Donnerstag, 13. Dezember 2018
 

 

21.08.2005 22:11 Uhr | x gelesen
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33. Der Taxman


Bild: 33. Der Taxman.  Nicht einmal die Beatles wollten Steuern zahlen, und die hätten es sich durchaus leisten können. Nach dem fünfundzwölfzigsten Hit spielen ein paar Milliönchen hin oder her keine Rolle mehr. Wieso hatten sie die Nase voll davon und Ex-Bundesrichter Paul Kirchhof nicht? Der will jetzt den Job, mit dem sich vorher schon Hans Eichel und Theo Waigel viele Freunde gemacht haben. Und warum will er sich mit Gewalt unbeliebt machen? Weil er glaubt, die richtige Idee zu haben. Wenn er sich da mal nicht irrt.

Nicht einmal die Beatles wollten Steuern zahlen, und die hätten es sich durchaus leisten können. Nach dem fünfundzwölfzigsten Hit spielen ein paar Milliönchen hin oder her keine Rolle mehr. Wieso hatten sie die Nase voll davon und Ex-Bundesrichter Paul Kirchhof nicht? Der will jetzt den Job, mit dem sich vorher schon Hans Eichel und Theo Waigel viele Freunde gemacht haben. Und warum will er sich mit Gewalt unbeliebt machen? Weil er glaubt, die richtige Idee zu haben. Wenn er sich da mal nicht irrt.


25 Prozent Steuern für alle? Das klingt im ersten Moment ganz prima! Wer wenig verdient bezahlt wenig, wer viel verdient, viel – und trotzdem wird jeder gleich belastet. Gerechter geht´s theorerisch nicht. Und: Alle lästigen Ausnahmen, die verruchten Abschreibungsmöglichkeiten – alles, was bisher irgendjemand immer irgendwie ungerecht empfunden hat, soll veschwinden. Im gleichen Atemzug baut der Taxman aber gleich wieder ein paar Ausnahmen ein: Geringverdienern will er Rabatte auf die 25 Prozent geben, was sozial natürlich sehr vernünftig ist, aber tatsächlich dasselbe schafft, was wir jetzt haben: eine Steuerprogression. Wobei es natürlich ungleich besser klingt, wenn man sagen, dass man Rabatt auf Gerechtigkeit gibt. Das gibt tolle schlagzeilen, Herr Taxman!

Doch der Taxman hat die Rechnung ohne die Steuerberater gemacht. Denn nicht nur sie würden arbeitslos, wenn das Steuersystem mit einem Mal durchschaubar und stringent wäre, sondern auch diejenigen, die die Steuergesetze immer komplizierter machen. Und diejengen, die versuchen, in dem Steuerwirrwarr den Überblick zu behalten. Und alle möglichen Banker. Nicht zu vergessen die Steuerbetrüger, deren Berater, die Detektive und Polizisten, die sie suchen, die Staatsanwälte, Gerichte, deren Gerichtsdiener, Chauffeure, Putzfrauen. Und schwupp, hätten wir nicht fünf, sondern sechs Millionen Arbeitslose. Und dann? Dann hätte der Taxman zwar Steuergerechtigkeit, aber er wäre auch ein Jobkiller.

Es ist doch so, dass wir schon jetzt mehr Arbeitskräfte als Arbeit haben. Vielleicht muss man ganz anders denken, und alles dafür tun, dass in Deutschland eben nichts geradlinig läuft, um möglichst viele Menschen damit zu beschäftigen, alles noch komplizierter zu machen. Dann braucht man mehr Leute, um alles wieder zu entwirren, und kann so viel mehr Menschen beschäftigen, die dann alle Geld verdienen und wieder Steuern zahlen, um das aufzufangen, was sie mehr kosten. Oder so.

Aber irgendjemand muss doch das alles am Ende bezahlen, mag man da sagen. Und das mit Recht. Aber darüber kann man dann ja vor der nächsten Bundestagswahl nachdenken. Sonst wär´s ja langweilig.

Zur Vollständigkeit hier noch der Text des Beatles-Taxman (geschrieben von George Harrison):

Let me tell you how it will be
There's one for you, nineteen for me
Cos I'm the taxman, yeah, I'm the taxman

Should five per cent appear too small
Be thankful I don't take it all
Cos I'm the taxman, yeah I'm the taxman

If you drive a car, I'll tax the street
If you try to sit, I'll tax your seat
If you get too cold I'll tax the heat
If you take a walk, I'll tax your feet

Taxman!
Cos I'm the taxman, yeah I'm the taxman

Don't ask me what I want it for (Aahh Mr. Wilson)
If you don't want to pay some more (Aahh Mr. Heath)
Cos I'm the taxman, yeah, I'm the taxman

Now my advice for those who die
Declare the pennies on your eyes
Cos I'm the taxman, yeah, I'm the taxman

And you're working for no one but me
Taxman!



Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.



Von Mathias Petry

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