Samstag, 15. Dezember 2018
 

 

29.08.2005 22:54 Uhr | x gelesen
    Drucken Text vergrößern

34. Red Boys


Bild: 34. Red Boys.  Lafontaine war Finanzminister und machte den Weg frei, angeblich, weil Schröder und er zu unterschiedliche Vorstellungen hatten. Gysi nahm das erstbeste Affärchen, um elegant die Fliege zu machen. Zwei Männer, zwei Karrieren. Macht-Politiker sind sie bestimmt nicht, eher schon Mach-Politiker. Weil sie mitMACHen wollen. Drum sind sie jetzt zurück und setzen auf den 18. September. Warum eigentlich? Was wollen die Red Boys? Was sind sie: Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle. Zwei wie Pech und Schwefel? Oder ganz einfach zwei rote Jungs im dunklen Anzug, die mitspielen wollen?

Lafontaine war Finanzminister und machte den Weg frei, angeblich, weil Schröder und er zu unterschiedliche Vorstellungen hatten. Gysi nahm das erstbeste Affärchen, um elegant die Fliege zu machen. Zwei Männer, zwei Karrieren. Macht-Politiker sind sie bestimmt nicht, eher schon Mach-Politiker. Weil sie mitMACHen wollen. Drum sind sie jetzt zurück und setzen auf den 18. September. Warum eigentlich? Was wollen die Red Boys? Was sind sie: Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle. Zwei wie Pech und Schwefel? Oder ganz einfach zwei rote Jungs im dunklen Anzug, die mitspielen wollen?


Was wohl wäre, wenn sie die Wahl gewännen? Man stelle sich das einmal vor: Die Linkspartei gewönne die absolute Mehrheit, müsste die komplette Regierung stellen. Kanzler Lafontaine. Vize-Kanzler und Außenminister Gysi. Wie kämen die beiden aus der Nummer wieder raus? Man kann doch nicht alle drei Wochen die Vertrauensfrage absichtlich verlieren, denn irgendwann würde es auch der Reparaturwerkstatt für politische Fragen – genannt Bundesverfassunggericht – zu bunt. Nein, würden sie sagen, macht mal lieber weiter, Ihr Red Boys!

Du meine Güte! Die beiden hätten ja gar keine Zeit mehr, ihre Schlagfertigkeit auszuspielen, Bücher zu schreiben und damit Geld zu scheffeln. Auch ein Besuch bei Gönnern auf einer luxuriösen Finca von guten Freunden würde schnell den Reiz verlieren, weil ja Kanzler und Vize-Kanzler nie ohne ihre jeweils acht Bodyguards sein dürfen. Da schmeckt einem doch kein Glas Wein mehr, wenn man von acht Bodybuildern in schwarzen Anzügen und mit schwarzen Sonnenbrillen umringt ist, die alle größer sind und besser aussehen als man selbst – und nicht mittrinken dürfen. Nicht mal unter den Tisch saufen dürfte man sie, wenn man Kanzler wäre! Keinen Schritt dürfte man ohne sie machen. Selbst wenn man sich entscheiden würde, für die Paparazzi mit einer Gräfin in einen Pool zu springen oder andere lustige Dinge zu machen – immer wären sie dabei, die acht gut aussehenden Jungs mit dem diskreten Gesichtsausdruck. Das muss man aushalten können.

Wie lange würden sie das wohl durchhalten, die beiden klugen Politiker ohne Hang zur Macht aber mit Drang zur Öffentlichkeit? Wenn es nicht um soviel ginge, wenn Deutschland noch so reich wäre wie vor 20 Jahren, würde man sich das fast mal ansehen wollen. Die Red Boys würden gewiss eine gute Show bieten, denn das können sie.

Aber am 18. September ist Schluss mit lustig. Die Kassen sind leer. Hunderte Steuermillionen, die einst hirnlos verschleudert wurden und die niemanden interessierten, weil das Land sie sich leisten konnte – jetzt tun sie weh. Der Staat muss die Rente vorfinanzieren, und lange wird er das nicht mehr bewältigen können. Und mitten drin die beiden saturierten Red Boys mit ihrer bestechenden Medienpräsenz. Ein netter Gedanke.



Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.



Von Mathias Petry

Drucken  Drucken Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Vorlesen  PDF speichern  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!