Mittwoch, 19. Dezember 2018
 

 

12.10.2005 21:03 Uhr | x gelesen
    Drucken Text vergrößern

40. Die Kuh ist vom Eis


Bild: 40. Die Kuh ist vom Eis.  War das ein Theater? Aus taktischen Erwägungen wurden uralte demokratische Gepflogenheiten in Fragen gestellt, mit dem Ergebnis, dass die SPD ein oder zwei Ministerien mehr hat und Deutschland im internationalen Ansehen einmal mehr nicht dazu gewonnen hat. Es ist schon so, wie die meisten Leitartikler schrieben: Zwei Verlierer wollen Kanzler werden. Christian Wulff durfte dann doch nicht der lachende Dritte sein, auch wenn er ein paar Mal ganz kurz davor stand. La Merkel setzte sich durch, weil sie hart ist, und weil sie nur wenige Fehler zweimal macht.

War das ein Theater? Aus taktischen Erwägungen wurden uralte demokratische Gepflogenheiten in Fragen gestellt, mit dem Ergebnis, dass die SPD ein oder zwei Ministerien mehr hat und Deutschland im internationalen Ansehen einmal mehr nicht dazu gewonnen hat. Es ist schon so, wie die meisten Leitartikler schrieben: Zwei Verlierer wollen Kanzler werden. Christian Wulff durfte dann doch nicht der lachende Dritte sein, auch wenn er ein paar Mal ganz kurz davor stand. La Merkel setzte sich durch, weil sie hart ist, und weil sie nur wenige Fehler zweimal macht.


Und im Endeffekt ist das auch gut so. Denn Deutschland hat sich wie ein Mädchen benommen, das Angst vor dem ersten Ritt auf einem Kettenkarussell hat. Weil es gar so neu, so unbekannt aussieht, mag man lieber die Finger davon lassen und zum 100. Mal Auto-Scooter fahren. Dann aber, wenn man erst einmal die erste Runde auf dem Kettenkarussell geflogen ist, dann ist alles ganz toll.


La Merkel muss erst noch beweisen, dass sie die Wähler so mitreißen kann, wie ein Kettenkarussell das Mädchen. Aber wehe, sie wäre es nicht geworden. Dann hätte Deutschland unzweifelhaft den Ruf erlangt, nicht bereit für eine Frau an der Spitze zu sein. Und das wollen wir uns doch bitteschön nicht nachsagen lassen. Natürlich ist es völlig wurscht, ob der Kanzler ein Mann ist, oder sein Mädchen. Punkt.

Was nicht heißt, dass man das Mädchen mögen muss. Noch-Ministerpräsi Edi mag sie wohl nicht überschwänglich. Dass sie schaffte, was er nicht schaffte, dankt er, indem er ihr den Horst aus Ingolstadt mitbringt. Den vom Volk geliebten und von ihr ungeliebten Horst, der im Wahlkampf ihre plumpen Methoden entlarvte, Herz zeigte, und auf seiner Position beharrte. Seehofer hatte der Merkel vorgemacht, wie man in der Politik authentisch sein kann, nämlich indem man einem faulen Gesundheitskompromiss nicht mitträgt. Wenn sie beim Regieren ein wenig aufpasst, kann am Ende doch einiges gut werden. Vielleicht bringt die Kuh, die jetzt vom Eis ist, Deutschland ja doch vom Eis. Sogar mit der Frisur. Und: Bitte!!!



Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.



Von Mathias Petry

Drucken  Drucken Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Vorlesen  PDF speichern  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!