-Geburtstag eine kleine, interne Top-10.
Bitteschön:


1. Zur Hochzeit von Prince Charles (Entgleisungen, 08.05.2005)
Dem Prinz Charles seine Rabenmama lässt ihren Lieblingssohn auch nicht im Weinkeller spielen wie er lustig ist. Eifersucht, nichts als Eifersucht, wo Söhnchen doch endlich die Frau heiraten will, die er mehr liebt als Mama – wer erinnert sich nicht an die lustigen Tonbandaufnahmen mit dem Tampon, die ein Samuel Beckett ("Das letzte Band") niemals hätte erfinden können. Die Quittung: Nix Schampus, sondern walisischer Sauerampfer zur Trauung. Da muss doch die Welt aus den Fugen geraten, oder?

2. Zu "Big Brother" und "Die Burg" (Und jetzt: der Bundestag, 08.02.05)
Islay ist eine wunderschöne schottische Insel. Beschaulich, grün im Sommer, etwas gedämpft im Winter. Hier entstehen die besten Single Malt Whiskeys der Welt. George Orwell schrieb hier anno 1948 seinen Zukunftsroman "1984". Er erzählte – nicht sehr gut gelaunt, dafür aber literarisch umso wertvoller – von Big Brother und den anderen. Wenn er gewusst hätte, was daraus später gemacht wurde, er hätte wahrscheinlich die Branche gewechselt.

3. Zum Kanaldeckelzuschweißen anlässlich des Bush-Besuchs (Kanaillen, 27.02.05)
Was mag George Dablju in diesen Tagen im Kopf herumgehen, wenn er über die kanaldeckelfreien Wiesen seiner Farm in Texas reitet, wenn er das hegt und pflegt, was einen Mann aus Texas ausmacht, die O-Beine nämlich?

4. Zur deutschen Klatscheritis (Parteitagspusteln, 27.12.04)
Das politische Maß aller Dinge lautet in diesen letzten Tagen des Jahres "ein Merkel". Ein Merkel ist die Einheit für politisches Gewicht. Beim Düsseldorfer Parteitag der CDU wurde ein Merkel neu definiert. Die anderen Parteien blieben in ihren Weihnachtssitzungen stets deutlich unter einem Merkel. Vermutlich, weil sich seit geraumer Zeit kaum noch jemand dafür interessiert, was bei Parteitagen inhaltlich vermittelt wird, beschäftigten sich Feinde, Erzfeinde und Parteifreunde, aber auch die versammelte Journaille neuerdings verschärft mit der Frage, wie lange die Mitglieder nach der Rede der Spitzenkräfte applaudieren. Seit Düsseldorf liegt die Norm für ein Merkel bei achteinhalb Minuten.

5. Zur Heimkehr der angeblich kaputten Columbia (gute PR, 10.08.05)
Jene ellenlange Reparatur der angeblich so gefährlichen überstehenden Fitzel von High-Tech-Material auf der Unterseite des Shuttles hatte gewisse PR-Qualität. Und als der Astronaut geradezu lächerlich spielerisch den komischen Pappendeckel zwischen den blöden Kacheln hevorzog, verspielte die Nasa die mühsam aufgebaute weltweite Spannung von einer Sekunde auf die andere.

6. Zu "Sex and the city" (Big bleibt Big, 27.01.05)
Ach ja, der tolle Mr Big (Geigen bitte). Da kam auch Sabine von Zeit zu Zeit ins Schwärmen, selbst dann, wenn Mr Big (und wieder...) plötzlich in einem ganz anderen Film auftauchte und plötzlich Marc Aurel war oder Tom Hanks in "Cast Away" die Frau ausspannte. Oder Onkel Jack im "Glashaus". Mr Big (Geigen!!!), der Schwarm aller jungen, selbstbewussten, starken, modernen Frauen. Sabine wüsste einiges mehr dazu zu erzählen, und ihre Freundinnen auch. Übrigens. Mr Big (jetzt: Weißer-Hai-Geigen) ist am 13. November 50 Jahre alt geworden (bitte entschuldigen Sie, falls Sie ein fieses Grinsen des deutlich jüngeren Verfassers dieser Zeilen erahnen sollten).

7. Zu Johannes B. Kerner (Schöner weinen, 15.02.05)
Verona Pooth, frühere Bohlen, frühere Feldbusch war die bisher flüssigste. Tränenreich erzählte sie in der Johannes B. Kerner-Show von den Schattentagen ihrer Ehe mit dem Mega-Komponisten Diedää – und die Fernsehzuschauer lachten mit. Sie muss vorher lange geübt haben, denn sie hatte keinen Spiegel in der Hand, mit dem sie ihre Gestik hätte kontrollieren können. Und sie sah immer gut aus! Kein Wunder. Beim weichen Kerner weint sich´s schöner. Und seit die Blub-Frau so schön im Fernsehstudio naddelte, wollten andere das auch. Wobei die Tränen des Altkanzlers sicherlich echt waren. Aber Michelle! Der Herr Hoyzer hat zwar nicht, aber er hätte bestimmt gerne... Und es gäbe noch ganz andere Leute in Deutschland, die mal zum Schöner-Weinen bei Kerner gehen sollten.

8. Zum Frühlingsbeginn (Grün!, 17.03.05)
Grün sind die Socken des Stadtgärtners, der die Blumentröge auf Vordermann bringt. Grün ist das Uhrarmband des Chefs, der ab heute wieder kurzärmlige Hemden trägt. Grün ist der Geldschein, mit dem die Familienrechnung im Biergarten beglichen wird.

9. Zu Ostern (Sakrileg, 23.03.05)
Noch ein Sakrileg ist das Fernsehprogramm zu Ostern! Am Karfreitag läuft eine Komödie nach der anderen. Früher, als es nur ARD und ZDF gab, da war der Karfreitag getragen, da war die Tagesschau das Lustigste vom Tage, und die war schon damals eine langweilige Aneinanderhäufung von Katastrophen in drögem Deutsch. Früher, da hatte man am Karfreitag nichts zu lachen, außer man hatte einen Videorekorder und eine Kopie von "Das Leben des Brian" (das ist der Film, wo alle am Ende gekreuzigt werden und "Always look on the bright side of life" singen).

10. Zu Harald Schmidts Rückkehr auf den Bildschirm (Weihnachtsmann Harald, 23.12.04)
Er hat ja so Recht: Es muss aufwärts gehen mit Deutschland, und das funktioniert am besten, indem man die Menschen glauben lässt, dass es bereits aufwärts gegangen ist. Keiner beherrscht den zweihirnhälftigen Doppeldenker wie Harald Schmidt. Jeden Euphemismus kleidet er in sehnsüchtige Wunschdenke und karikiert ihn noch in der Sekunde, in der er ihn als die einzige Wahrheit bewiesen hat.


 


 

Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.





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