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29.12.2004 13:57 Uhr | x gelesen
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7. Heyhey Wickie!


Bild: 7. Heyhey Wickie!.  Ja, wir Deutschen jammern gern. Meistens wegen Kleinigkeiten. Wir Deutschen können aber auch anders. Wir können zupacken und mithelfen, wie jetzt, in diesen Tagen der schrecklichen Naturkatastrophe in Südostasien. Wir spenden und wir unterstützen die gepeinigten Opfer und furchtbar leidende Hinterbliebene. Da sind wir gut. Wir sind ein Volk, das Mitgefühl hat und Mitgefühl zeigen kann. Wir Deutsche haben eben mehrere Gesichter.

Ja, wir Deutschen jammern gern. Meistens wegen Kleinigkeiten. Wir Deutschen können aber auch anders. Wir können zupacken und mithelfen, wie jetzt, in diesen Tagen der schrecklichen Naturkatastrophe in Südostasien. Wir spenden und wir unterstützen die gepeinigten Opfer und furchtbar leidende Hinterbliebene. Da sind wir gut. Wir sind ein Volk, das Mitgefühl hat und Mitgefühl zeigen kann. Wir Deutsche haben eben mehrere Gesichter.


2004 könnte ein Wendejahr für Deutschland gewesen sein. Dass wir bei der Europameisterschaft so kläglich ausschieden, war die Krönung einer Phase der Lethargie, die uns und unser Land erfasst hatte. Wir haben uns auf den Lorbeeren früherer Tage ausgeruht, uns gut gebettet und von der Couch aus zugesehen, wie uns die anderen überholen. Nicht nur im Fußball, überhaupt.
 

Die Wende eingeleitet hat Gerhard Schröder. Mit seiner Anti-Irak-Taktiererei und mit Hilfe der Flut hatte er gerade noch die Wiederwahl geschafft, kurze Zeit später war er fertig, stand mit dem Rücken zur Wand. Er hatte keine Chance, und er nutzte sie: Gerhard Schröder tat, was getan werden musste und leitete schwierige, weitreichende, schmerzhafte Reformen ein. Die deutschen Jammerer sagten sogleich: Das ist zu wenig, das reicht alles nicht, alles Mist! Aber seien wir doch einmal ehrlich: Merkel oder Stoiber hätten sich nicht annähernd an solche Reformen herangewagt. Auch Schröder hätte das unter normalen Bedingungen nicht getan. Er handelte nach gesundem Menschenverstand, weil es eh wurscht war.

So etwas ist man von Politikern nicht gewöhnt. Schröder läutete damit einen neuen Ton ein. Allerdings haben Angela Merkel und Edmund Stoiber den Bimmelton überhört. Sonst hätten sie gemerkt, wie durchschaubar, wie peinlich ihr nach alter Politiker-Manier durchgeprügelte Gesundheitskompromissmurcks war. Mit Schröders Verzweiflungstat, seiner Agenda 2010, ist ein neuer Ton in Deutschland eingekehrt.

Und dann kam Jürgen Klinsmann. Reckte sein großes Näschen in den deutschen Wind, rieb daran zweimal wie einst Wickie auf dem Wikinger-Schiff, wenn er eine gute Idee brauchte. Und wie bei Wickie füllte sich der Himmel mit Stars und Stripes. Dann kam er. Mit Gummi-Bändern, Fitnesstrainern, gnadenlosem Optimismus und der Bereitschaft, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Um jeden Preis.

Raus mit MV aus der Spielerkabine, weg mit Sepp Maier vom Torwart-Titan. Weg mit dem Graue-Maus-Image der Nationalmannschaft und her mit den neuen, roten, leuchtenden Trikots. Ein breites Lachen aufgesetzt und los geht´s. Seine Botschaft ist so einfach: Das Leben kann, verdammt noch mal, Spaß machen. Man muss es nur wollen, und man muss unterwegs manchmal unangenehme Dinge tun, damit am Ende alle glücklich sein können.

Jürgen Klinsmann, der Wickie des 21. Jahrhunderts, kann der Messias des Jahres 2005 werden. Er hat die Konzepte und er hat die Position. Schließlich war es schon immer so, dass der Bundestrainerposten das höchste Amt im Staate ist. Dann erst kommen der Bundespräsident und der Bundestagspräsident und der Kanzler und dann lange nichts. Haken wir also das Jahr 2004 als Aufbruchsjahr ab, reiben uns wie Heyhey-Wickie das Näschen, ziehen uns alle rote Trikots an und freuen wir uns auf ein tolles Jahr 2005.

Das war der Presssack Nr. 7.

Wer seinen Senf dazu geben möchte, ist eingeladen, das unten auf dieser Seite im Forum zu tun.

Alle früheren Presssack-Folgen sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.   


Von Mathias Petry

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