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13.08.2003 18:21 Uhr | x gelesen
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Rote Köpfe, lässige Trainer und ein strenges Punktesystem


Bild: Rote Köpfe, lässige Trainer und ein strenges Punktesystem .  Beilngries (anj) Verschwitzt und mit roten Köpfen traben die Teilnehmer des DK-Fußballcamps vom Feld. \

Beilngries (anj) Verschwitzt und mit roten Köpfen traben die Teilnehmer des DK-Fußballcamps vom Feld. "Das Training hier ist viel härter als daheim im Verein", meint der neunjährige Marco aus Denkendorf. "Aber das muss auch so sein, sonst wär es ja kein Trainingscamp. Und jetzt geht es erst mal zum Mittagessen." Am Sonntagabend sind wieder 60 neue Jungkicker in Beilngries angekommen, um mit Hilfe von Fabrizio Fratini, Jugendtrainer von Lazio Rom, ihre Spieltechnik zu verbessern.


"Diese Woche haben wir wirklich lauter brave Buben, die sowohl im Training als auch in der Freizeit nur angenehm auffallen", freut sich Dietmar Stöckle, Koordinator des Fußballcamps. "Und ich finde es toll, dass auch die beiden tschechischen Buben, die diese Woche mit dabei sind, super integriert werden, und das, obwohl sie kein Wort Deutsch sprechen."

Nach diesen Lobeshymnen von Seiten der Erwachsenen fällt bei den Kindern allerdings ein wenig Kritik an. "Diese Trainer sind unmöglich", beschwert sich der elfjährige Thomas und trägt einige Gläser in die Küche. "Die sagen uns, dass wir unseren Tisch nach dem Essen selber abräumen müssen, aber auf ihrem steht noch alles rum." Aber solange diese "kleine Nachlässigkeit" die einzige Schwäche der ansonsten "lässigen" Betreuer ist, lässt es sich im DK-Fußballcamp doch recht gut aushalten. "Die Eltern werden ihre Kinder kaum wiedererkennen, weil sie sich alle zu perfekten Haushaltshilfen entwickelt haben", lacht einer der Betreuer.

Ordentlich sind die Buben in der Tat, was auch Sylvester Sedlmeier, den Wirt des Gasthofes "Zum Hirschen", wo die Jungkicker untergebracht sind, überrascht. "Ich dachte schon, dass es in den Zimmern furchtbar aussehen werde, aber die Kinder räumen immer ganz brav auf." Schuld an diesem "Putzfimmel" ist wohl das Punktesystem, das sich die Betreuer ausgedacht haben. Jeden Abend gehen sie durch die Zimmer und vergeben Punkte je nach Sauberkeit und Ordnung. "Wir haben gestern fünf Minuspunkte bekommen, weil wir um halb elf Uhr abends noch auf dem Gang waren", berichtet der zwölfjährige Timmy aus Lenting, und seine Zimmerkameraden nicken betroffen. Um 22 Uhr ist nämlich Bettruhe, und das muss man als angehender Fußballprofi wohl akzeptieren.

"Die Buben brauchen doch ihren Schlaf, schließlich sind sie den ganzen Tag auf Achse", weiß auch Stöckle. Denn den Kindern wird neben dem Fußballtraining noch ein buntes Programm drumherum geboten. So lauschen die Kinder an den Abenden den Vorträgen zur Suchtprävention oder der Bedeutung der Physiotherapie zur Vorbeugung von Sportverletzungen. Da wird der Zweite Bürgermeister von Beilngries besucht, werden Fragen gestellt, wird anschließend ein Rundgang durch die Altstadt gemacht und zum Schluss, natürlich nur, wenn alle brav waren, gemütlich am Marktplatz ein Eis geschleckt. Bei so viel Ereignisreichtum wird es eigentlich nie langweilig, und auch das allgemeine Fernsehverbot wird noch ganz gut weggesteckt.

"Na ja, am Sonntagabend war es schon blöd, dass wir keinen Fernseher hatten, weil da nämlich ,Star Search · die Entscheidung` kam. Das hätte mich schon interessiert", erzählt Gustl Huber aus Rohrbach.

Auch von Heimweh scheint im Camp keine Spur zu sein. "Meine Mama hat mir zwar ein Handy mitgegeben, aber ich glaub, ich ruf gar nicht zu Hause an, weil das doch so viel kostet", erklärt der zwölfjährige Michael und verschwindet auch schon wieder im Haus, weil "die ganze Mannschaft" gleich ins Freibad fährt. Die Buben sind also sparsam, ordentlich und haben kaum Zeit für ein Interview. Und das sind dann doch die perfekten Voraussetzungen für eine große Fußballerkarriere.

Seht hier nun die vielen und schönen Bilder vom Sportcamp


Anja Schmidt

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