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27.02.2005 10:58 Uhr | x gelesen
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17. Kanaillen


Bild: 17. Kanaillen.  Wenn man von einer Reise zurückkehrt, dann gibt es Dinge, die hat man nicht vergessen. Im Idealfall sind das gute Dinge. Schlechte Dinge wären die Kakerlaken  in der Dusche oder das Badehandtuch des schmeerbäuchigen roten Engländers auf dem Poolstuhl, den man eigentlich gerne selbst gehabt hätte. Oder der Ausschlag, den man vom Essen bekommen hat. George Dablju wird Visionen von solchen Dingen gehabt haben, ehe er nach Europa aufbrechen musste. Einer der Nachteile, wenn man Präsi wird: Man muss das eigene Land bisweilen verlassen. Wo es doch normalerweise ausreicht, wenn man mit einem Kampfjet vom Festland aus drei Minuten aufs Meer hinaus geflogen wird, wo ein Flugzeugträger wartet, der hilft den Anschein zu erwecken, man sei eigentlich im Golf, wo der Krieg tobt. Oder so.

Wenn man von einer Reise zurückkehrt, dann gibt es Dinge, die hat man nicht vergessen. Im Idealfall sind das gute Dinge. Schlechte Dinge wären die Kakerlaken in der Dusche oder das Badehandtuch des schmeerbäuchigen roten Engländers auf dem Poolstuhl, den man eigentlich gerne selbst gehabt hätte. Oder der Ausschlag, den man vom Essen bekommen hat. George Dablju wird Visionen von solchen Dingen gehabt haben, ehe er nach Europa aufbrechen musste. Einer der Nachteile, wenn man Präsi wird: Man muss das eigene Land bisweilen verlassen. Wo es doch normalerweise ausreicht, wenn man mit einem Kampfjet vom Festland aus drei Minuten aufs Meer hinaus geflogen wird, wo ein Flugzeugträger wartet, der hilft den Anschein zu erwecken, man sei eigentlich im Golf, wo der Krieg tobt. Oder so.


Was mag George Dablju in diesen Tagen im Kopf herumgehen, wenn er über die kanaldeckelfreien Wiesen seiner Farm in Texas reitet, wenn er das hegt und pflegt, was einen Mann aus Texas ausmacht, die O-Beine nämlich?

Vermutlich wird er sich ziemlich wundern über diese Europäer. Dass der Franzose tatsächlich nach Belgien kam, um ihn zu treffen, weil er gesagt hatte, er wolle höchstens auf dem Rückweg bei ihm kurz vorbeischauen – was der Franzose aber doof fand. Das dürfte George Dablju gewundert haben, denn er selbst hätte das sicher nicht gemacht. Wenn die Bin Ladens was von ihm wollen, wegen der gemeinsamen Öl-Firma, dann müssen sie schon zu ihm kommen, schließlich ist er der Präsi. Und der Franzose wollte etwas von ihm: Aufmerksamkeit.

Und der Deutsche, der schien sich auch noch gefreut zu haben, wenn er ihm auf die Schulter haute. Die Deutschen mögen das, wenn man sie beim Vornamen anspricht und sie „my friend“ nennt. Gut, zu wissen. Und „the autobahn“ - erfunden bei „the führer“, weren´t they? Yes, they were; man sieht wieder einmal: Reisen bildet - hat man extra für ihn abgesperrt. Nett das, wirklich, sehr nett.

Sein Besuch hat Spuren hinterlassen, wird er wissen, wenn er so durch die Gegend reitet und vielleicht eine Zufahrt zu seiner Farm überquert. Dort wird er einen Kanaldeckel entdecken. What the hell…! Hatten nicht alle Kanaldeckel, die er in Europa gesehen hat, Schweißnähte? Wochenlang werden die Europäer damit beschäftigt sein, die Schweißnähte wieder weg zu schweißen. Ja, sein Besuch hat Spuren hinterlassen.

In Amerika haben Kanaldeckel keine Schweißnähte. Jede Kanaille kann sich darüber und darunter bewegen wie sie will. Warum eigentlich, das ist doch gefährlich! Da können sich doch Attentäter darunter verstecken. Oder die Demokraten. Oder Kommunisten. Ja, damned, das ist doch very gefährlich. Da muss man doch was unternehmen. Daran hatte er ja bis zu seiner Europareise gar nicht gedacht!

Vielleicht war es ja das, was George Dablju von seiner Reise mitgebracht hat. Was dem Touristen die Kakerlakeln sind, sind dem Präsi die Kanaldeckel. Oder so. Wenn, you know…

Was ist eigentlich dieser Presssack? Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.     


Von Mathias Petry

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