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02.03.2005 21:51 Uhr | x gelesen
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18. Danke, Zlatko!


Bild: 18. Danke, Zlatko!.  Am 1. März begann Fernsehgeschichte auf RTL2, produziert von Endemol: Aus Filmstoff wird Wirklichkeit, weil in Big Brother jetzt ein ganzes Dorf rund um die Uhr überwacht wird. In Echt. Hier leben Menschen in einer Scheinwelt und wollen sich der bundesdeutschen Hartz-IV-Wirklichkeit einfach entziehen, indem sie einziehen. Es sind richtige Menschen, keine Schauspieler, sie heißen wie du und ich: Parsifal, Leyla, Giuseppe und Bernadette (wenn da mal keine Namensverwirrung – siehe frühere Presssack-Folge dahinter steckt).

Am 1. März begann Fernsehgeschichte auf RTL2, produziert von Endemol: Aus Filmstoff wird Wirklichkeit, weil in Big Brother jetzt ein ganzes Dorf rund um die Uhr überwacht wird. In Echt. Hier leben Menschen in einer Scheinwelt und wollen sich der bundesdeutschen Hartz-IV-Wirklichkeit einfach entziehen, indem sie einziehen. Es sind richtige Menschen, keine Schauspieler, sie heißen wie du und ich: Parsifal, Leyla, Giuseppe und Bernadette (wenn da mal keine Namensverwirrung – siehe frühere Presssack-Folge dahinter steckt).


Wie mag das sein, wenn man das normale Leben verlässt? Vielleicht für Jahre. Gerade erst sind drei Menschen aus dem alten Container entlassen worden – nach einem Jahr in der Scheinwirklichkeit. Sie sehen nur mittelgestört aus. Ob die anderen Wahnsinnigen, die sich eines Tages auf eine vielmonatige Mars-Mission begeben, genauso gesund aussehen? Kann man das am Ende vergleichen?

Davor noch diese Frage: Darf man das vergleichen? Natürlich, Big Brother ist Trash-TV, aber vielleicht sollten all die, die wissenschaftlich eine Mars-Mission vorbereiten, doch einmal mit einem Auge verstohlen ins Dorf hinüber schielen. Immerhin: Diese Menschen im Big-Brother-Dorf sind isoliert. Sie können sich nicht frei bewegen, sie müssen miteinander klar kommen. Sie müssen Aufgaben bewältigen, sie müssen den Lagerkoller in Griff bekommen. Und die geneigte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wird Big Brother ebenso wie der Mars-Mission nur dann zuteil, wenn genügend Schlagzeilen für die Boulevard-Presse abfallen.

Da musste die Nasa schon den greisen John Glen ausgraben, um noch einmal Quote für eine normale Mission zu bekommen, und Big Brother konnte sich in der letzten Staffel glücklich schätzen, immerhin eine Kader Loth ins Rennen schicken zu können. Mit ihr kam Big Brother auf Seite 1 von Bild. Und in den Medien gilt die alte Binsenweisheit: Bild ergo sum. Daraus lässt sich ebenfalls ableiten, dass die Mars-Mission nur mit Silikon erfolgreich werden kann. Denn wenn da nichts Trash-TV-artig durch den Weltraum schwebt, wird das Mars-Raumschiff vergessen sein, bevor es den Mond passiert hat. Davon kann Zlatko ein Lied singen – oder, bitte, lieber kein Lied. Danke, Zlatko!

Was ist eigentlich dieser Presssack? Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.     


Von Mathias Petry

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