Donnerstag, 13. Dezember 2018
 

 

10.08.2005 22:13 Uhr | x gelesen
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32. Gute PR


Bild: 32. Gute PR.  Der Camerlengo schiebt  den Vorhang langsam zur Seite. Ein paar Schritte nach vorne, hinaus auf den Balkon. „Habemus papam“ sagt er, wissend, dass die Welt an seinen Lippen hängt. „Es ist...“, sagt er und zögert ein wenig. Fast scheint es, als erwägt er ein verschmitztes Lächeln aufzusetzen ob seines Vorsprungs. Er weiß, was Sache ist, und die Tausenden auf dem Petersplatz, die Millionen vor den Fernehern nicht. Aber er lächelt nicht, das wäre nicht angemessen. So schaut er nur, und dehnt die Kunstpause so lange in die Länge wie es fast nicht länger geht. Dann sagt er ein Wort: Josephus. Jubel brandet auf.

Der Camerlengo schiebt den Vorhang langsam zur Seite. Ein paar Schritte nach vorne, hinaus auf den Balkon. „Habemus papam“ sagt er, wissend, dass die Welt an seinen Lippen hängt. „Es ist...“, sagt er und zögert ein wenig. Fast scheint es, als erwägt er ein verschmitztes Lächeln aufzusetzen ob seines Vorsprungs. Er weiß, was Sache ist, und die Tausenden auf dem Petersplatz, die Millionen vor den Fernehern nicht. Aber er lächelt nicht, das wäre nicht angemessen. So schaut er nur, und dehnt die Kunstpause so lange in die Länge wie es fast nicht länger geht. Dann sagt er ein Wort: Josephus. Jubel brandet auf.


Das raffinierte Spiel mit den Medien – die katholische Kirche beherrscht es. Die Tage der Papst-Wahl waren das maximale Ausreizen des medialen Systems. Schornstein TV. Die Welt starrte auf einen Kamin und war begeistert.

Die Nasa ist noch nicht ganz so gut, aber fast. Jene ellenlange Reparatur der angeblich so gefährlichen überstehenden Fitzel von High-Tech-Material auf der Unterseite des Shuttles hatte gewisse PR-Qualität. Und als der Astronaut geradezu lächerlich spielerisch den komischen Pappendeckel zwischen den blöden Kacheln hevorzog, verspielte die Nasa die mühsam aufgebaute weltweite Spannung von einer Sekunde auf die andere. Immerhin: Die Welt nahm das Shuttle wieder einmal wahr, und das ist wichtig für eine Nation, die von ihrem Präsidenten auf den Mars geschossen werden soll.

Kenntnisfrei, was PR anbelangt, präsentiert sich dagegen CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Nicht zwei, nicht ein Fernsehduell hätte sie fordern sollen, sondern zehn. Zwanzig. Dann hätte man sich auf zwei geeinigt, und die Merkel wäre nicht bräsig bis feig, sondern angriffslustig rübergekommen. Naja, bei der nächsten Wahl wird´s dann bestimmt besser. Oder?



Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.



Von Mathias Petry

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