Sonntag, 16. Dezember 2018
 

 

08.05.2005 15:20 Uhr | x gelesen
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24. Forza Minardi!


Bild: 24. Forza Minardi!.  Er sieht aus wie ein Rennwagen, er klingt wie ein Renwagen, er fühlt sich sogar an wie ein Rennwagen (wenn er denn einmal fährt), aber er ist ein Minardi. Der ewige Letzte. Der Totgesagte, der immer noch nicht verreckt ist. Das rollende Elend. Oder: Der Hoffnungsträger, der schon bessere Tage erlebte, der schon mal etliche Runden lang auf Platz vier lag, ehe er sich dann doch verabschiedete. Seit 1991 strebt das italienische Team Formel-1-Erfolge an, und es war schon einmal Siebter in der Konstrukteursmeisterschaft.

Er sieht aus wie ein Rennwagen, er klingt wie ein Renwagen, er fühlt sich sogar an wie ein Rennwagen (wenn er denn einmal fährt), aber er ist ein Minardi. Der ewige Letzte. Der Totgesagte, der immer noch nicht verreckt ist. Das rollende Elend. Oder: Der Hoffnungsträger, der schon bessere Tage erlebte, der schon mal etliche Runden lang auf Platz vier lag, ehe er sich dann doch verabschiedete. Seit 1991 strebt das italienische Team Formel-1-Erfolge an, und es war schon einmal Siebter in der Konstrukteursmeisterschaft.


Heute ist es bestenfalls Talentschmiede. Webber war da, Alonso glänzte ohne WM-Punkte, Badoer wurd später Ferraristo. Na bitte, wird sich Teamchef Paul Stoddart denken, es geht doch. Aber es geht eben nicht, das ist ja das Drama.

Wie mag das sein, wenn man einer der 110 Minardi-Mitarbeiter ist, wenn man 55Millionen Euro für Sport verbraten darf, und das dennoch alles nichts ist? Neulich beim Spanien-Grand-Prix kam es zur Krönung der Verzweiflung: Beide Minardi bleiben am Start stehen, können nicht weiter und sind endlich einmal im Blickpunkt des Interesses der Welt. Nicht, weil sie fahren, sondern weil sie stehen. Ist das nicht gemein?

Oder geplant. Wenn man nur hinter Friesachers Visier hätte blicken können als er neben seinem Auto stand, das am Start derart blockierte, dass es sich zwei Runden lang nicht wegrollen ließ! Zwei Minuten, in denen Minardi wichtiger war als Michael Schumacher war. Und nichts ist wichtiger als Michael Schumacher. Selbst wenn Fernando Alonso alle restlichen Rennen der Saison gewinnt, werden die Nachrichten doch immer mit Schumacher beginnen. Schumacher schöpft wieder Hoffung, er hat noch Chancen, er hat nicht aufgegeben, er wird es vielleicht nicht mehr packen, er gratuliert dem neuem Weltmeister. Wem? Ach ja, den gibt es ja auch noch, den Alonso. Oder so.

Derweil rasen die Minardi unbeachtet von allen hinterher. Hoffen auf eines dieser Rennen, wo nur vier Fahrzeuge ins Ziel kommen, weil alle anderen vorher ausgefallen sind. Das ist alles schon da gewesen. Passiert es nochmal, dann kommen sie endlich ganz groß raus! „Minardi endlich da, wo sie schon lange hingehören – auf dem Treppchen“ werden sie dann auf ihrer Website verkünden, weil es sonst niemand verkündet. Denn wenn die beiden Minardi in diesem einen lang ersehnten Rennen wirklich auf Platz drei landen, werden doch wieder alle nur fragen, was mit Schumacher war und warum er wie (fast) alle anderen ausgefallen sein wird. Arme Minardi.

Man könnte es dem Team eigentlich nicht übel nehmen, wenn die Startblockade zur Tradition würde. Dann würden sich vielleicht wenigstens die Sponsoren wieder zufriedengeben. Achtung, Paul Stoddart: Auch so kann man Formel-1-Geschichte schreiben: Das Team mit den meisten Fernsehminuten auf der Start-Ziel-Gerade. Die Fahrer könnten vielleicht für diese Situationen noch kleine Tänzchen einüben wie die Fußballer beim Torjubel. Die Boxenluder müssten Pompons in der Boxengasse schütteln. Die Welt würde nicht mehr über Minardi lächeln, sie würde mit Minardi lachen, sich freuen und dann, wenn der Treppchenplatz eines Tages rauskommt, auch mitfeiern. Forza, Minardi!

PS: Übrigens wird Peer Steinbrück sich demnächst bei den Wahlen auch wie ein Minardisto fühlen, während Westerwelle seinem Platz auf dem Treppchen immer näher kommt. Aber das ist eine andere Geschichte. Dazu passt vielleicht noch dieser Satz von Markus Barwasser: „51 Prozent der Deutschen können sich neuerdings Angela Merkel als Kanzlerin vorstellen. Wie verzweifelt muss dieses Land sein.“


Was ist eigentlich dieser Presssack?
Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne
sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.



Von Mathias Petry

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