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27.12.2004 16:08 Uhr | x gelesen
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6. Parteitagspusteln


Bild: 6. Parteitagspusteln.  Das politische Maß aller Dinge lautet in diesen letzten Tagen des Jahres „ein Merkel“. Ein Merkel ist die Einheit für politisches Gewicht. Beim Düsseldorfer Parteitag der CDU wurde ein Merkel neu definiert. Die anderen Parteien blieben in ihren Weihnachtssitzungen stets deutlich unter einem Merkel.

Das politische Maß aller Dinge lautet in diesen letzten Tagen des Jahres „ein Merkel“. Ein Merkel ist die Einheit für politisches Gewicht. Beim Düsseldorfer Parteitag der CDU wurde ein Merkel neu definiert. Die anderen Parteien blieben in ihren Weihnachtssitzungen stets deutlich unter einem Merkel.


Vermutlich, weil sich seit geraumer Zeit kaum noch jemand dafür interessiert, was bei Parteitagen inhaltlich vermittelt wird, beschäftigten sich Feinde, Erzfeinde und Parteifreunde, aber auch die versammelte Journaille neuerdings verschärft mit der Frage, wie lange die Mitglieder nach der Rede der Spitzenkräfte applaudieren. Seit Düsseldorf liegt die Norm für ein Merkel bei achteinhalb Minuten.

Vor drei Jahren war das noch ganz anders. Beim Dresdner Parteitag bekam die CDU-Chefin 6:28 Minuten, also ungefähr 0,7 Merkel Applaus, während Edmund Stoiber 6:40 Minuten lang beklatscht wurde, also ungefähr 0,73 Merkel, und das, obwohl der Saalsprecher schon nach 0,6 Merkel verzweifelt versucht hatte, das Klatschkonzert abzuwürgen, damit Stoiber nicht länger als ein Merkel bejubelt wurde. Umsonst. Stoiber wurde nicht Kanzler. Mit weniger als einem Merkel ist da offfensichtlich gar nichts zu machen.

Das wissen wir spätestens seit den Wahlen in den Vereinigten Staaten. Dort bekam George Dablju Bush teilweise 2 bis 2,2 Merkel Applaus. Er gewann seine Wahl. Auch bei ihm hatte das Inhaltliche seiner Reden keine große Rolle gespielt, was daran gelegen haben mag, dass man in seinen Reden auch dann keine gewichtigen Inhalte gefunden hätte, wenn man sie gesucht hätte.

Die Frage ist: Wie kann sich Angela Merkel bis zur nächsten Bundestagswahl auf mindestens zwei Merkel steigern? Die Tatsache, dass Gehard Schröder bei manchen Reden nur auf 0,45 Merkel kam und dennoch Kanzler wurde, dürfte die CDU-Spitzenpolitikerin und ihre Berater im Mark erschüttert haben. Erst als Schröder Stoiber geschlagen hatte, steigerte er sich auf überragende 1,8 Merkel.

Vielleicht liegt es an eben jenen politischen Beratern. Dablju zieht mit Arnold Schwarzenegger ins Gefecht, der dem Wahlvolk ungewohnt heftigen Inhalt um die Ohren haut: „He´ll be back!“ sagte er einmal in Anlehnung an seinen Auftritt als Terminator und rupfte dabei mit seinen bodygebuildeten Armen am kleinen Dablju, dass der schon Angst bekam. Ein paar Tage später machte Osama Bin Laden Wahlkampf für Dablju, als er termingerecht drei Tage vor der Wahl auftauchte. Klar: Da braucht man keine zwei Merkel, um Präsident zu werden.

Aber Angela Merkel hat keinen Schwarzenegger, keinen Bin Laden als Wahlhelfer, Sie hat keinen Merz mehr, keinen Seehofer, nicht einmal mehr einen Laurenz Meyer.

Die Leidtragenden dieser Misere sind die Mitglieder, die sich bei den Parteitagen die Finger wundklatschen müssen, um der CDU-Chefin Bedeutung zu verleihen. Wahrscheinlich machen sie es nicht mal gerne, und man kann sich gut die Szene vorstellen, wie die Gattin des Delegierten tags zuvor ihrem Liebsten die Thermoskanne und ein frisch gewaschenes Taschentuch einsteckt und sagt: „Liebling, pass auf, dass du nicht wieder mit so vielen Parteitagspusteln nach Hause kommst!“

Das war der Presssack Nr. 6. Wer seinen Senf dazu geben möchte, ist eingeladen, das unten auf dieser Seite im Forum zu tun.

Alle früheren Presssack-Folgen sind unter www.donaukurier.de/kolumne nachzulesen.  


Von Mathias Petry

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