Mittwoch, 19. Dezember 2018
 

 

15.12.2004 16:36 Uhr | x gelesen
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Die Geschichte des Presssacks ist eine Geschichte voller Missverständnisse


Bild: Die Geschichte des Presssacks ist eine Geschichte voller Missverständnisse.  Presssack? Was, bitte sehr, soll an Presssack lecker sein? fragte Sabine, als auf einen Happen eingeladen wurde. Presssack? Bäh!  Was Sabine nicht weiß: Nicht nur die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Beim Presssack ist es dasselbe.

Presssack? Was, bitte sehr, soll an Presssack lecker sein? fragte Sabine, als auf einen Happen eingeladen wurde. Presssack? Bäh! Was Sabine nicht weiß: Nicht nur die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Beim Presssack ist es dasselbe.


Gut, er mag auf den ersten Blick nicht sehr appetitlich wirken, aber kommt es nicht auf die inneren Werte an? Die sehen so aus: Schweinefleisch ohne Fett und Sehnen, gewürzt mit Ingwer, Muskatnuss und Kümmel. Das klingt doch nicht eklig, oder? Im Gegenteil, da möchte man ja fast schon herzhaft zubeißen und seinen Senf dazu geben! Und die Frage beantwortet wissen, ob man den Ingwer rausschmecken kann.
 
Und nicht nur des Presssacks Geschichte ist eine voller Missverständnisse. Das ging anderen schon genauso! Grappa zum Beispiel. Der wird angeblich auch heute noch aus dem Traubenmatsch hergestellt, der nach dem Keltern übrig bleibt. Da denkt man dann gleich an die Käsefüße der italienischen Mamas in den großen Traubenpressbottichen, an ungeschnittene Fußnägel mit abgesplittertem roten Nagellack, an unrasierte Beine, an vollgeschleimte Haare, die an aufgeweichter Haut päppen. Und das soll man trinken wollen? Aber ja, denn die Klischees sind (zumindest heute) alle Quatsch. Guter Grappa kriegt seine eigenen Trauben.
 
 
Mathias Petry

Und Presssack besteht auch nicht aus all den zusammengeworfenen Küchenabfällen einer gepflegten bayerischen Metzgerei. Im Gegenteil. Was ein gescheiter bayerischer Metzger ist, der will seinen Presssack prämiert sehen, der will zum Helden der Presssack-Produktion avancieren, sich der historischen Verantwortung jener Delikatessenherstellung als würdig erweisen, die vor 200 Jahren begann.
 
Wie, das wussten Sie nicht? Folgende Bestellung aus dem Jahr 1813 ist überliefert: „Einen geräucherten Press- und Säusack und einen ungeräucherten, und vierundzwanzig geräucherte Brat- und zwölf geräucherte Leberwürste erbittet sich unfrankiert und mit der Rechnung der Kauf- und Packkosten mit der fahrenden Post der Verfasser des Hesperus und anderer sehr von Würsten verschiedener Werke.” Der so hungrig war, ist kein Geringerer als der große deutsche Dichter Jean Paul. Also bitte.
 
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Jetzt aber soll Presssack für eine Online-Kolumne herhalten. Warum auch nicht. Grobe und feine Zutaten, verwurstet mit handwerklicher Tradition, und dann auch noch diese Assoziation zum Kerngeschäft – die Presse. Das kann ja was werden.
 
Ab heute. Unregelmäßig auf www.donaukurier.de. Immer wenn etwas los ist, manchmal auch wenn nichts los ist. Selten, wenn schon was vorbei ist.

Das alles und viel mehr gibt es im Presssack.
Na dann: Guten Appetit!

Von Mathias Petry

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