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31.01.2005 16:08 Uhr | x gelesen
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14. Big bleibt Big


Bild: 14. Big bleibt Big.  Christian Heinschke ist seit vielen Jahren Lehrer am Gymnasium in Schrobenhausen. Er ist seit Generationen berühmt für seine Einleitungen in die Deutschstunde. Eines Donnerstags, es war ungefähr im Jahr 1983, kam er in die Klasse und erzählte in etwa dies:\n„Gestern Abend war ich im Ratskeller essen. Ich sah mich überall um und wunderte mich schon: Nur Frauen da. Wieso, fragte ich mich, sind heute nur Frauen da? Da fiel es mir ein: Fußball! Europapokal! Womit wir beim Thema der heutigen Stunde wären: ,Die Angst des Torwarts beim Elfmeter´ von Peter Handke.“ Wobei man wissen muss, dass Handkes Buch mit Fußball soviel zu tun hat wie Dieter Bohlen mit dem Literaturnobelpreis.

Christian Heinschke ist seit vielen Jahren Lehrer am Gymnasium in Schrobenhausen. Er ist seit Generationen berühmt für seine Einleitungen in die Deutschstunde. Eines Donnerstags, es war ungefähr im Jahr 1983, kam er in die Klasse und erzählte in etwa dies: „Gestern Abend war ich im Ratskeller essen. Ich sah mich überall um und wunderte mich schon: Nur Frauen da. Wieso, fragte ich mich, sind heute nur Frauen da? Da fiel es mir ein: Fußball! Europapokal! Womit wir beim Thema der heutigen Stunde wären: ,Die Angst des Torwarts beim Elfmeter´ von Peter Handke.“ Wobei man wissen muss, dass Handkes Buch mit Fußball soviel zu tun hat wie Dieter Bohlen mit dem Literaturnobelpreis.


Wer jene Unterrichtseinheit seinerzeit miterlebt hatte, also ungefähr 20 junge Leute des Grundkurses Deutsch, wird sich daran noch heute bisweilen erinnert fühlen, wenn er in der Fernsehzeitung blättert. Allerdings hat der Mittwoch längst nicht mehr die Bedeutung von einst, jetzt, wo Fußball auf alle sieben Wochentage verteilt ist und der Europacup davon allein drei in Anspruch nimmt.

Einige Jahre lang war das Pendant zum Fußball-Mittwoch der Carrie-Dienstag. „Stör mich nicht!“, sagt mir Sabine, oder „Sei leise!“ oder, wenn ich leise war und sie nicht gestört habe: „Koch mir ´nen Tee!“

Monatelang konnten Männer nahezu ungestört weggehen und schmutzige Witze reißen ohne sich gleich eine einzufangen, sie konnten sich mit ihren Männerfreunden zum Schafkopf treffen, und die Liebsten sagten nicht: „Gehst du schon wieder zum Saufen?“, sondern winklten freundlich „Geh nur, ich hab´ heute eh schon was vor.“ Und warum? Weil alle Frauen sehen wollten, was Carrie, Samatha, Miranda und Charlotte wieder Schlimmes in New York anstellten. Und vor allem: Ob der tolle Mr Big (bitte ein paar seidenweiche Geigentöne einblenden und durch ein paar mänmnlich-scharfe E-Gitarren-Läufe brechen) wieder einmal mitspielt.

Ach ja, der tolle Mr Big (nochmal die Geigen bitte). Da kam auch Sabine von Zeit zu Zeit ins Schwärmen, selbst dann, wenn Mr Big (und wieder...) plötzlich in einem ganz anderen Film auftauchte und plötzlich Marc Aurel war oder Tom Hanks in „Cast Away“ die Frau ausspannte. Oder Onkel Jack im „Glashaus“. Mr Big (Geigen!!!), der Schwarm aller jungen, selbstbewussten, starken, modernen Frauen. Sabine wüsste einiges mehr dazu zu erzählen, und ihre Freundinnen auch. Übrigens. Mr Big (jetzt: Weißer-Hai-Geigen) ist am 13. November 50 Jahre alt geworden (bitte entschuldigen Sie, falls Sie ein fieses Grinsen des deutlich jüngeren Verfassers dieser Zeilen erahnen sollten).

Dienstage gibt es immer noch, aber Mr Big (lautlose Stille) gibt es nicht mehr. Er ist schon lange weg. Zu lange, findet Sabine, und einige ihrer Freundinnen finden das auch. Er ist weg. Carrie, Miranda und die anderen gleich hinterher. Und wenn Samantha plötzlich als Vulkanierin in einer Star-Trek-Wiederholung auftaucht, ist das auch nicht dasselbe. Annmählich wird mir klar, was das adäquate Weihnachtsgeschenk gewesen wäre: Eine DVD-Box mit allen „Sex and the City“-Folgen samt Mr Big (jetzt nochmal ganz viele Geigen!!!). Hoffentlich erinnere ich mich Weihnachten 2005 noch daran (jetzt: die Lindenstraße-Schlussszene-Geigen).

Was ist eigentlich dieser Presssack? Alle früheren Folgen der DK-Online-Kolumne sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.     


Von Mathias Petry

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