Mittwoch, 19. Dezember 2018
 

 

06.12.2018 13:04 Uhr | x gelesen
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22. Unrecht


Bild: 22. Unrecht.  44 Fußballbeine laufen hin und laufen her – so sang es einst der große Barde, der auch für andere große Werke berühmt wurde. Als sich im Viertelfinale der Championsleague gegen Chelsea Bayern-Spieler diesbezüglich verdingten, sangen die Fans auf den Rängen des Olympiastadions statt mit Fesl mit Loriot: Ja, wo laufen sie denn?

44 Fußballbeine laufen hin und laufen her – so sang es einst der große Barde, der auch für andere große Werke berühmt wurde. Als sich im Viertelfinale der Championsleague gegen Chelsea Bayern-Spieler diesbezüglich verdingten, sangen die Fans auf den Rängen des Olympiastadions statt mit Fesl mit Loriot: Ja, wo laufen sie denn?


Nein, sie waren nicht glücklich, die Fans, auch wenn das im Fernsehen anders ausgesehen haben mag. Fünf starke Minuten am Anfang, dann 60 Minuten Standfußball, dann der Ausgleich. „Wo ist das große Aufbäumen?“ fragte ein alteingesessener Rot-Weißer einen anderen Rot-Weißen. „Die wollen überhaupt nicht!“ erwiderte der und erinnerte an ein Transparent, das einst VW-Mitarbeiter im Wolfsburger Stadion aufgehängt hatten: „Wenn wir so arbeiten würden wie Ihr spielt, wären wir alle längst arbeitslos.“ Ihr Geld wollten sie zurück, und die rundherum auch, weil man so gar nicht das Gefühl hatte, die Mannschaft wäre an so etwas Unmoralischem wie einem Sieg interessiert. Das ist Unrecht!

Vielmehr hatte man im Stadion zeitweise durchaus das Gefühl, dass die Bayern-Spieler konsequent daran arbeiteten, ihren internationalen Marktwert binnen 60 Minuten in den Keller zu drücken. Wäre der FC Bayern schon an der Börse, hätte man übelste Manipulation vermuten können.

Am Ende wurde dann doch noch alles gut. Ab der 88. Minute wurde vom Barcelona-Spiel gesprochen – diesmal aber umgekehrt. Und es hätte ja fast auch noch geklappt. Und wer hat´s wieder gerichtet? Genau! Der gute, alte Mehmet Scholl. „Haut die 13 raus und die 7 rein“, hatten die Fans schon Stunden zuvor skandiert, und wenn es auch nicht ganz so kam, dann doch so ungefähr. Und was man zu drei Vierteln des Spiels im Stadion nicht mehr erwartet hatte, wurde dann doch noch Wirklichkeit: Die Zuschauer, die nicht enttäuscht nach dem 1:2 mit den Scharen das Stadion verlassen hatten, konnten am Ende stolz auf ihre 22 Fußballbeine sein. Duselbayern. Duselbayern. Duselbayern. Duselbayern.

Uli Hoeneß hatte auch Glück. Ohne Scholls Tor hätte er jedem Zuschauer eines seiner leckeren Rostbratwürtschen spendieren müssen.

Zwei Ereignisse haben das Spiel zu etwas Besonderem gemacht:
1. Es war das letzte Europacup-Spiel im alten Stadion.
2. Harald Schmidt war auch da.

PS: Einer der schönsten Beiträge Fredl Fesls neben dem Fußballer-Lied und den Sowosamanegern ist immer noch die Strophe zum Rittersleit-Lied. Die geht so: „So ein oida Rittersmann / hat sich oft in der Schlacht sei´ ganze Rüstung verbogn / Doch dem Ritter war es wurscht / er hat sich einfach e neue kafft“.

Was ist eigentlich dieser Presssack? Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.


Von Mathias Petry

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