Dienstag, 18. Dezember 2018
 

 

07.11.2005 21:56 Uhr | x gelesen
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42. Nationalheld


Bild: 42. Nationalheld.  Früher hat er sich in der Gesellschaft von Nationalhelden bewegt, heute ist er selber einer: Der beliebteste Moderator des Landes. Der Mann, der ein Fußballspiel 90 Minuten lang kommentiert, das gar nicht stattfindet, weil das Tor umgefallen ist. Der Mann, der Skispringen salonfähig gemacht hat, auch nachdem mittels Computereinsatz genau das weggefallen ist, was das Spannendste daran war: das Schätzen der Weite. Der Mann, dem man sogar verzeiht, wenn Menschen für die SKL überdimensionale Bälle durch eine umgebaute Turnhalle kegeln. Der Mann schließlich, der glaubt, noch immer Bodenhaftung zu haben, obwohl es da allmählich eng wird: Günther Jauch.

Früher hat er sich in der Gesellschaft von Nationalhelden bewegt, heute ist er selber einer: Der beliebteste Moderator des Landes. Der Mann, der ein Fußballspiel 90 Minuten lang kommentiert, das gar nicht stattfindet, weil das Tor umgefallen ist. Der Mann, der Skispringen salonfähig gemacht hat, auch nachdem mittels Computereinsatz genau das weggefallen ist, was das Spannendste daran war: das Schätzen der Weite. Der Mann, dem man sogar verzeiht, wenn Menschen für die SKL überdimensionale Bälle durch eine umgebaute Turnhalle kegeln. Der Mann schließlich, der glaubt, noch immer Bodenhaftung zu haben, obwohl es da allmählich eng wird: Günther Jauch.


Er ist immer nett, aber nicht ganz so beliebig wie andere, die auch immer nett sind. Das gelingt ihm, weil er bei „Wer wird Millionär“ bisweilen Sympathieträger, die auf der richtigen Spur sind, auf die falsche Fährt lockt und es ihm dann nicht peinlich ist, wenn bei der 125000-Euro-Frage eben jener Joker fehlt. Das ist nicht nett, und das ist wichtig für Jauch. Pech für die Kandidaten, die versuchen, sich einen Lebenstraum zu erfüllen. So ist das Leben, mag er sich da denken, und wenn er sich das denken sollte, dann würde er sicherlich Recht haben. Das Leben ist nicht gerecht.

Er ist aus Kalkül manchmal nicht nett, aber dennoch hart an der Grenze des Zu-Nett-Seins. Das ist nicht einfach. Weil er es beherrscht, ist er der Nationalheld und Johannes B. Kerner und Oliver Geißen nicht. Jauch vermochte sogar, unbedarft zu sein ohne dabei blöd zu wirken. Das gelang ihm bei den legendären Übergaben auf Bayern3 mit Thomas Gottschalk, der übrigens bis heute im Radio besser ist als im Fernsehen. Die beiden zusammen hatten ihre Zeit. Richtig schräg war Jauch beim Rätselflug, als er ungelenk aus Hubschraubern sprang und dabei viel jünger wirkte als er war. 29 Lenze zählte er seinerzeit.

Er hat verstanden. Also versuchte er sich das Unbedarfte zu bewahren; die Bodenhaftung ist sein Kapital. Er nimmt sich da nicht viel mit Kaiser Franz, der seinen Seitensprung mit dem Satz „Der liebe Gott liebt alle seine Kinder“ aus den Schlagzeilen fegte. Jauch kann das auch. Das kann man mögen, muss man aber nicht.

Jetzt ist er die Nummer 1 im deutschen Fernsehen. Das ist schon was. Der Nervfaktor hält sich noch in Grenzen, aber er lebt nicht ungefährlich. Er täte gut daran, wenn er sich mit Menschen von der Straße nicht mehr auf Supermarkt-Debatten einlässt. Er täte gut daran, nicht zu gierig zu werden und jede Werbung zu machen, die daher kommt. Denn es gibt Zeiten, da hat selbst ein Kaiser Schlagseite. Der Nationalheld lebt gefährlich. Er sollte mal mit Dürrenmatt über Nationalhelden reden.


 


 

Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.



Von Mathias Petry

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