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17.08.2003 18:00 Uhr | x gelesen
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BFV-Präsident Schmidhuber: Die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild schlechthin


Bild: BFV-Präsident Schmidhuber: Die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild schlechthin.  Beilngries (DK) Das DONAUKURIER-Fußballcamp hat eine hohe Anziehungskraft: Wie im vergangenen Premierenjahr so waren auch heuer alle 180 Teilnehmerplätze für die drei Campwochen in Meckenhausen und Beilngries im Eiltempo vergeben. Besuch bekamen die Nachwuchskicker auch: In der vergangenen Woche war der ex-Bundesliga-Profi Hans-Georg Dreßen zu Gast, und in der Vorwoche verschaffte sich Heinrich Schmidhuber (67), Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) einen Eindruck vom Training, das federführend von den italienischen Nachwuchstrainern Paolo Nucci und Fabrizio Fratini geleitet wurde. Mit Bayerns Fußball-\

Beilngries (DK) Das DONAUKURIER-Fußballcamp hat eine hohe Anziehungskraft: Wie im vergangenen Premierenjahr so waren auch heuer alle 180 Teilnehmerplätze für die drei Campwochen in Meckenhausen und Beilngries im Eiltempo vergeben. Besuch bekamen die Nachwuchskicker auch: In der vergangenen Woche war der ex-Bundesliga-Profi Hans-Georg Dreßen zu Gast, und in der Vorwoche verschaffte sich Heinrich Schmidhuber (67), Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) einen Eindruck vom Training, das federführend von den italienischen Nachwuchstrainern Paolo Nucci und Fabrizio Fratini geleitet wurde. Mit Bayerns Fußball-"Chef" unterhielt sich unser Redaktionsmitglied Marc Schlotfeldt.


Herr Schmidhuber, Sie sind seit 1998 Bayerns höchster Fußball-Funktionär. Was hat sich in Ihrer fünfjährigen Amtszeit getan im Bayerischen Fußball?

Schmidhuber: Im Jahr 1998, ich war damals Präsident des Münchener Sparkassenverbandes, wurde ich gebeten, das Amt zu übernehmen, weil der Bayerische Fußballverband in großen finanziellen Schwierigkeiten steckte. Wir haben den damals drohenden Konkurs jedoch abwenden können und befinden uns wieder auf dem Weg der Gesundung.Wie sehen Sie die derzeitige Situation, besonders im Bereich des Nachwuchsfußballs?

Schmidhuber: Insgesamt gut. Der BFV ist mit 1,3 Millionen Mitgliedern der größte Fußballverband in Deutschland. 27 500 Mannschaften nehmen am Punktspielbetrieb teil, rund 19 000 aus dem Juniorenbereich. Früher sind die Kinder mit zehn, zwölf Jahren zum Fußballsport gekommen, heute finden sie bereits mit vier, fünf Jahren zum Fußball. Gerade in dieser jungen Altersgruppe haben wir einen enormen Zuwachs. Eine vom Bayerischen Fußball-Verband in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie hat ergeben, dass die Kinder heute genau so lange beim Fußball bleiben wie früher. Daran hat sich also auch heute, da es viel mehr Freizeitangebote gibt, nichts geändert.Aber: Haben sich die Perspektiven eines talentierten Nachwuchsspielers nicht verschlechtert? In Zeiten, da in vielen Vereinen, nicht nur in der Bundesliga, ausländische Spieler dem eigenen Nachwuchs vorgezogen werden? Wo sollen die Talente denn hin?

Schmidhuber: Jeder Verein sucht heutzutage auf dem internationalen Markt, um international wettbewerbsfähig zu sein. Die Talente sucht man heute nicht mehr nur in Deutschland oder Europa, die sucht man weltweit. Die Südamerikaner zum Beispiel gehen ja mittlerweile bei uns ein und aus.Wie kann diese Tendenz aber gestoppt werden?

