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23.09.2005 13:16 Uhr | x gelesen
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38. Kanzler ... äh ... Wulff


Bild: 38. Kanzler ... äh ... Wulff.  Es ist nicht gar nicht so lange her, da saß man in Deutschland vor dem Fernseher und schüttete sich aus vor Lachen, weil die Amerikaner nicht in der Lage waren, ihren Präsidenten zu küren. Al Gore hatte mehr Stimmen bekommen und in Florida die Chance auf ausreichend Wahlmänner. Heute kann man sich an seinen Namen kaum noch erinnern. Denn sein Gegner, der heutige US-Präsident, dachte überhaupt nicht daran, eine Niederlage zu akzeptieren. Glaubt man dem Buchautor und Regisseur Michael Moore, dann hat Mr Bush einiges in Bewegung gesetzt, um die Niederlage in einen Sieg umzukehren. Wie auch immer: Nach einer Weile ging es nicht mehr um Recht haben oder nicht, sondern nur noch darum, wer lauter „Ich bin der wahre Präsident“ brüllte.

Es ist nicht gar nicht so lange her, da saß man in Deutschland vor dem Fernseher und schüttete sich aus vor Lachen, weil die Amerikaner nicht in der Lage waren, ihren Präsidenten zu küren. Al Gore hatte mehr Stimmen bekommen und in Florida die Chance auf ausreichend Wahlmänner. Heute kann man sich an seinen Namen kaum noch erinnern. Denn sein Gegner, der heutige US-Präsident, dachte überhaupt nicht daran, eine Niederlage zu akzeptieren. Glaubt man dem Buchautor und Regisseur Michael Moore, dann hat Mr Bush einiges in Bewegung gesetzt, um die Niederlage in einen Sieg umzukehren. Wie auch immer: Nach einer Weile ging es nicht mehr um Recht haben oder nicht, sondern nur noch darum, wer lauter „Ich bin der wahre Präsident“ brüllte.


In Deutschland wurde damals gelästert. Die mächtigste Nation der Welt verkomme zur Bananenrepublik, hieß es. Und wenn die Rede auf die politische Zukunft von George W. Bush kam, schenkelklopfte man: Er kann ja noch zwei Amtszeiten machen, weil er bei der ersten ja eigentlich nicht gewählt war.


Gerhard Schröder scheint bei seinem Freund George W. Bush sehr genau hingesehen zu haben. Schon in der Elefantenrunde am Sonntag pöbelte er auf Teufel komm raus und erreichte immerhin, dass der Kelch einer Rücktrittsdebatte an ihm vorüberging. Nicht der abgewählte Kanzler sollte die Konsequenzen aus einer Niederlage tragen, nein, Angela Merkel musste ihren Anspruch rechtfertigen. Dabei hatte sie weniger verloren als Schröder.

Und da ist er wieder, der Möchtegern, der einst am Zaun des Kanzleramts rüttelte und „Ich will hier rein!“ brüllte. Es passt ins Bild, wenn so jemand nicht wieder raus will, nachdem man ihn erst einmal reingelassen hat. Dabei hatte er bei seiner „Ich habe fertig“-Rede nach der NRW-Wahl gar nicht wie einer gewirkt, der noch an seinem Job hängt. Immerhin hatte er damals noch Manieren bewiesen, jetzt nicht mehr; zumal nicht, wenn er die hanebüchene Theorie aufstellt, die Union sei nicht als Einheit zu sehen (was anders wäre, wenn es nicht einen föderalen Konkurrenzausschluss gäbe). Es war immer gute Gepflogenheit in der Bundesrepublik, dass die Partei, die die meisten Stimmen bekommt, eine Regierungsbildung einleitet.

Das war im Übrigen auch vor drei Jahren so, als Gerhard Schröder nur um ein paar tausend Stimmen vorn lag. Da hat der Noch-Kanzler übrigens nicht bei Bush gelernt, sondern bei Helmut Kohl. Dem sagte man bekanntlich auch nach, er wolle sein Büro nach der Niederlage 1998 nicht räumen. Jetzt macht bei Schröder schon derselbe Treppenwitz die Runde wie seinerzeit beim Vorgänger: Er habe sich an seinem Schreibtisch festgekettet.

Es gibt viel zu tun, in diesem Lande, aber davor steht Elementares: eine Änderung des Wahlsystems. Es kann erstens nicht sein, dass ein Teil der Bürger auf der Basis eines Teilergebnisses wählen dürfen, wie es demnächst in Dresden passieren soll. Zumindest die Zweitstimme hätte man dort am 18. September abgeben müssen, und mindestens das muss für die Zukunft festgeschrieben werden. Und zweitens ist es an der Zeit eine Halbwertszeit für Bundeskanzler einzuführen: Mit der Idee, Landesvätern nur maximal zwei Amtszeiten zuzustehen, haben ausgerechnet die US-Amerikaner einen Trend vorgemacht, der in Deutschland das Verständnis von Macht auf angenehme Art neu definieren könnte.

Anders denken ist aber in Deutschland so und so angesagt. Fünf Parteien im Bundestag verlangen den Abgeordneten die Flexibilität ab, die sie in so vielen Bereichen von den Bundesbürgern fordern. Denn sie werden sich dem Votum des Volkes beugen und aus der Patt-Situation das Beste machen müssen. Vor drei Jahren gab es auch einen Nahezu-Patt, und es ist nicht absehbar, dass sich die Wählersympathien grundlegend verändern.

Der einfachste und vielleicht sogar der Königsweg wäre der: Merkel und Schröder treten beide ins zweite Glied zurück und lassen eine unverbrauchte Figur ran. Vielleicht kommt ja die große Koalition unter Kanzler Christian Wulff. Das wär´ doch auch eine Möglichkeit.



Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.



Von Mathias Petry

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