Schmidhuber: Je mehr Talente wir haben und je größer unsere Möglichkeiten sind, diese Talente zu fördern, umso weniger werden wir künftig auch die ausländischen Spieler brauchen. Das ist ein Wettbewerb, der international stattfindet. Jedes Land wird versuchen, gute Spieler herauszubringen. Und die besten werden auch weiterhin international und in der Bundesliga ihren Namen haben. Nehmen wir zum Beispiel mal die Stürmer: Wer sind denn momentan die besten Torjäger in der Bundesliga?In der vergangenen Saison Thomas Christiansen, gebürtiger Däne mit spanischem Pass, und Giovane Elber, Brasilianer . . .Schmidhuber: Und wo rangieren die besten deutschen Stürmer? Kaum unter den ersten zehn! Das sind aber diejenigen, die in unserer Nationalmannschaft spielen. Die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild eines jeden Fußballverbandes. Wir können die beste Bundesliga haben und in der Champions League auch die besten sein, wenn wir mit der Nationalmannschaft immer hinterher hinken würden, dann würden wir damit an Ansehen verlieren.Daher noch einmal die Frage: Wie werden deutsche Stürmer besser? Wie kann Ihrer Meinung nach eine Fußball-spezifische Förderung und Ausbildung außerhalb der Großvereine · wie Bayern und 1860 München, oder dem Club · verbessert werden?

Schmidhuber: Der Weg, den der Deutsche Fußball-Bund im vergangenen Jahr mit der Errichtung von 64 Leistungsstützpunkten allein in Bayern gegangen ist, halte ich für gut und richtig. Beim wöchentlichen Training wird dort die Spreu vom Weizen getrennt. Dort können wir mehr Talente erfassen. Was uns fehlt, sind die Internate. Neben den beiden sportbetonten Schulen, die wir in Bayern haben, in München und in Nürnberg, brauchen wir einfach Internate, um Talente aus ganz Bayern fördern zu können. Talente kommen ja nicht nur aus München oder Nürnberg. Die kommen genauso aus Würzburg, Beilngries, Passau oder anderswo. Was uns vorschwebt, was wir erreichen wollen, ist die Schaffung eines Sportinternates für jeden Regierungsbezirk. Wir stehen bereits in regelmäßigen Gesprächen mit dem bayerischen Kultusministerium. Dort wird diese Idee ebenfalls als gut angesehen.Schwebt Ihnen dabei ein zeitlicher Rahmen vor? Wann könnte das erste Internat seine Tore öffnen?

Schmidhuber: Das hängt neben politischen natürlich auch von den wirtschaftlichen Faktoren ab. Wenn es der Wirtschaft wieder besser geht und die Kommunen wieder höhere Einnahmen haben, kann die Politik auch wieder mehr Geld für den Sport und den Fußball ausgeben. Wir hoffen, bis zum Jahr 2008 oder 2010 die `Idee Sportinternate` verwirklichen zu können.Ist das Thema "Talentförderung" auch der Grund, warum Sie nach Beilngries gekommen sind?

Schmidhuber: Ja. Ich wollte mich einmal selbst von der Qualität dieses Feriencamps überzeugen. Ich weiß, dass hier ausgezeichnete Arbeit geleistet wird vor Ort und dass wir vom DONAUKURIER die notwendige Unterstützung erhalten zur Förderung unserer Fußballtalente. Ich kann das nur sehr begrüßen, wenn eine Zeitung bereit ist, hier selbst mit Hand anzulegen. Deshalb bin ich auch sehr gerne nach Beilngries gekommen.Welche Eindrücke haben Sie vom DONAUKURIER-Fußballcamp in Beilngries gewonnen?

Schmidhuber: Ich bin der Meinung, dass das eine tolle Sache ist. Der Trainer, Paolo Nucci, der hier das Camp leitet, ist ja gerade erst mit der italienischen U 19-Nationalmannschaft Europameister geworden. Fachlich bringt er sicher beste Voraussetzungen mit. Ich wollte mir selbst ein Bild davon machen, wie die sprachliche Verständigung funktioniert mit unserern jungen Fußballern.Und was haben Ihnen die Kinder dazu gesagt?

Schmidhuber: Das dass Training toll ist und ihnen viel Spaß macht. Und die sprachliche Verständigung sei überhaupt kein Problem, es ist ja ein Übersetzer dabei.Herr, Schmidhuber, ich bedanke mich für das Gespräch.

Seht hier nun die vielen und schönen Bilder vom Sportcamp


Donaukurier

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